Strategischer Photovoltaik-Einkauf für mehr Wettbewerbsfähigkeit

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pv magazine: Sie haben mit solar4trade ein neues Unternehmen gegründet: Was verbirgt sich dahinter?

Michael Nöding: Die solar4trade GmbH ist das Ergebnis einer jahrelangen, positiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit mehrerer etablierter Unternehmen der Photovoltaik-Branche. Mit der strategischen Entscheidung, den Einkauf zu bündeln, stellen wir unsere Erfahrung und Expertise im internationalen Einkauf nun auch anderen Unternehmen zur Verfügung. Wir sind ein strategischer Einkauf, welcher durch Digitalisierung sowie zukunftsweisende Prozesse die Photovoltaik-Branche und die Energiewende weiter professionalisieren möchte.

Wenn haben Sie als weitere Partner mit an Bord geholt?

Neben den Gründungsmitgliedern Metje Consulting  Secundo Photovoltaik, TWE Solar sowie der Wirsol Aufdach GmbH haben wir langjährige führende Hersteller der Photovoltaik-Branche als Partner für die solar4trade gewinnen können. Auch außerhalb Deutschlands und Österreichs haben wir bereits Partnerschaften etabliert. Weiteres hierzu wird Schritt für Schritt auf unserer Website veröffentlicht werden oder auch in einem pv magazine Podcast zu hören sein.

Welche Produkte bieten Sie an, wo bieten Sie an und vor allem wem bieten Sie die an?

Wir konzentrieren uns auf die Dienstleistung in Form der Beschaffung von Solarmodulen, Wechselrichtern, Speichersystemen sowie Zubehör wie etwa Steckverbindungen für unsere Kunden. Unser Angebot wird über digitale Schnittstellen direkt in die Einkaufs- und Warenwirtschaftssoftware eingebunden, ebenso aber auch über einen Onlineshop sowie klassisch via Mail und Telefon angeboten werden. Zu unseren Kunden gehören heute bereits mittelständische Betriebe aus der Photovoltaik-Branche – Distributoren, EPC-Unternehmen sowie große Installateure – in mehreren Ländern, welche bereits eine eigene Einkaufsabteilung haben oder eine Größe erreicht haben, die eine eigene Einkaufsabteilung sinnvoll macht.

Sie sagen, Sie wollen Unternehmen beim Aufbau und der Umsetzung eines innovativen Einkaufsprozesses mithilfe datenbasierter Steuerungsprozesse beraten. Was kann ich mir darunter vorstellen und was sind die Vorteile davon für die Unternehmen?

Wenn wir Unternehmen beim Aufbau und der Umsetzung eines innovativen Einkaufsprozesses mithilfe datenbasierter Steuerungsprozesse beraten, geht es darum, digitale Schnittstellen und Datenbanken einzusetzen, den Einkauf effizienter und effektiver zu gestalten. Hierbei werden umfangreiche Daten über Lieferanten, Produkte, Preise, Verträge und andere relevante Informationen gesammelt, analysiert und genutzt, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein zentraler Aspekt ist die Verwendung von digitalen Schnittstellen, welche es uns ermöglichen, Informationen zwischen verschiedenen Systemen und Abteilungen nahtlos auszutauschen. Durch die Integration von Einkaufssystemen, ERP-Systemen, Lieferantenportalen und anderen relevanten Plattformen können Prozesse automatisiert, Daten synchronisiert und der Informationsfluss verbessert werden.

Was ergeben sich daraus für Vorteile für die Unternehmen?

Die Vorteile eines datenbasierten Steuerungsprozesses im Einkauf sind vielfältig. Zum einen ermöglicht er eine bessere Transparenz und Sichtbarkeit in den Beschaffungsaktivitäten. Unternehmen haben einen umfassenden Überblick über ihre Lieferanten, Verträge, Preise sowie die Qualität, was zu einer verbesserten Verhandlungsposition führt. Darüber hinaus können datenbasierte Analysen und Berichte die Effizienz im Einkauf steigern. Durch die Auswertung von verschiedenen Daten können Unternehmen beispielsweise Engpässe oder Schwachstellen in der Lieferkette identifizieren und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Sie können auch Lieferantenleistungen bewerten und die Zusammenarbeit mit den besten Partnern optimieren.

