Solarpower Europe erwartet 94.000 neue Photovoltaik-Jobs in der EU bis 2021

Die Arbeitsmarktlage in der Photovoltaik in der EU könnte sich bis 2021 deutlich verbessern. Solarpower Europe rechnet damit, dass in der europäischen Solarbranche wieder fast 175.000 Vollzeitarbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 9,5 Milliarden Euro bis 2021 erreicht werden. Dies geht aus der Neuauflage des Berichts „Solar PV Jobs & Value Added in Europe“ hervor, die Ernst & Young (EY) im Auftrag des Verbands erstellt hat. Gegenüber 2016 sei dies eine erheblich Steigerung. Im vergangenen Jahr habe es 81.000 Vollzeitarbeitsplätze und gut 4,6 Milliarden Euro Wertschöpfung in den 28 EU-Mitgliedsländern gegeben.

In dem EY-Bericht enthalten ist auch die Prognose, dass im Falle einer Erhöhung des EU-Ausbauziels von 27 auf 35 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 damit allein 120.000 neue Jobs in der Photovoltaik-Branche entstünden. Auch von der Beseitigung der Anti-Dumpingmaßnahmen für die chinesischen Photovoltaik-Hersteller, für die Solarpower Europe seit nunmehr über zwei Jahren ist, verspricht sich der Verband einen positiven Effekt: Nach EY-Berechnung würden damit 45.500 zusätzliche direkte und indirekte Arbeitsplätze in den EU-Staaten.

2016 hätten nur Frankreich, die Niederlande und Großbritannien über mehr Solarjobs als 2008 verfügt. Die Zahl der Arbeitsplätze sei dabei stark abhängig von den jährlichen Photovoltaik-Zubauzahlen. Nach der Studie sind die Photovoltaik-Systempreise zwischen 2014 und 2016 um 23 Prozent gesunken. Zudem unterstützen Installationen von Dachanlagen etwa drei Mal mehr Jobs und Wertschöpfung als Freiflächenanlagen. Nach der Studie sind 75 Prozent der Arbeitsplätze und 73 Prozent der Wertschöpfung direkt mit dem Photovoltaik-Downstreambereich, insbesondere der BoS-Komponenten, verknüpft. In diesem Segment werde bis 2021 auch das größte Wachstum erwartet.

„Unsere Kalkulationen zeigen, dass in Spanien die meisten neuen Jobs entstehen werden; mit einem erwarteten Wachstum um 471 Prozent von 2016 bis 2021, gefolgt von Griechenland (+403 Prozent) und Polen (+381 Prozent)“, so ein Ergebnis des EY-Berichts (siehe Grafik aus der Studie). In Deutschland sei die Zahl der Vollzeitstellen von 61.748 im Jahr 2008 auf 20.176 im vergangenen Jahr gesunken. Bis 2021 sagt die EY-Studie wieder 29.401 Vollzeitstellen voraus. Dies ist der europaweit höchste Wert. Bei der Wertschöpfung wird eine ähnliche Entwicklung erwartet und für Deutschland bis 2021 wieder ein Anstieg auf 1,921 Milliarden Euro vorausgesagt. Dies ist nur noch halb soviel wie 2008, aber ein deutlicher Anstieg gegenüber 2016.

Die Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Marijana Petir, erklärte, dass dieser Anstieg nur möglich sei, wenn die politischen Rahmenbedingungen bis 2020 angepasst würden. „Mit der richtigen Politik könnte dieses Wachstum bis 2030 noch größer ausfallen.“ Petir fordert, dass die Mitgliedsstaaten über die nötige Flexibilität verfügen sollten, um Anreize zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und zugleich auf effiziente Weise neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Ihr Kollege Reinhard Bütikofer von den Grünen kommentierte: „Kurzfristig gesehen könnte die Abschaffung der Handelssanktionen, die derzeit von der Wettbewerbskommission der EU-Kommission durchgesetzt werden, für einen willkommenen Aufschwung für die europäische Solarindustrie, inklusive neuer Jobs, sorgen.“ Christian Westermeier, Präsident von Solarpower Europe, forderte als erste Maßnahme die Beseitigung aller Hemmnisse. Zuerst gehe es dabei um die Handelsbeschränkungen bei Solarmodulen und Solarzellen, die von einem stabilen politischen Umfeld für die Photovoltaik in der EU begleitet werden müssten. Nach Westermeiers Überzeugung wären die durchschnittlichen Photovoltaik-Systempreise ohne die Zölle noch stärker zwischen 2014 und 2016 gesunken.

Dominique Ristori, Generaldirektor für Energie bei der EU-Kommission, erklärte anlässlich des Berichts: „Wir wollen, dass sich Photovoltaik und saubere Energien in Europa bestmöglich entwickeln. Mehr Photovoltaik-Jobs und Wertschöpfung sind der Schlüssel hin zu einer nachhaltigen kohlenstoffarmen Wirtschaft.“