Erneuerbaren-Branche fordert mehr Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Nordrhein-Westfalen

Freiflächen-Photovoltaikanlage in Nordrhein-Westfalen, Illustration LEE NRW

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Der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW) hat heute in Kooperation mit dem Projektentwickler Wattner eine Bilanz zum Photovoltaik-Ausbau im Jahr 2023 vorgelegt und verzeichnet einen „Solar-Boom“. Eine aktuelle Auswertung des Marktstammdatenregisters, die – bedingt durch nachträgliche Korrekturen – leicht von der letzten Veröffentlichung durch die Bundesnetzagentur mit Stand vom 18. Januar abweicht, ergab für Nordrhein-Westfalen einen Zubau von 211.111 neuen Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2165 Megawatt. „Im Vergleich zum Vorjahr“, so der LEE NRW, „bedeutet das mehr als eine Verdoppelung.“

Tatsächlich liegt der Zubau 2023 damit sogar um 123 Prozent über den 2022 verzeichneten 955 Megawatt. Damit liegt Nordrhein-Westfalen auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt; hier entsprechen die 2023 erreichten 14.261 Megawatt einer Zunahme um knapp 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr (7484 Megawatt). Es sei „schön zu sehen, dass der Solar-Aufschwung in NRW prozentual gesehen noch über den neuen Rekordzahlen auf Bundesebene liegt“, sagt LEE NRW-Geschäftsführer Christian Mildenberger.  Hinsichtlich der absoluten Zahlen für die neu zugebaute Leistung lag 2023 nur Bayern – wenn auch sehr deutlich – mit 3641 Megawatt vor Nordrhein-Westfalen. Den dritten Platz belegt Baden-Württemberg mit 1889 Megawatt.

Photovoltaik-Zubau in Nordrhein-Westfalen 2010 bis 2023 nach Leistung

Grafik: LEE NRW; Quelle: Bundesnetzagentur, Solarbranche.de

Der LEE NRW verzichtet in seiner Bilanz allerdings auf den Bezug des Photovoltaik-Zubaus zur Einwohnerzahl. Hier belegt das bevölkerungsreichste Bundesland mit rund 117 Watt pro Einwohner nur den 12. Platz. Ganz vorn liegen Brandenburg (374 Watt), Bayern (272 Watt) und Mecklenburg-Vorpommern (245 Watt). Dass diese drei Bundesländer mit ihrer hohen Anzahl an besonders großen Anlagen die Spitze bilden, hat indes auch mit dem „bitteren Wermutstropfen“ zu tun, den der LEE NRW in seiner Jahresbilanz beklagt: Die Zahl der in Nordrhein-Westfalen 2023 neu ans Netz gegangenen Freiflächenanlagen sei „verschwindend gering“. Nur drei Prozent beziehungsweise 71 Megawatt der neu installierten Leistung entfielen der Auswertung zufolge auf dieses Segment.

Gemäß den Ausbauzielen der Bundesregierung sollten bis 2030 in Deutschland rund 215.000 Megawatt Photovoltaik-Leistung installiert sein, hälftig auf Dächern und Freiflächen. Der Anteil Nordrhein-Westfalens hieran betrage 24.000 Megawatt, so der LEE NRW. Mit aktuell 440 Megawatt sei man bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen von den dann erforderlichen 12.000 Megawatt viel zu weit entfernt.

Als Gründe nennt der LEE NRW fehlende Netzanschlüsse und Kapazitäten sowie „überlange Verfahrensdauer mit zwei bis drei Jahren. Hier solle das Vorgehen besser koordiniert werden. Es seien aber auch nicht weit genug gehende Verbesserungen im Landesentwicklungsplan und „fehlender politischer Wille“ hinderlich für den Photovoltaik-Ausbau auf der Freifläche. Analog zur bereits bestehenden „Taskforce Windenergie“ plädiert der Verband deshalb „für die Schaffung einer neuen Taskforce Solarenergie, die hilft, Tempo bei den Ausweisungen neuer Flächen zu machen“. Die Landesregierung müsse „dafür sorgen, dass die vorhandenen Potenziale auf Freiflächen“ ebenso wie für Agri-, Floating- oder Parkplatz-Photovoltaik an Autobahnen und Bundesstraßen viel besser genutzt werden.

In Bezug auf die in Nordrhein-Westfalen seit Januar für Nicht-Wohngebäude und ab 2025 auch für Wohnbauten geltende Solarpflicht seien Informationskampagnen „unverzichtbar, damit diese erfolgreich umgesetzt wird“.

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