Sparen die Unternehmen auch Kosten ein?

Ja, ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Unternehmen durch datenbasierte Steuerungsprozesse Zeit und Ressourcen einsparen können. Automatisierte Prozesse, nahtloser Informationsaustausch und präzise Forecasts ermöglichen eine schnellere und effizientere Beschaffung. Dies führt zu verkürzten Durchlaufzeiten, geringeren Verwaltungsaufwänden und letztendlich zu Kosteneinsparungen. Insgesamt können Unternehmen, die auf datenbasierte Steuerungsprozesse im Einkauf setzen, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Sie können fundierte Entscheidungen treffen, die auf umfangreichen und genauen Daten basieren, und dadurch ihre Einkaufsstrategien optimieren. Dies ermöglicht es ihnen, Kosten zu senken, die Qualität zu verbessern, Risiken zu minimieren und gleichzeitig agiler und effektiver auf die sich ständig ändernden Marktanforderungen zu reagieren.

Wenn man so etwa 15 Jahre zurückschaut, gab es viele Großhändler, doch die meisten sind im Laufe der Jahre dann vom Markt verschwunden, weil zumeist eine Umstellung von einem drei- zu einem zweistufigen Vertrieb erfolgte. Warum glauben Sie, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Einkaufsaktivitäten wieder zu bündeln und quasi wieder zum dreistufigen Modell zurückzukehren?

In den letzten 15 Jahren hat sich der Markt erheblich verändert. Eine der auffälligsten Entwicklungen ist die zunehmende Vergleichbarkeit. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wie beispielsweise die Standardisierung von Modulmaßen und die Harmonisierung von Produktstandards. Dadurch ist es für Kunden einfacher geworden, Produkte und Dienstleistungen miteinander zu vergleichen. Dennoch bleibt unsere Branche leider teilweise immer noch undurchsichtig und es gibt viele Produkte, welche nicht alle notwendigen Zertifikate und Zulassungen besitzen, um in Europa oder einzelnen Ländern eingesetzt zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Fachkräftemangel. Viele Unternehmen kämpfen damit, qualifizierte Fachkräfte für den Einkauf zu finden. Dies führt zu einer starken Belastung des Einkaufsprozesses, insbesondere den Einkaufsabteilungen und kann die Effizienz negativ beeinträchtigen. Mit der Bündelung der Einkaufsaktivitäten kann dieser Mangel an Fachkräften und spezialisierten Einkäufern besser bewältigt werden, da unsere Einkäufer in der Lage sind, die Bedürfnisse mehrerer Unternehmen effizient zu bedienen.

Das ist dann der Vorteil des dreistufigen Vertriebs?

Ein weiterer Faktor, der die Rückkehr zum dreistufigen Modell begünstigt, ist die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten. Wenn ein Unternehmen nur von einem oder wenigen Lieferanten abhängig ist, birgt dies ein hohes Risiko. Durch die Bündelung der Einkaufsaktivitäten können verschiedene Lieferanten in den Beschaffungsprozess einbezogen werden, was die Abhängigkeit von Einzelnen verringert und die Lieferkettenrobustheit erhöht, ebenso kommen positive Skaleneffekte zum Zuge. Nicht zuletzt ermöglichen präzise Forecasts eine verbesserte Planung und Steuerung der Einkaufsaktivitäten. Durch die Zusammenführung von Daten und Informationen aus verschiedenen Unternehmen können genauere Vorhersagen getroffen werden, was zu einer effizienteren Lagerhaltung und einer besseren Abstimmung von Angebot und Nachfrage führt. Angesichts dieser Entwicklungen und Vorteile ist der richtige Zeitpunkt gekommen, die Einkaufsaktivitäten wieder zu bündeln und zum dreistufigen Modell zurückzukehren. Dies ermöglicht eine effizientere Beschaffung, bessere Verhandlungsbedingungen, eine robustere Lieferkette und eine optimierte Planung. Letztlich können durch die Zusammenarbeit viele Unternehmen die Herausforderungen des sich wandelnden Marktes besser bewältigen und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

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