Bundesnetzagentur präsentiert Eckpunkte für gerechtere Netzentgelte

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Dort wo viele Photovoltaik- und Windkraftanlagen stehen muss mehr für die Stabilität der Stromnetze getan werden. Ihre volatile Einspeisung erfordert des Öfteren Redispatchmaßnahmen durch die Netzbetreiber, die damit mehr Kosten haben als Netzbetreiber in Regionen mit wenig Erneuerbaren. Zudem müssen die Netze dort fit gemacht werden für den Anschluss der Erneuerbaren-Anlagen.

Die Bundesnetzagentur hat nun am Freitag ein Eckpunktepapier zur Verteilung der Mehrkosten veröffentlicht. Regionen mit viel erneuerbaren Energien sollen dabei spürbar entlastet werden. „Die Netzentgelte in diesen Regionen sollen sinken. Dies führt auf der anderen Seite überschaubaren zusätzlichen Kosten für alle Stromverbraucher in Deutschland“, erklärte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller. Er sieht dabei eine große Einigkeit über den Handlungsbedarf bei den Netzentgelten.

Der Vorschlag der Bundesnetzagentur sieht ein gestuftes Modell vor, wobei Netzbetreiber mit besonders hohen Kosten entlastet werden und alle Stromverbraucher fairer an den Gesamtkosten beteiligt werden sollen. Im ersten Schritt soll dabei ermittelt werden, welche Netzbetreiber von den besonders hohen Kosten betroffen sind. Dafür schlägt die Behörde eine Kennzahl vor, die sich auch den am Netz eines Betreibers angeschlossenen Erneuerbaren-Anlagen und deren Leistung ergibt. Wenn diese Kennzahl eines Netzbetreibers einen festzulegenden Schwellenwert überschreitet, kann die in einem zweiten Schritt ermittelte Mehrbelastung bundesweit verteilt werden, wie die Bundesnetzagentur vorschlägt. Damit könnten in diesen Regionen die Netzentgelte sinken.

17 Netzbetreiber könnten Kosten wälzen

Basierend auf diesem Vorschlag wären es aktuell 17 Netzbetreiber in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur, die ihre Mehrkosten wälzen könnten. Diese würden etwa 10,5 Millionen Verbraucher versorgen. Ihre Netzentgelte würden um bis zu 25 Prozent sinken, womit sie dann unter oder nur noch leicht über dem bundesweiten Durchschnitt lägen. Die angeschlossenen Haushalte mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden jährlich würden so bis zu 120 Euro im Jahr an Netzentgelten sparen.

Mehr zum Thema in der Magazinausgabe November 2023

Änderung der Netzentgelte: Das ist der Stand der Diskussion

Es ist höchste Zeit für eine Reform der Netzentgeltregulierung, darin sind sich die meisten Fachleute einig. Es geht darum, volkswirtschaftlich sinnvolle Anreize zu setzen, gleichzeitig Lasten gerecht zu verteilen und nicht zu viel Bürokratie zu schaffen.

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Für 2023 hat die Bundesnetzagentur die Entlastung für Netzbetreiber wie folgt ermittelt. In Brandenburg  wären es 217 Millionen Euro, in Schleswig-Holstein 184 Millionen Euro und Sachsen-Anhalt noch 88 Millionen Euro. Auch Netzbetreiber in Mecklenburg-Vorpommern (44 Millionen Euro), Bayern (40 Millionen Euro) und Niedersachsen (26 Millionen Euro) bekämen spürbare Entlastungen. Geringere Entlastungen ergeben sich auch für einzelne Netzbetreiber in Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz. In den übrigen Bundesländern ergibt sich derzeit kein Wälzungsbetrag, wie es von der Bundesnetzagentur weiter hieß.

Der dritten Schritt sieht dann vor, dass die begünstigten Netzbetreiber einen finanziellen Ausgleich für ihre Mehrbelastung erhielten. Die Mehrkosten sollen dabei bundesweit gleichmäßig verteilt werden, wofür die Behörde den Mechanismus der Umlage nach § 19 StromNEV nutzen will. Die Umlage sei ein etablierter Mechanismus zum Ausgleich bestimmter Netzkosten zwischen allen Netznutzern und Bestandteil des Strompreises. Sie dient dazu, entgangene Erlöse eines Netzbetreibers auszugleichen, die entstehen, weil bestimmte Verbraucher ein reduziertes Netzentgelt zahlen. Für die Entlastung in den betroffenen Netzgebieten würde die Umlage von 0,4 Cent pro Kilowattstunde 2024 auf 0,64 Cent pro Kilowattstunde steigen. Für einen Haushalt mit Durchschnittsverbrauch bedeutet dies zusätzliche Kosten von 8,40 Euro pro Jahr.

Entwicklung Netzentgelte 2015 vs. 2023
Zum Vergrößern bitte anklicken.

Grafik: Bundesnetzagentur

Aktuell liegen die Netzentgelte zwischen weniger als 5 und bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde für die Endverbraucher. Dabei gibt es in einigen Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg regional große Differenzen. Aus Sicht der Bundesnetzagentur hat die Entwicklung über die Jahre „eine nicht weiter hinnehmbare Dimension angenommen“. Mit dem weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windkraft in Deutschland würde sie sich zudem weiter verschärfen. Mit dem Beschluss der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) im November hat die Bundesnetzagentur die Kompetenzen übertragen bekommen, Lösungen für eine gerechtere Verteilung der Netzkosten zu erarbeiten. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 870 Unternehmen, die Stromverteilnetze betreiben.

Die Vorschläge der Bundesnetzagentur sollen nun öffentlich konsultiert werden. Stellungnahmen können bis Ende Januar 2024 abgegeben werden. Im dritten Quartal nächsten Jahres will die Bundesnetzagentur dann eine „Festlegung zur sachgerechten Verteilung der Mehrkosten“ erlassen, die frühestens zum 1. Januar 2025 in Kraft treten soll.

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