Am langen Pfingstwochenende sind wieder negative Strompreise auf breiter Front zu erwarten – gerade tagsüber, wenn die Sonne scheint und Photovoltaik-Anlagen auf Hochtouren laufen und nur wenig Last benötigt wird. Für den Samstag sind die Day-ahead-Preise an der Epex Spot bereits veröffentlicht und werden in Deutschland demnach zwischen 9:30 Uhr und 16:45 Uhr bei 0 Cent oder darunter liegen.
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) sieht darin eine „überflüssige Misere“ und fordert von der Regierung, sieben Gegenmaßnahmen direkt umzusetzen. „Das Ganze ist so ärgerlich wie unnötig. Wir hätten genügend Speicher und andere Flexibilitäten, wenn diese Lösungen nicht ausgebremst würden“, heißt es vom Verband am Freitag. Die vorgesehenen Gesetzesnovellen würden keine Abhilfe schaffen.
Nach Ansicht des bne müssen Hemmnisse für große Batteriespeicher konsequent abgebaut werden, um einen raschen Netzanschluss zu gewährleisten und den überschüssigen Solarstrom in die Abendstunden zu verschieben. Dann wird Strom oftmals gebraucht und eher von teuren Gaskraftwerken geliefert. „Das Netzanschlusspaket muss zu einem Beschleunigungspaket für Netzanschlussgenehmigungen für Speicher werden“, fordert der Verband als erste Maßnahme. Zudem – so der zweite Punkt – müssten die mehr als 20 Gigawattstunden an Kapazitäten in Photovoltaik-Heimspeichern systematisch in Markt- und Netzprozesse eingebunden werden. Dazu brauche es geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, die Fehlanreize vermeiden.
Ferner sollte zunächst intelligentes, dann bidirektionales Laden von Elektroautos zum Standard werden. „Das benötigt Smart-Meter und Prozesskompetenz bei den Netzbetreibern in der Datenverarbeitung“, so der bne. In den Elektroautos sei eine Speicherkapazität von etwa 100 Gigawattstunden verfügbar. Die vierte Maßnahme ist die Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts. Intelligente Messsysteme würden Anreize setzen, dass Verbraucher flexibel Strom zu Zeiten niedriger oder negativer Strompreise aufnehmen und damit helfen, das Netz zu entlasten.
Bei den bestehenden Photovoltaik-Dachanlagen will der bne erreichen, dass sie stärker auf Marktpreissignale reagieren. „Der Wechsel in die Direktvermarktung, noch vor Auslaufen der EEG-Förderung, sollte aktiv ermöglicht und massentauglich ausgestaltet werden“, fordert der Verband von der Regierung. Alle Erzeugungsanlagen, auch konventionelle Kraftwerke sollten zudem vollständig steuerbar sein, um sie bei hoher Solar- und Windstromerzeugung konsequent vollständig abregeln zu können. Als siebte Gegenmaßnahme sieht der bne die Digitalisierung der Netze und die Einführung dynamischer Netzentgelte im Zuge des AgNes-Prozesses. „Die Netzkrise muss überwunden werden. Mit diesen Maßnahmen können negative Strompreise deutlich reduziert, Systemkosten massiv gesenkt und erneuerbare Überschüsse effizient genutzt werden“, so das bne-Fazit. „Sonnige und windreiche Feiertage würden damit Quell günstiger Energie für Industrie und Verbraucher und nicht länger Kosten und Systemrisiko.“
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Punkt 6 sehe ich kritisch, ansonsten Zustimmung.
Die großen Kraftwerke werden immernoch zur Regelung der Netzstabilität benötigt. Stichworte Momentanreserve, Blindleistung usw.
Solange es dafür kein flächendeckender Ersatz in Betrieb ist, sollten die Kraftwerke weiterhin am Netz bleiben.
