Energiewende-Fonds soll privates Kapital mobilisieren

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Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzt in seinem aktuellen „Fortschrittsmonitor 2024“ den Investitionsbedarf für die Energiewende in Deutschland auf mehr als 721 Milliarden Euro bis 2030 und 1,2 Billionen Euro bis 2035. Das Geld müsse vor allem für den Ausbau der erneuerbaren Energien, den Ausbau der Strom- und den Umbau der Gasnetze, die Dekarbonisierung des Wärmesektors und den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft aufgebracht werden. Hierfür, so der Verband, werde es „einen ganzen Strauß an Finanzierungsinstrumenten brauchen“. Eine Möglichkeit haben der BDEW und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) am Wochenende gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Deloitte in einem rund 20 Seiten umfassenden Konzeptpapier dargelegt: einen Energiewende-Fonds (EWF) vor.

Über den Fonds könnte dem Konzept zufolge privates Eigenkapital für Energieunternehmen mobilisiert werden, zum Beispiel über stille Einlagen und Genussrechte oder durch klassische Unternehmensbeteiligungen. Das Anfangskapital sollte hierbei 30 bis 50 Milliarden Euro betragen. Der wichtigste Grund für den Vorschlag ist die Einschätzung, dass Unternehmen der Energiebranche es schwer haben werden, ihre weiteren Vorhaben auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren.

Schon bisher, heißt es in einer Mitteilung, seien Investitionen in die Energiewende größtenteils durch Kredite finanziert. Die Investitionstätigkeit müsse aber „in den kommenden Jahren um ein Vielfaches gesteigert werden“, die Unternehmen müssten also noch mehr Fremdkapital aufnehmen und damit ihre Eigenkapitalquote entsprechend senken. Damit aber wären sie für potenzielle Kreditgeber weniger attraktiv, und deshalb „muss in vielen Unternehmen zunächst die Eigenkapitalquote wieder erhöht werden“. Hierfür umworbenes privates Kapital, genauer: dessen Besitzer müssen jedoch in Konkurrenz zu anderen Anlagemöglichkeiten überzeugt werden, und in aller Regel lassen sie sich einen eventuellen Beitrag hoch verzinsen. Eigenkapital sei „aufgrund eines höheren Risikos das teuerste Kapital auf dem Finanzmarkt“. Deshalb sollen in dem skizzierten Fonds „professionelle Fondsstrukturen sowie staatliche flankierende und risikominimierende Maßnahmen“, beispielsweise Garantien oder Bürgschaften, sowohl Kapitalnehmern als auch Kapitalgebern attraktive Konditionen bieten.

Generell, erklären BDEW, VKU und Deloitte, werde die Energiewende „ohne ausreichende und langfristig verlässliche Renditen“ nicht zustande kommen. Deshalb sei es „eine der wichtigsten Aufgaben der Politik“, einen passenden Investitionsrahmen zu schaffen. Neben der Stärkung des Eigenkapitals sei insbesondere für Investitionen in den Netzausbau und in erneuerbare Energien ein regulatorischer Finanzierungsrahmen erforderlich, „der dem Finanzmarktumfeld entspricht und Kapitalrückflüsse sicherstellt“.

„Schuldentragfähigkeit ist ausgeschöpft“

Die Energiebranche investiere „als eine zentrale Wachstumsbranche in einen klimaneutralen Wirtschaftsstandort Deutschland“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Der Finanzierungsbedarf werde in den nächsten Jahren „noch um ein Vielfaches steigen“, weshalb ein Mix aus verschiedenen Finanzierungsinstrumenten und flankierenden staatlichen Maßnahmen notwendig sei. „Der eigenkapitalstärkende Energiewendefonds setzt genau hier an“, so Andreae: „Er steigert die Attraktivität von Investitionen und mobilisiert so zusätzliches Kapital für die Energiewende.“

Für Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU, entscheidet sich das Vorankommen der Energiewende „vor Ort in den Kommunen. Doch selbst kerngesunde und leistungsfähige Stadtwerke werden die hohen Investitionen, die sie in einem sehr kurzen Zeitraum tätigen müssen, kaum allein stemmen können“. Auch die Belastungen der Verbraucher durch die Energiepreise dürfe man „nicht aus den Augen verlieren“. Vor diesem Hintergrund unterstütze der Fonds Investitionen und könne „durch unseren Vorschlag zu Risikoübernahmen durch Bund und Länder auch einen wichtigen Beitrag leisten, Kostensteigerungen für Verbraucherinnen und Verbraucher zu dämpfen.“

Für Hans-Jürgen Walter, Partner Financial Services, Global Leader Sustainable Finance bei Deloitte, ist die „Schuldentragfähigkeit“ vieler Unternehmen bereits ausgeschöpft. Deshalb „konzentriert sich der EWF zunächst auf die Stärkung des Eigenkapitals und die daraus resultierenden Hebeleffekte für die Kreditaufnahme“. Die Energiewende werde aber „nur gelingen, wenn Energieunternehmen sämtliche verfügbaren Finanzierungsmöglichkeiten nutzen“ – also auch Eigenkapitalerhöhungen.

Das Konzeptpapier „Kapital für die Energiewende. Die EWF-Option“ steht auf den Internetseiten des BDEW zum kostenlosen Download bereit.

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