Sieben Gegenmaßnahmen gegen negative Strompreise

Stromnetz, Sonnenuntergang, Pixabay

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Am langen Pfingstwochenende sind wieder negative Strompreise auf breiter Front zu erwarten – gerade tagsüber, wenn die Sonne scheint und Photovoltaik-Anlagen auf Hochtouren laufen und nur wenig Last benötigt wird. Für den Samstag sind die Day-ahead-Preise an der Epex Spot bereits veröffentlicht und werden in Deutschland demnach zwischen 9:30 Uhr und 16:45 Uhr bei 0 Cent oder darunter liegen.

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) sieht darin eine „überflüssige Misere“ und fordert von der Regierung, sieben Gegenmaßnahmen direkt umzusetzen. „Das Ganze ist so ärgerlich wie unnötig. Wir hätten genügend Speicher und andere Flexibilitäten, wenn diese Lösungen nicht ausgebremst würden“, heißt es vom Verband am Freitag. Die vorgesehenen Gesetzesnovellen würden keine Abhilfe schaffen.

Nach Ansicht des bne müssen Hemmnisse für große Batteriespeicher konsequent abgebaut werden, um einen raschen Netzanschluss zu gewährleisten und den überschüssigen Solarstrom in die Abendstunden zu verschieben. Dann wird Strom oftmals gebraucht und eher von teuren Gaskraftwerken geliefert. „Das Netzanschlusspaket muss zu einem Beschleunigungspaket für Netzanschlussgenehmigungen für Speicher werden“, fordert der Verband als erste Maßnahme. Zudem – so der zweite Punkt – müssten die mehr als 20 Gigawattstunden an Kapazitäten in Photovoltaik-Heimspeichern systematisch in Markt- und Netzprozesse eingebunden werden. Dazu brauche es geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, die Fehlanreize vermeiden.

Ferner sollte zunächst intelligentes, dann bidirektionales Laden von Elektroautos zum Standard werden. „Das benötigt Smart-Meter und Prozesskompetenz bei den Netzbetreibern in der Datenverarbeitung“, so der bne. In den Elektroautos sei eine Speicherkapazität von etwa 100 Gigawattstunden verfügbar. Die vierte Maßnahme ist die Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts. Intelligente Messsysteme würden Anreize setzen, dass Verbraucher flexibel Strom zu Zeiten niedriger oder negativer Strompreise aufnehmen und damit helfen, das Netz zu entlasten.

Bei den bestehenden Photovoltaik-Dachanlagen will der bne erreichen, dass sie stärker auf Marktpreissignale reagieren. „Der Wechsel in die Direktvermarktung, noch vor Auslaufen der EEG-Förderung, sollte aktiv ermöglicht und massentauglich ausgestaltet werden“, fordert der Verband von der Regierung. Alle Erzeugungsanlagen, auch konventionelle Kraftwerke sollten zudem vollständig steuerbar sein, um sie bei hoher Solar- und Windstromerzeugung konsequent vollständig abregeln zu können. Als siebte Gegenmaßnahme sieht der bne die Digitalisierung der Netze und die Einführung dynamischer Netzentgelte im Zuge des AgNes-Prozesses. „Die Netzkrise muss überwunden werden. Mit diesen Maßnahmen können negative Strompreise deutlich reduziert, Systemkosten massiv gesenkt und erneuerbare Überschüsse effizient genutzt werden“, so das bne-Fazit. „Sonnige und windreiche Feiertage würden damit Quell günstiger Energie für Industrie und Verbraucher und nicht länger Kosten und Systemrisiko.“

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