Red Eléctrica warnt vor abrupten Spannungsschwankungen im spanischen Stromnetz, aber ohne „Abschaltungsrisiko“

Der Netzbetreiber führt diese Schwankungen auf plötzliche Programmänderungen zurück, insbesondere in der erneuerbaren Erzeugung, sowie auf die Reaktionszeit der Erzeugung, die dynamische Spannungsregelung bereitstellt. REE weist jedoch zurück, dass eine Abschaltung droht.
Foto: Pixabay

Red Eléctrica (REE) hat am 7. Oktober der Nationalen Kommission für Märkte und Wettbewerb (CNMC) ein Schreiben vorgelegt, in dem sie vor abrupten Spannungsschwankungen im Netz der spanischen Halbinsel warnt. Der spanische Netzbetreiber bringt diese Schwankungen mit plötzlichen Programmänderungen in Verbindung, insbesondere bei erneuerbaren Erzeugungsanlagen, sowie mit der Reaktionszeit der Erzeuger, die dynamische Spannungsregelung liefern.

Obwohl diese Schwankungen innerhalb der gesetzlich zulässigen Grenzen bleiben, warnt der Netzbetreiber, dass sie Trennungen von Erzeugung oder Lasten hervorrufen könnten, die die Stabilität der Versorgung beeinträchtigen. Aus diesem Grund fordert er dringend und zeitlich befristet Änderungen an mehreren Betriebsverfahren zur Verstärkung der Spannungsregelung und der Reaktionsfähigkeit. Konkret handelt es sich um Änderungen in den Verfahren:

  • 3.1 Prozess der Planung
  • 3.2 Technische Beschränkungen
  • 7.2 Sekundärregelung
  • 7.4 Ergänzender Dienst der Spannungsregelung im Übertragungsnetz

In diesem Rahmen ist vorgesehen: Die Anforderung an Stichproben bei der Einhaltung der Spannungsregelung auf 90 Prozent zu erhöhen. Im Beobachtungszeitraum 60 Werte pro Periode als Stichprobe zu verlangen. Die programmierten Anlagen zu verpflichten, ihre Reservekapazität für die Ausgleichsmärkte vorzuhalten und damit ihre Exposition gegenüber Intraday-Märkten zu reduzieren.

Als Vorsichtsmaßnahme und mit der Absicht, Überspannungen im Netz zu vermeiden, hat REE bereits damit begonnen, vorübergehend den Einspeiseanteil erneuerbarer Energie zu begrenzen, bis die neuen Verfahren eingeführt werden.

Einige Medien haben daraufhin erneut vor einem Risiko eines Stromausfalls gewarnt, was REE über soziale Medien zurückgewiesen hat. „Angesichts der veröffentlichten Informationen wollen wir eine beruhigende Botschaft aussenden“, erklärt der Netzbetreiber und weist darauf hin:

  • Wir haben nicht von einem Abschaltungsrisiko gesprochen, weder unmittelbar noch generell.
  • Wir haben in letzter Zeit Spannungsschwankungen beobachtet, die vermieden werden sollten, die aber keinen Versorgungsrisiken entsprachen, da sie innerhalb zulässiger Grenzen lagen.
  • Aus diesem Grund hat der Systembetreiber wie üblich in den letzten Tagen die Maßnahmen vorgeschlagen, die wir für notwendig erachten, um die Robustheit des Stromnetzes zu stärken.
  • Ziel dieser konkreten Maßnahmen ist es, jene Dynamiken zu verringern, die angesichts der Entwicklungen im System in den letzten Tagen zu erscheinen begonnen haben.

Darüber hinaus erklärt REE, dass die Entwicklung des Systems in den letzten Jahren dazu geführt habe, dass diese Dynamiken nun zu Tage treten. Zu den relevantesten Faktoren zählen:

  • Ein signifikanter Zuwachs an Anlagen, die via Leistungs­elektronik ans Netz angeschlossen sind, und eine hohe Konzentration an bestimmten Netzpunkten. Diese Anlagen können ihre Leistung innerhalb von Sekundenbruchteilen ändern, praktisch sprunghaft.
  • Die aktive Teilnahme dieser Technologien in verschiedenen Marktsegmenten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Produktion größere Variation erfährt.
  • Diese Technologien regeln die Spannung nicht kontinuierlich.
  • Es wird beobachtet, dass einige der angeschlossenen Anlagen, die über eine kontinuierliche Spannungsregelung verfügen, nicht über die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit verfügen, die das System angesichts der zuletzt beobachteten Parameterdynamik erfordert.
  • Genauso wie der Zuwachs großer Anlagen stark war, gab es auch ein starkes Wachstum von kleineren Anlagen in Niederspannungsebenen, viele davon im Zusammenhang mit Eigenverbrauch. Der Systembetreiber hat keine Beobachtbarkeit dieser Anlagen, sodass ihr Verhalten nicht vorhersehbar ist.
  • Zudem hat die Zunahme des Eigenverbrauchs in der Verteilung dazu geführt, dass die Nettolast im Übertragungsnetz bei hoher Photovoltaik-Erzeugung deutlich geringer ist. Das führt zu entlasteten Übertragungsnetzen und bringt das System an einen Betriebspunkt, an dem aktive Leistungsänderungen einen größeren Einfluss auf die Variabilität der Systemparameter haben — allen voran auf die Netzspannung.
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Kommentare

