Bundesregierung zieht positive Zwischenbilanz bei Nationaler Wasserstoffstrategie

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Vor gut 15 Monaten hat die Bundesregierung die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Deren Ziel ist es, einen Markt für grünen Wasserstoff und dessen Folgeprodukte zu schaffen – und damit nicht nur CO2-Emissionen zu mindern, sondern auch die heimische Exportwirtschaft zu fördern. Nun zieht die schwarz-rote Koalition eine erste Bilanz: In der ersten Phase sei vieles auf den Weg gebracht worden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von vier damit befassten Bundesministerien.

So haben Bund und Länder im Rahmen der „Important Projects of Common European Inter­est“ (IPCEI) 62 Großprojekte im Bereich Wasserstoff, vor allem im Industrie- und Verkehrssektor, mit insgesamt acht Milliarden Euro gefördert. Davon entfällt etwa ein Viertel auf die Stahlbranche. Die IPCEI-Projekte haben der Bundesregierung zufolge besondere Bedeutung für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft, da sie die gesamte Wertschöpfungskette adressieren. Die gesamte Investitionssumme der geförderten Projekte beträgt rund 33 Milliarden Euro. Die deutsche Wirtschaft hatte 230 Projektskizzen eingereicht.

Neben der Förderung nimmt die Bundesregierung für sich in Anspruch, die Rahmenbedingungen für grünen Wasserstoff verbessert zu haben. Als Beispiel nennt sie die beschlossene Befreiung der Elektrolyseure von der EEG-Umlage – sowie die in der EnWG-Novelle verankerten Übergangsregelungen für die Umstellung bestehender Erdgasleitungen auf reine Wasserstoffleitungen und die Einführung von Einstiegs­regelungen zur regulatorischen Behandlung reiner Wasserstoffnetze.

Nachfrage nach grünen Wasserstoff schaffen

Um die aktuell bestehenden Mehrkosten von ins­besondere grünem Wasserstoff abzufedern und so einen raschen Markthochlauf zu unterstützen, hat die Bundesregierung unter anderem verschiedene Förderpro­gramme aufgesetzt oder erarbeitet diese derzeit. Als Beispiele nennt sie das im Januar 2021 gestartete Programm „Dekarbonisierung der Industrie“ und das Förderpro­gramm für Klimaschutzverträge nach dem Ansatz von „Carbon Contracts for Difference“, dessen Start für 2022 geplant ist. Ein wichtiger Anwendungsbereich ist dabei die Stahlindustrie.

Im Bereich der Energieforschung verweist die Bundesregierung auf die neu ins Leben gerufene For­schungsoffensive „Wasserstofftechnologien 2030“, die Forschungsmaßnahmen des Bundes bündeln soll. Dabei sind bereits mehrere Projekte gestartet, etwa die Leitprojekte H2Giga, H2Mare und TransHyDE sowie weitere im Rahmen der Reallabore der Energiewende.

Internationale Zusammenarbeit

Zudem schreibt sich die Bundesregierung mehrere Initiativen auf die Fahnen, die den Import von grünem Wasserstoff aus dem außereuropäischen Ausland, etwa aus Saudi-Arabien und Chile, fördern und die Exportchancen deutscher Unternehmen stärken sollen. Noch in 2021 sol­len Auktionen starten, um Investitionen in Produk­tionsanlagen für grünen Wasserstoff und seine Derivate im industriellen Maßstab außerhalb der EU sowie den Aufbau zugehöriger Lie­ferketten nach Deutschland anzureizen.

„Deutschland bleibt Energieimportland. Daher müssen wir rasch mit unseren ausländischen Partnern die Lieferketten für Grünen Wasserstoff bilden“, erklärt Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU). Zugleich gelte es, in Deutschland Elektrolysekapazitäten aufzubauen und industrielle Schlüsselprozesse auf grünen Wasserstoff umzustellen. „Hier müssen wir noch ehrgeiziger und vor allem mutiger werden.“

„Unsere Klimaziele erreichen wir nur zusammen mit den Entwicklungsländern“, sagt Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (CSU). Grüner Wasserstoff benötige riesige Mengen an erneuerbaren Energien. Die Voraussetzungen für die Produktion seien in vielen Ländern des Südens ideal – zum Beispiel in Nordafrika oder Brasilien. „Wir arbeiten daran, in spätestens fünf Jahren die Wasserstoffproduktion dort im industriellen Umfang zu starten.“ Das sei ein wirksamer Beitrag für den Klimaschutz und Arbeitsplätze vor Ort und stärke die deutsche Technologieführerschaft. „Und es zeigt: Vorreiter in der Klimapolitik zu sein, heißt, auch in eine globale Energiewende zu investieren“, so Müller.

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