Fraunhofer ISE: Erneuerbare mit fast 55 Prozent-Anteil an der Nettostromerzeugung im ersten Quartal 2020

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Nach Auswertung der vorläufigen Daten von Energy Charts hat sich Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung im ersten Quartal 2020 auf 54,8 Prozent erhöht. „Die Windenergie hat die Stromerzeugung im ersten Quartal mit großem Abstand dominiert“, sagte Bruno Burger, Leiter von Energy Charts am Fraunhofer ISE, pv magazine. Allein die in Deutschland installierten Windkraftanlagen erzeugten 51,1 der 134,74 Terawattstunden Strom, die in den ersten drei Monaten aus der Steckdose kamen. Dies sind 8,3 Terawattstunden mehr als noch im ersten Quartal 2020. Auch die Photovoltaik-Anlagen steigerten ihre Produktion um 0,7 Terawattstunden und erreichten im ersten Quartal 7,3 Terawattstunden. Dies entspricht einem Anteil von 5,5 Prozent. Die Windkraft an Land und auf See kam auf einen Anteil von 37,7 Prozent an der Nettostromerzeugung. Noch vor der Photovoltaik lag die Biomasse mit einem Anteil von 8,2 Prozent. Die Wasserkraft steuerte 3,3 Prozent bei. Beide Technologien erzeugten jedoch etwas weniger Strom als noch im ersten Quartal 2019.

Doch die großen „Verlierer“ im ersten Quartal 2020 waren die Kohlekraftwerke in Deutschland. Ihre Erzeugung ging gegenüber dem ersten Quartal 2019 signifikant zurück. Die Braunkohlekraftwerke steuerten 19,1 Terawattstunden zur Nettostromerzeugung bei – 9,1 Terawattstunden weniger als noch im Vorjahresquartal. Die Steinkohlekraftwerke verzeichneten Energy Charts zufolge ein Minus von 7,2 Terawattstunden und trugen noch 9,7 Terawattstunden bei. Auch die Erzeugung der AKW war rückläufig. Einzig die Gaskraftwerke kamen stärker zum Einsatz unter den fossilen Kraftwerken. Mit 14,9 Terawattstunden lag ihr Beitrag zur Nettostromerzeugung leicht über den Werten des ersten Quartals 2019. Mit insgesamt 60,5 Terawattstunden lag die Erzeugung der Nicht-Erneuerbaren-Kraftwerke fast ein Viertel niedriger als noch im Vorjahreszeitraum.

Allerdings ging auch die Last im ersten Quartal 2020 gegenüber den Vorjahresquartalen leicht zurück. Im März sind hier schon erste Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie in Deutschland in den Zahlen erkennbar. Bruno Burger von Energy Charts am Fraunhofer ISE merkt dazu an: „Der Stromverbrauch war etwas geringer als im Vorjahr, aber immer noch im Rahmen der Schwankungsbreite der vergangenen Jahre.“

Insgesamt schrumpfte auch der Stromexport. Er reduzierte sich um 7 auf 10,6 Terawattstunden im Vergleich zum Vorjahresquartal. Zudem ist der durchschnittliche Börsenstrompreis im ersten Quartal mit 26,06 Euro pro Megawattstunde signifikant gefallen. Niedriger lag er nur im ersten Quartal 2016 im Rückblick der vergangenen Jahre. „Aufgrund der bis zur Corona-Krise noch hohen Preise für die CO2-Zertifikate und der niedrigen Börsenstrompreise kamen Braun- und Steinkohlekraftwerke oft nicht zum Einsatz“, sagt Burger zu den aktuellen Zahlen weiter. „Dadurch gingen auch die Stromexporte deutlich zurück.“

Die Brancheninitiative Zukunft Erdgas sieht eine Fortsetzung des im vergangenen Jahr eingeleiteten „Fuel Switchs“, der zu einem stärkeren Einsatz der Gaskraftwerke im Vergleich zu Kohlekraftwerken führt, in den Daten von Energy Charts. Allerdings haben sich die Gründe dafür im ersten Quartal 2020 geändert. „Der positive Trend, der 2019 startete, setzt sich zu Beginn des neuen Jahres fort: Emissionsarme Gaskraftwerke haben ihre Position als Partner der erneuerbaren Energien gefestigt“, erklärte Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas. „Jedoch ist die höhere Auslastung der Gaskraftwerke anders als 2019 nun vor allem auf die stark gesunkenen Erdgaspreise zurückzuführen. Moderne Gaskraftwerke können so günstiger produzieren als Kohlekraftwerke.“ 2019 lag der verstärkte Einsatz der Gaskraftwerke noch vornehmlich in den höheren CO2-Preisen begründet, die im Jahresverlauf um 11 Prozent gestiegen waren. Seit Januar 2020 sei der CO2-Preis im Europäischen Emissionshandel ETS jedoch von rund 25 Euro auf etwa 16 Euro die Tonne gefallen, so Kehler weiter.

Am Mittwoch hatten auch ZSW und BDEW ihre Zahlen zu Bruttostromerzeugung und -verbrauch vorgelegt. Aufgrund der günstigen Wind- und Sonnenbedingungen im ersten Quartal in Kombination mit einem sinkenden Stromverbrauch meldeten sie eine Steigerung des Erneuerbaren-Anteils am Bruttosstromverbrauch auf knapp 52 Prozent. Der Anteil von Windkraft, Photovoltaik und Co. an der Bruttostromerzeugung bezifferten sie mit 48,5 Prozent.