Aurora Energy Research: Regionale dynamische Netzentgelte reduzieren Redispatch-Bedarf nur teilweise

Bundesnetzagentur, Hauptsitz, Bonn

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Aktuell läuft der sogenannte AgNes-Prozess, mit dem die Bundesnetzagentur die Netzentgeltsystematik reformieren will. Noch stehen die finalen Entscheidungen aus, doch die Einführung dynamischer Netzentgelte steht im Raum. Diese sollen netzdienliches Verhalten von Anlagen fördern und den Redispatch-Bedarf reduzieren.

Welche Auswirkungen regional differenzierte, dynamische Netzentgelte auf das deutsche Stromsystem hätten, haben die Analysten von Aurora Energy Research daher auch in einer Studie im Auftrag eines Konsortiums – bestehend aus EnBW, Engie, Leag, Onyx Power, RWE, Trianel und Statkraft untersucht. In ihrer Modellierung ging es darum, die Auswirkungen dynamischer Netzentgelte für Erzeuger und Batteriespeicher auf den Kraftwerkseinsatz (Dispatch) und auf Netzengpässe (Redispatch) zu ermitteln. Dafür haben sie sechs verschiedene Szenarien für regionale dynamische Netzentgelte in 22 Regionen und zwei Analysejahre (2029 und 2037) betrachtet.

Die Ergebnisse zeigen, dass dynamische Netzentgelte den Redispatch-Bedarf nur teilweise reduzieren, dafür aber starke systemische Nebenwirkungen verursachen. Bereits bei niedrigen dynamischen Netzentgelten zeigen die Berechnungen für das Jahr 2037 eine ausgelöste Erzeugungsverschiebung von 54 Terawattstunden. Dies würde deutlich über den 19 Terawattstunden an Redispatch-Volumen liegen, die die Analysten in ihrem Basisszenario ohne dynamische Netzentgelte annehmen. Je nach Annahme und Ausgestaltung ließe sich eine Reduktion des Redispatch-Volumens um 5 bis 63 Prozent erreichen. Allerdings würde gleichzeitig die Einspeisung aus Erneuerbaren-Anlagen deutlich sinken, während thermische Erzeugung zulegt. Dies bliebe nicht ohne Folgen für die Strompreise und CO2-Emissionen. Nach den Annahmen von Aurora Energy Research würde die höhere thermische Erzeugung den Grundlastpreis gegenüber dem Basisszenario um 13 Prozent erhöhen. Die CO2-Emissionen lägen 2029 um 26 Prozent und 2027 um 22 Prozent höher. Der damit verbundene Wohlfahrtsverlust könnte den Analysten zufolge je nach Ausgestaltung der dynamischen Netzentgelte damit 2029 zwischen 1,1 und 1,6 Milliarden Euro liegen.

Kosten und Erlöse variieren stark nach Region

Aurora Energy Research hat sich auch die Verteilungseffekte der dynamischen Netzentgelte genauer angeschaut. Im Ergebnis würden sich Kosten und Erlöse stark zwischen Regionen und Akteuren verschieben, was wiederum mit Risiken für Investitionen und die Akzeptanz verbunden wäre. So könnte die Wirtschaftlichkeit bestehender und neuen Windkraft- und Photovoltaik-Projekte je nach Region stark belastet werden. Bei Wind-Onshore und -Offshore zeigen sich Mindererlöse von bis zu 70 Prozent. Für Photovoltaik-Anlagen hat Aurora Energy Research die Mindererlöse bei bis zu 45 Prozent 2037 für Regionen mit Netzengpässen und starkem Ausbau ermittelt. In vielen Regionen seien jedoch hohe Erlössteigerungen möglich, wobei diese Anlagen keinen Beitrag zur Reduzierung des Redispatch-Bedarfs liefern würden.

„Grundsätzlich ist es ein richtiger Schritt, Marktentscheidungen näher an die Netzrealität heranzuführen“, sagen die Analysten zur Einordnung ihrer Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine regionale Ausgestaltung dynamischer Netzentgelte mit begrenzter räumlicher Granularität erhebliche Zielkonflikte mit sich bringen kann.“ So werde eine entlastende Wirkung für die Netze durch systemweite Ineffizienzen, Wohlfahrtsverluste und herausfordernde Verteilungseffekte überlagert. „Strukturelle Einschränkungen – etwa durch regionale Aggregation, Prognoseunsicherheiten und fehlende Zielgenauigkeit – begrenzen die Eignung regionaler dynamischer Netzentgelte als zentrales Instrument des Engpassmanagements“, heißt es von Aurora Energy Research weiter.

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