Trendforce: Globale Spotmarktpreise für Polysilizium um 20 Prozent gestiegen

Die Marktanalyse von Trendforce hat ergeben, dass die durchschnittlichen globalen Spotmarktpreise für Polysilizium zwischen Ende Juli und Mitte August um 20 Prozent gestiegen sind. Nachdem ein führender chinesischer Photovoltaik-Hersteller Notfallreparaturen in einer seiner Fabriken vornehmen musste, habe sich die Versorgungslage plötzlich verschärft, heißt es von den Analysten der zu Energytrend gehörenden Geschäftseinheit. Der Druck habe noch zugenommen, da auch andere Polysilizium-Hersteller ihre jährlichen Instandhaltungsarbeiten genau in dieser Zeit durchführten. Ab Mitte September werde sich die Versorgungssituation voraussichtlich wieder entspannen. Allerdings hätte weitere Hersteller Wartungsarbeiten im dritten Quartal geplant. Daher werde die am Markt verfügbare Menge Polysilizium weiterhin limitiert bleiben.

Der Preis für Polysilizium wird Trendforce zufolge im September wieder etwas sinken. Der durchschnittliche Spotmarktpreis werde jedoch nicht unter 135 Yuan pro Kilogramm erwartet. „Dieser drastische Rückgang bei der Polysilizium-Versorgung ist einfach zu groß und wird einen Einfluss auf die gesamte Photovoltaik-Wertschöpfungskette haben“, erklärte Analyst Jason Tsai. Ein großer Teil der derzeitigen Polysilizium-Nachfrage, die bereits zuvor mit nachgelagerten Herstellern vereinbart worden sei, werde wohl nicht erfüllt werden, selbst wenn die Polysilizium-Produzenten ihre Notfallreserven freigeben.

Auch die Preise für multikristalline Wafer seien aufgrund des Versorgungsengpasses bei Silizium deutlich teurer geworden. Die in Taiwan ansässigen Zellhersteller mit Fabriken im In- und Ausland verzeichneten zudem eine Flut an Aufträgen, da die Photovoltaik-Nachfrage im August in den USA und Europa ihren Höhepunkt erreicht habe. Um die Lieferungen zu erfüllen, müssten sie die Kostensteigerungen bei Polysilizium tragen, die die Waferhersteller in Form höhere Preise an sie weiterreichten. Kleinere und mittlere Solarzellenhersteller in China hätten hingegen nicht viele Aufträge aus ausländischen Märkten, heißt es bei Trendforce. Sie würden vornehmlich die Auslastung ihrer Fabriken senken, um möglichst wenig von den hohen Polysiliziumpreisen belastet zu werden. Insgesamt könnten jedoch nur die Silizium- und Waferhersteller ihre Margen verbessern.

Die starke Nachfrage in den USA liege in der für den 22. September erwarteten Ankündigung der Internationalen Handelskommission (ITC) der USA zur Suniva-Petition begründet. Viele Photovoltaik-Unternehmen in den USA haben Module bestellt, die möglichst vor dem Datum noch geliefert werden sollen. So wollen Exporteure und Importeure das Risiko minimieren, sollte sich die US ITC in ihrer vorläufigen Regelung für die Zahlung von Bareinlagen für Zölle aussprechen, die im weiteren Verlauf des Verfahrens dann verhängt werden könnten, heißt es bei Energytrend.

Angesichts der vielen Lieferungen bis September in die USA werde der Effekt der Suniva-Petition auf die Nachfrage entlang der Wertschöpfungskette zunächst gering ausfallen. Daher besteht nach Ansicht der Analysten eine große Chance, dass die Nachfrage und Preise nach multikristallinen Produkten im September sinken werden. Bei monokristallinen Produkten wiederum werde der Markt durch das chinesische Top Runner-Programm in der selben Zeit angetrieben. Die Projekte aus diesem Programm müssten bis Ende September ans Netz angeschlossen werden. Wegen der nahenden Deadline erwartet Trendforce kurzfristig eine erhöhte Nachfrage in diesem Segment.