Etwa die Hälfte der ehemaligen Solarworld-Mitarbeiter in der Thüringer Transfergesellschaft haben neue Jobs

Seit Mitte August arbeitet eine Transfergesellschaft daran, die ehemaligen Mitarbeiter von Solarworld in Arnstadt in neue Jobs zu bringen. Mitte August waren 480 Beschäftigte in diese gewechselt, da zum Neustart der Solarworld Industries GmbH, die unter anderem die Produktionsstätten in Thüringen und Sachsen aus der Insolvenzmasse übernahm, nicht alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden konnten. Knapp die Hälfte davon sei mittlerweile in neue Jobs vermittelt worden, erklärte Mypegasus-Geschäftsführer Jan Kiehne zur Halbzeitbilanz. Diese zog am Montag der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee gemeinsam mit dem Träger der Transfergesellschaft in Arnstadt.

Tiefensee sei dankbar, dass es allen Beteiligten – Politik, Insolvenzverwalter, IG Metall und Betriebsräten – gelungen sei, eine Transfergesellschaft zu installieren. Diese bietet den Mitarbeitern professionelle Unterstützung in einer existenzbedrohenden Situation. „Ganze Familien sind belastet“, so Tiefensee weiter. Nach seiner Einschätzung sind die ehemaligen Solarworld-Mitarbeiter „motiviert und gut qualifiziert“. Zudem sei der Arbeitsmarkt in Thüringen „grundsätzlich aufnahmefähig“, da die wirtschaftlichen Rahmendaten stimmten. Kiehne vom Träger Mypegasus ergänzte, dass die ehemaligen Solarworld-Beschäftigten über „weitgefächerte Facharbeiterqualifikationen“ verfügten, zumeist aber speziell für die Solarindustrie geschult seien. „Diese mitgebrachten Qualifikationen sind sehr speziell, es gibt hierfür wenig Zielarbeitsplätze“, so Kiehnle weiter.

Auch die Agentur für Arbeit in Arnstadt sprach von einer guten Zusammenarbeit aller Beteiligten. Es sei im September eine Jobmesse veranstaltet worden, die zu den guten Vermittlungserfolgen beigetragen habe. Dem stimmte auch Kirsten Breuer, 2. Geschäftsführer der IG Metall Erfurt, zu. Er verwies zudem darauf, dass die noch nicht vermittelten Beschäftigten ebenfalls noch eine Perspektive bräuchten. Breuer kritisierte zudem, dass Solarworld mittlerweile auch wieder Leiharbeiter beschäftige und nicht auf die „noch unversorgten ehemaligen Mitarbeiter“ zurückgereife. Nach IG Metall-Angaben sind nicht alle Unternehmen in der Region tarifgebunden und somit hätten einige ehemalige Solarworld-Mitarbeiter nun zu deutlich schlechteren Konditionen neue Jobs annehmen müssen.

Die Solarworld AG und ihre deutschen Tochtergesellschaften hatten im Mai Insolvenz anmelden müssen. Im August gelang dem Insolvenzverwalter Horst Piepenburg schließlich eine Investorenlösung. Die Solarworld Industries GmbH, an der der ehemalige Vorstandschef Frank Asbeck und Qatar Solar Technologies beteiligt sind, übernahmen die Werke in Arnstadt und Freiberg sowie 515 Mitarbeiter aus der alten Belegschaft. Insgesamt mehr als 1000 Beschäftigten in Thüringen und Sachsen wurde der Wechsel in Transfergesellschaften angeboten, für die Asbeck und die katarischen Investoren ebenfalls einigen Millionen Euro zur Verfügung stellten. Etwa sechs Wochen nach dem Neustart der Solarworld-Produktion in Thüringen und Sachsen holte der Photovoltaik-Hersteller weitere 77 Mitarbeiter aus der Transfergesellschaft zurück, 22 davon für die Solarzellenfertigung in Arnstadt, 55 weitere für die Modulproduktion in Freiberg. Ende September kündigte Solarworld an, zusätzlich noch Leiharbeiter beschäftigen zu wollen.