AECEA erwartet Übergangsjahr für die Photovoltaik in China

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In China beginnt am Freitag das „Jahr des Hundes“. Es bringt Bewegung, Motivation und unkonventionelle Lösungen, glaubt man den Astrologen. Was 2018 für den chinesischen Photovoltaik-Markt bringen wird, hat Asia Europe Clean Energy (Solar) Advisory (AECEA) versucht zu analysieren. Das Unternehmen ist der Auffassung, es „wird ein weiteres gutes Jahr für die Photovoltaik“, doch zugleich ein Übergangsjahr. Der Photovoltaik-Zubau dürfte auf 40 bis 45 Gigawatt zurückgehen, so die Prognose des Beratungsunternehmens. Dafür sprechen nach Ansicht von AECEA viele verschiedene Gründe.

Zunächst dürften sich die Kürzungen der Einspeisetarife zu Jahresbeginn in niedrigeren Margen für die Photovoltaik-Projekte niederschlagen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NRDC) hatte die Tarife für große Photovoltaik-Kraftwerke zum 1. Januar um 12 bis 15 Prozent und für kleinere dezentrale Anlagen um elf Prozent auf 0,37 Yuan pro Kilowattstunde – umgerechnet etwa 4,7 Eurocent pro Kilowattstunde – reduziert. Diese Einspeisevergütung der kleinen Anlagen gilt AECEA zufolge nur bei „Eigenverbrauch mit einem verbleibenden Volumen für Netzeinspeisung“ gezahlt. Allerdings gebe es keinen genaueren Prozentsatz, wie hoch der Photovoltaik-Eigenverbrauch sein müsse. In der Vergangenheit habe das „ungeschriebene Gesetz“ von 80 Prozent Eigenverbrauch gegolten, die meisten Betreiber hätten jedoch nur etwa 55 Prozent erreicht, so die Erklärung von Frank Haugwitz von AECEA. Damit könnte sich diese Neuregelung bei einer konsequenten Verfolgung wohl negativ auf den Markt auswirken.

Die obere Reihe zeigt den monatlichen Photovoltaik-Zubau in China 2017 und die untere die Schätzungen für 2018 von AECEA.

Grafik: AECEA

Zudem sei Ende Dezember noch eine Vorschrift veröffentlicht worden, dass die kleinen Anlagen auch für eine Volleinspeisung ins Netz ausgelegt werden sollen. Für diese würden dann Tarife zwischen 0,55 und 0,75 Yuan pro Kilowattstunde gezahlt – je nach regionalem Standort. AECEA sieht hierdurch die Gefahr von negativen Auswirkungen für den Markt mit kleinen Anlagen. Zumal auch die Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2018 gestrichen und die Errichtungsfrist von 18 auf 12 Monate verkürzt worden sei. AECEA schließt auch nicht aus, dass es in diesem Jahr noch eine Deckelung des Marktes für kleinere gewerbliche Anlagen sowohl beim Gesamtvolumen als auch bei der Größe der einzelnen Projekte geben könnte.

Haugwitz Unternehmen führt als weiteren Grund für ein Übergangsjahr in dem Systemwechsel von Einspeisetarifen zum Zertifikathandel. Letzterer müsse erst zeigen, ob es für die Förderung von Photovoltaik-Anlagen wirklich funktioniere. Auch seien noch nicht alle Details bekannt. Andererseits bezifferte AECEA die verzögerten Einspeisevergütungszahlungen auf rund 12 Milliarden Euro. In Kürze würden nun auch die ersten förderfreien Photovoltaik-Pilotprojekte in China erwartet, weshalb die Einspeisetarife sogar noch früher als geplant abgeschafft werden könnten.

Im vergangenen Jahr hat China der staatlichen Energiebehörde NEA zufolge Photovoltaik-Anlagen mit 53,06 Gigawatt Leistung zugebaut, wovon 19,44 Gigawatt auf die kleineren Systeme entfielen. Die installierte Photovoltaik-Leistung im Land stieg damit auf 130,25 Gigawatt. Dies ist etwa ein Drittel der weltweit installierten Leistung. Insgesamt kam die Photovoltaik in China auf etwa 7,2 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazitäten 2017. Ihr Anteil am erzeugten Strom lag AECEA zufolge bei etwa 1,9 Prozent, was eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr davor bedeutet. Insgesamt seien die Rate der gekürzten Solarstromeinspeisung aufgrund von Netzanschlussproblemen auf sechs bis sieben Prozent im Landesschnitt gesenkt worden.

Doch China legte nicht nur Downstream sondern auch Upstream 2017 weiter zu. Nach Angaben des chinesischen Hersteller-Verbands PVIA erreichten die Wechselrichterhersteller im Land einen Weltmarktanteil von etwa 55 Prozent bei der produzierten Leistung. Bei Modulen waren es demnach 71 Prozent, bei Solarzellen 68 Prozent, bei Wafern 83 Prozent und beim Polysilizium 56 Prozent. In allen Bereichen hätten die chinesischen Hersteller ein zweistelliges Wachstum bei der produzierten Menge erreicht. Am stärksten stieg die Wechselrichterproduktion, die um 55 Prozent auf 62 Gigawatt stieg, wie es weiter hieß. Bei Modulen seien es 76 Gigawatt gewesen und damit 43,3 Prozent mehr als 2016. Bei den weltweit produzierten Wafern kommen die chinesischen Hersteller auf 87 Gigawatt – eine Steigerung um 39 Prozent.

Eine weitere starke Entwicklung erwartet AECEA in diesem Jahr auch im Energiespeichersektor. Er sei für die Regierung in Peking von strategischer Bedeutung, weshalb nun verschiedene Maßnahmen zum Aufbau einer international wettbewerbsfähigen Industrie in diesem Bereich ergriffen werden. So sei es keine Überraschung, dass die Provinz Jiangxi vor einigen Tagen 65 Speicherprojekte für Elektromobilität und stationäre Anwendungen mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro ankündigte. In weiteren Provinzen gibt es AECEA zufolge ähnliche Initiativen. Zudem arbeite NEA derzeit noch einer Verbesserung der Marktmechanismen für Zusatzservices, was sich positiv für Speicher auswirken dürfte.