Ich vermute, die meisten Maßnahmen scheitern am Smartmeter Rollout, der gesetzlich verordnet erst bis 2032 vollendet sein wird. Die Konzerne haben wahrscheinlich nichts gegen die derzeitige Situation. Heimspeicher werden mit dem eigenen PV Strom geladen und auch indivuduell entladen, da ändern auch ein paar Cent „Verdienst“ nix dran. Bidirektionales Laden wird auch noch Jahre brauchen bis es im Markt ankommt. Auch BEV sind tagsüber oft nicht zu Hause. Smarte Stromtarife brauchen auch das SmartMeter – größtenteil, es gibt Ausnahmen. Wenn ich über https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktpr%C3%A4mie/Spotmarktpreis-nach-3-Nr-42a-EEG die Schwankungen in diesem Jahr anschaue lohnt sich das nur wenn man zwischen 10 und 14 Uhr viel Strom braucht. Morgens und abends wird es oft schnell teuer. Zu den Strompreisen muß man 16-20 Cent brutto aufschlagen je nach Netzgebiet und das ergibt schnell Strompreise zwischen 30 und 40 Cent/kWh, das ist also nicht attraktiv. Jeder normale Tarif kann das auch. Die Situation wird sich evtl. 2029 verändern, wenn Südlink in Betrieb ist.
Für die Investitionen in die Energiewende (im Sektor der Stromversorgung) seit 2000 (- ca. 2024) wurden ca. 800-900Mrd. € investiert(?). Dabei haben die Stromkundinnen und Haushaltstromkunden, kleine und mittlere Unternehmen und Schwerindustrie, welche nicht privilegierte Regelungen in Anspruch genommen haben die Hauptlast von ca. 350-400Mrd. Euro übernommen(?) Durch ‚Steuerzahler‘ werden seit, überwiegend, 2022 durch gesetzliche Regeländerung (EEG -> KTF), ca. 80-100Mrd. € eingebracht und ausgeglichen(?)
Die Vorteile daraus in Höhe von ca. 700-900Mrd. € haben sich, je nach Phase der Energiewende, auf folgende Gruppen verteilt:
Windkraftanlagen 25–30%
Solar 20–25%
Planung/Installation 15–20%
Netzbetreiber 10–15%
Infrastrukturfinanzierung 10–15%
Verpachtung/Landeigner 5–8%
Stromeinsparungsanteil/Eigennutzung 5–10%
In den Jahren 2016–2024 erfolgte eine Vorteilsverschiebung der begünstigten Teilhaber an der Energiewende, deutlich, zu
Netzbetreibern,
Offshore Windkraft,
Infrastrukturfinanzierung,
Grossanlagenentwicklern
und Energie- bzw. Stromhandel.
von aus vorherigen Jahren (seit ca. 2000), eher,
frühe/’erste‘ Windkraft- und Photovoltaikanlagen (mit gesicherter Vergütung, auch teils noch höheren strukturellen/technischen Risiken),
(während 2008-2015)
Dachsolaranlageneigentümern,
Installation,
chinesische ProduktHerstellung,
Landverpachtung/-nutzung
Gemittelte Renditen für Photovoltaik- bzw. Windkraftanlagen können mit ca. 5-12% über den Zeitraum von ca. 2000-2024 eingeordnet werden?
„Alle vorgeschlagenen Maßnahmen sind für den Bundeshaushalt kostenneutral bzw. entlasten den Haushalt u.a. durch höhere Marktwerte für Erneuerbare Energien.
* Modul 3 des § 14a EnWG, eingeführt am 1. April 2025, verpflichtet Netzbetreiber, zeitvariable Netzentgelte für steuerbare Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeicher über 4,2 kW) anzubieten. In der Praxis ist diese bei fast keinem Netzbetreiber nutzbar. Netzbetreiber kommen in großem Umfang hier ihren Pflichten nicht nach.“
Eigentlich dürften negative Preise, wobei der Vorteil des Negativen Preises meist vollständig vom Netzentgelt aufgefressen wird, dafür sorgen, dass der Kauf eines Speichers und die Entnahme aus dem Netz bei Überangebot und das Zurückspeisen bei höheren Preisen sich schneller lohnt. Das eigentliche Problem ist meiner Erfahrung nach und analog zu den Kommentaren der Vorredner eher, dass der Anschluss der Batteriespeicher ans Netz zu lange dauert, der Smartmeter Rollout von den Netzbetreibern eher blockiert als gefördert wird und dadurch die Vergünstigung des Stroms für alle durch erhöhung des erneuerbaren Anteils behindert wird. Reservekraftwerke wären nur begrenzt nötig, wenn das Speicherpotential von Batterien (stationär und mobil) und von Industrieprozessen besser genutzt und schneller angeschlossen würde…
Oh, da haben aber welche Angst, sie könnten die Stromkunden nicht kräftig genug schröpfen. Schämt euch, 🤬