Wichtige Indikatoren im Überblick: Wann Gewerbespeicher sinnvoll sind

Lastspitzenkappung mit Gewerbespeichern

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Ob sich ein Gewerbespeicher lohnt, lässt sich am besten bewerten, indem man eine Analyse auf Basis des individuellen Stromverbrauchsprofils des Standorts macht. Der Lastgang liegt bei Standorten mit über 100.000 Kilowattstunden Stromverbrauch sowieso vor, welcher den Strombezug für jede Viertelstunde im Jahr dokumentiert.

Es gibt jedoch einige Indikatoren, anhand derer man auch schon vorher einen ersten Eindruck über die potenzielle Amortisation einen Eindruck gewinnen kann. Im Fokus stehen in diesem Beitrag die gängigsten Anwendungsfälle: Lastspitzenkappung, Eigenverbrauchsoptimierung und Strombezugsoptimierung.

Potenzial für Lastspitzenkappung

Lastspitzenkappung ist ein extrem relevanter Anwendungsfall, der in einigen Fällen bei großen Gewerbespeichern zu einer Amortisation in drei bis fünf Jahren führen kann. Dafür müssen jedoch die passenden Voraussetzungen vorliegen. Hier ist vor allem der Leistungspreis ein sehr wichtiger Indikator. Wenn ein Unternehmen am Standort mehr als 120 Euro pro Kilowatt für seine Lastspitzen zahlt, ist das ein äußerst vielversprechendes Zeichen. In manchen Fällen kommen auch Leistungspreise von über 200 Euro pro Kilowatt vor, was diesen Anwendungsfall umso spannender macht.

Liegt der Leistungspreis zwischen 60 und 120 Euro pro Kilowatt, kann Lastspitzenkappung dennoch Sinn machen – je nach Struktur des Lastgangs. Bei Leistungspreisen deutlich unter 60 Euro pro Kilowatt ist das Potenzial erfahrungsgemäß begrenzt.

Wichtig: Durch den Bau einer Photovoltaik-Anlage kann sich die Jahresbenutzungsdauer verändern und somit die zu zahlenden Leistungspreise und damit das wirtschaftliche Potenzial für Lastspitzen stark senken. Bei unserer Software für die Wirtschaftlichkeit von Gewerbespeichern wird dies automatisch einbezogen.

Stromtarif

Ist ein Betrieb in einem dynamischen Stromtarif, hat einen Tag-Nacht-Tarif oder will dahin wechseln, steigt das wirtschaftliche Potenzial eines Batteriespeichers. Dieser kann den Strombezug von Zeiten mit teuren Strompreisen zu Zeiten mit niedrigen Strompreisen verlagern und damit die durchschnittlichen Strombezugskosten senken.

Zusätzlich dient ein Batteriespeicher in diesen Fällen als eine Art Versicherung gegenüber Ausreißern der Strompreise an der Strombörse, wie zum Beispiel im Juli 2024, als der Strompreis aufgrund eines technischen Fehlers kurzzeitig bei 233 Cent pro Kilowattstunde lag. Der Speicher kann jedoch natürlich nur im Rahmen seiner Entladeleistung und Batteriekapazität solchen Preisspitzen entgegenwirken.

Potenzial für Eigenverbrauchsoptimierung

Der wohl gängigste Anwendungsfall von Gewerbespeichern ist die Eigenverbrauchsoptimierung. Wie viel wirtschaftliches Potenzial hier zu holen ist, lässt sich durch folgende Indikatoren einschätzen:

Stromproduktion am Standort

Dies ist klassischerweise eine Photovoltaik-Anlage, könnte aber auch ein Blockheizkraftwerk oder ein anderer lokaler Erzeuger sein. Dass eine solche Anlage vorhanden oder geplant ist, bildet die Grundlage für eine Eigenverbrauchsoptimierung.

Aktuelle Eigenverbrauchsquote

Wenn schon zum Beispiel 70 Prozent oder mehr des Solarstroms direkt verbraucht werden, ist das Potenzial für Optimierung klein. Ein Speicher für Eigenverbrauchsoptimierung wäre dann über das Jahr hinweg nur selten aktiv und würde sich nur langsam amortisieren. Wenn die Eigenverbrauchsquote der Photovoltaik-Anlage jedoch deutlich niedriger liegt, kann die Batterie sich häufiger laden und entladen und ist somit ökonomisch und ökologisch gesehen produktiver.