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Oct 20, 2025

( auch GuD-Kw bzw. rotierende Massen können Nachteile aufweisen
1987:
„Am 31. Dezember 1987 kam es zu einem schweren Zwischenfall in Block 2, als die Turbine nach zehntägigem Stillstand kalt gestartet werden sollte. Sie hatte bereits 58.000 Betriebsstunden hinter sich und war 838 Starts unterzogen worden, davon 110 Kaltstarts. Während des Anfahrens zerbarst eins der Niederdruckteile in weniger als einer hundertstel Sekunde und schleuderte Trümmerteile bis in eine Entfernung von 1,3 Kilometern um das Kraftwerk.“ )

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Oct 18, 2025

( „Daten von Verteilkabine und Ortsnetztrafo den Kunde zur Verfügung stellen , damit der Kunde selber regeln kann. Wer trägt dann die Verantwortung bei Überlast? Und Sabotage wär auch wesentlich einfacher.“

Was macht die ‚Verteilnetzbetreiber‘ bzw. deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertrauenswürdiger als normale Stromkundinnen und Haushaltstromkunden?
Wer sind die ‚Profis‘ in dieser Branche, die (Verteil)Stromnetzbetreiber oder die Kundinnen und Kunden?
Wenn Sie dann von einer (grundsätzlichen) Kompetenz der Verteilstromnetz-(bzw. Übertragungsnetz-)betreiber schreiben, entstehen mittlerweile (meistens) grundlegende Zweifel, nach Jahren bis Jahrzehnten Netzausbau, Normierung und Politikberatung(?) )

Jörg Eberl
Oct 17, 2025

@Schiller
Vor 15 Jahren war es schlicht nicht notwendig jeden Netzverknüpfung zu überwachen. Ist es übrigens auch heute noch nicht. Wenn ein Netzbetreiber eine saubere Netzplannung erstellt, gibts im Normalfall keine Überraschungen. Dazu gibts bewährte Programme wie Neplan. Jetzt machts natürlich Sinn heikle Stellen zusätzlich zu überwachen. Wird auch gemacht, kostet jedoch auch Geld, was über die Netzentgelte finaziert wird.

Sie schreiben: Das Netz wird gnadenlos ineffiezient betrieben.
Meinen Sie weil die max. Netzlast nicht permanet genutzt wird? Ein Netz wird auf die max. Spitzenlast im Bezug und Lieferung ausgelegt mit Reserve für künftige Verbraucher, z.B mit Neplan. Da ist es klar das die max. Belastung selten bis gar nicht erreicht wird.
Jetzt könnte man das Netz so auslegen, das es in wenigen Stunden pro Jahr überlastet wird. z.B mit einer Überbauung von PV-Anlagen oder Ladestationen,usw. Dazu müsste der Netzbetreiber jedoch die Erlaubnis haben Verbraucher und Erzeuger zu regeln. Dies würde enorm Kupfer und Geld einsparen.
Ich wette jedoch Sie wären der erste, der reklamiert weil er sein E-Auto um 19.00Uhr nur mit 4 kW anstelle von 22kW laden kann.

Und kommen Sie mir nicht damit, die Netzbetreiber sollen die Daten von Verteilkabine und Ortsnetztrafo den Kunde zur Verfügung stellen , damit der Kunde selber regeln kann. Wer trägt dann die Verantwortung bei Überlast? Und Sabotage wär auch wesentlich einfacher.

Jörg Eberl
Oct 17, 2025

@Thorsten
In diesem Atikel wird es ziemlich gut beschrieben.
Ein Phsenschieber ist im Prinzip ein Synchrongenerator ohne Turbine. Meistens mit Schwungrad ergänzt.

https://www.windbranche.de/news/nachrichten/artikel-38727-stabile-stromnetze-amprion-nimmt-ersten-rotierenden-phasenschieber-in-baden-wurttemberg-in-betrieb

@Herr Schiller
Ein weiteres Märchen …..

Jörg Eberl
Oct 17, 2025

@Herr Schiller
Ist wiedermal Märchenstunde angesagt bei Ihnen?
BotU hat natürlich recht mit der Totzeit von rotierenden Massen. AKW Leibstadt hat als Beispiel einen rund 600t schweren Turbogenerator. Natürlich ein Synchrongenerator.

Die Trägheit durch die rotierenden Massen verschafft der Primärregelung wenige Sekunden für die Reaktion. Dabei wird Wirkleistung reguliert um die Frequenz stabil zu halten

Synchrongeneratoren sind aktuell essenziell für die Blindleistungskompensation induktiv und kapazitiv. Dadurch kann die Spannung im Übertragungsnetz geregelt werden. Dies hat nichts mit der Frequenz zu tun. Diese ist von dem Gleichgewicht der WIRKLEISTUNG abhängig.