Differenz zwischen Strompreis und Einspeisevergütung

Überschüssigen Strom in einer Batterie einzuspeichern und später bei Bedarf wieder zu benutzen, spart deshalb Geld, weil die Kosten, den Strom zu kaufen, höher sind als die Vergütung, den Strom einzuspeisen. Wenn Strompreis und Einspeisevergütung gleich wären (der Zähler rückwärtsliefe), gäbe es keinen finanziellen Anreiz für die Eigenverbrauchsoptimierung. Dieser Logik folgend ist der Anreiz umso größer, je größer die Differenz zwischen Strompreis und Einspeisevergütung ist.

Bei einer Einspeisevergütung von 6 Cent profitiert ein Industriekunde mit sehr niedrigen Strompreisen (zum Beispiel 18 Cent) halb so viel von Eigenverbrauchsoptimierung wie ein kleiner Gewerbebetrieb mit Stromkosten von 30 Cent pro Kilowattstunde. Die Batterie würde sich also beim kleinen Gewerbe doppelt so schnell amortisieren wie beim großen Industriebetrieb.

Wichtig ist, dass hier in die Stromkosten alles mit eingerechnet werden muss, was pro Kilowattstunde Strombezug bezahlt wird. Also nicht nur die Stromkosten, sondern auch die Arbeitspreise der Netzentgelte, Stromsteuern, Umlagen und Abgaben. Denn all das muss nicht bezahlt werden bei einer Kilowattstunde, die aus der Batterie statt aus dem Netz bezogen wird.

Dementsprechend ist eine Eigenverbrauchsoptimierung auch besonders spannend für Photovoltaik-Anlagen, die schon über 20 Jahre alt sind und aus der EEG-Förderung fallen.

Zeitpunkt des Baus der Photovoltaik-Anlage

Wie wir alle wissen, sinkt die Einspeisevergütung jedes halbe Jahr und seit dem 25. Februar 2025 gilt das sogenannte Solarspitzengesetz, nach dem für Neuanlagen bei negativen Strompreisen keine EEG-Verfügung mehr gezahlt wird. Beide Faktoren machen den Einsatz von Gewerbespeichern für Eigenverbrauchsoptimierung wirtschaftlicher.

Weitere Überlegungen

Es gibt aber natürlich noch andere gute Gründe für Gewerbespeicher, wie die Notstromversorgung, Schnellladeinfrastruktur oder den Handel von Strom beziehungsweise Flexibilität.

Zudem ist ein Gewerbespeicher auch immer eine Art der Absicherung gegenüber steigenden Strompreisen, Netzentgelten, Steuern und Umlagen und bietet daher eine gewisse Form der Sicherheit. Die Entwicklung dieser Kosten in den nächsten Jahren spielt also ebenfalls eine Rolle. Zusätzlich kann die zukünftige Gestaltung der Netzentgelte neue Umsatzströme für Gewerbespeicher ermöglichen.

Außerdem gibt es natürlich neben der Ersparnis- beziehungsweise Umsatzseite eines Gewerbespeichers noch die Gegenseite der Kosten, welche maßgeblich die Wirtschaftlichkeit bestimmt. Hier können Einflussfaktoren wie die Verfügbarkeit eines geeigneten Aufbauorts, mögliche Förderungen, Baukostenzuschüsse von Netzbetreibern und viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

Ermittlung der optimalen Speichergröße

All diese Punkte können eine erste Indikation geben. Genauer lässt sich dies beantworten mit einer präzisen Wirtschaftlichkeitsanalyse auf Basis des Strombezugsprofils und des Erzeugungsprofils einer bestehenden oder geplanten Photovoltaik-Anlage. Damit lässt sich dann auch die anschließende Frage beantworten: Welche Speichergröße ist für den konkreten Anwendungsfall sinnvoll?

Genau dazu haben wir unsere Green Energy Tools Software entwickelt, um Solarinstallateurinnen, Energieberaterinnen und Installateurinnen von gewerblichen Batteriespeichern bei der Planung und dem Vertrieb von Gewerbespeichern zu unterstützen, die sich schnell amortisieren und optimale Einsparungen erzielen. Auch zeigen wir verschiedene Szenarien rund um die Möglichkeiten dynamischer Strompreise, zeitvariabler Netzentgelte und weiterer Möglichkeiten, die Netzentgelte zu strukturieren.

Lennart Wittstock, Green Energy ToolsDer Autor Lennart Wittstock ist Gründer von Green Energy Tools, einer Softwareplattform zur Wirtschaftlichkeitsanalyse von Gewerbespeichern. Es ist sein drittes Unternehmen, angetrieben von dem Ziel zur Klimaneutralität beizutragen. Zuvor war er bei Enpal C&I und ALVA Energie tätig und hat dort unzählige Lastgänge auf ihr Potenzial für Gewerbespeicher analysiert. https://green-energy-tools.de

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