„Circusol“ schenkt ausgedienten Solarmodulen und Elektroauto-Batterien ein zweites Leben

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Noch sind die Mengen ausrangierter Solarmodule und Batterien aus Elektrofahrzeugen überschaubar. Doch dies wird sich in den kommenden Jahren ändern. Die Berner Fachhochschule BFH arbeitet bereits seit 2018 mit europäischen Partnern daran, zirkuläre Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei steht die Wiederverwendung von ausgedienten Photovoltaik-Modulen und Elektroauto-Batterien im Fokus. Rund zwei Jahre nach Projektstart von „Circusol“ geht es jetzt in die Demonstrationsphase für die entwickelten Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft, die die ökonomische und ökologische Bilanz der Solarbranche künftig weiter aufbessern sollen.

Das Forschungskonsortium will die alten Solarmodule für die Wiederverwendung nutzbar machen und defekte Batterien aus Elektroautos wiederherstellen, wie es von der BFH hieß. Voraussetzung sei bei Solarmodulen eine vereinfachte Bauweise. So könnten sie künftig einfacher repariert werden und zurück in den Kreislauf gegeben werden. Bei den ausgedienten Autobatterien könne die Photovoltaik-Branche dagegen profitieren, auch wenn sie nur noch 20 bis 30 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherkapazität hätten. Sie seien dann zwar nicht mehr für den Einsatz in Elektrofahrzeugen geeignet, könnten jedoch als stationäre Speicher in Wohnhäusern ein zweites Leben haben, so die Schweizer Forscher.

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Dies soll nun in den Demonstrationsprojekten gezeigt werden. Derzeit befinden sich fünf konkrete Projekte in der Vorbereitung – von relativ kleinen Photovoltaik-Anlagen auf Wohnhäusern bis hin zu kommunalen und regionalen Projekten. Die Standorte der Demonstratoren befänden sich in der Schweiz, Belgien und Deutschland.

Die Demonstrationsprojekte sollen der BFH zufolge als wirtschaftlich und ökologisch realisierbare Product-Service-Modelle (PSS) für die Solarbranche umgesetzt werden. Die zentrale Herausforderung derzeit sei jedoch die Beschaffung, Aufarbeitung und Neuzertifizierung der Solarmodule und Batterien. Die BFH arbeite derzeit „an klaren Kriterien und Protokollen für die Kennzeichnung“. Dies sei die Grundlage, um die Sicherheit und Leistung der ausrangierten Produkte zu gewährleisten sowie Vertrauen am Markt dafür auszubauen, sagte Stefan Grösser, Professor für Strategisches Management und Business Analytics an der BFH.

Sein Team arbeitet zudem ein einem Simulationsmodell für Photovoltaik- und Lithium-Ionen-Batterie-Ökosystemen. Dieses werde deren Interaktionen in einem komplexen Netzwerk von sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen, technischen und ökologischen Aspekten simulieren. „Das Modell wird der Politik und Entscheidungsträgern helfen, die Auswirkungen bestimmter Maßnahmen auf die Entwicklung des zirkulären PSS-Geschäfts einzuschätzen“, so Grösser weiter.

Das von der EU im Zuge des Forschungsprogramms „Horizon“ gefördertes Projekt läuft offiziell noch bis 2022. Die Leitung des Konsortiums liegt bei Vito. Außerdem sind neben der BFH auch Universität Lund (Schweden), das Imec (Belgien), Soli Tek R & D UAB (Litauen), SNAM (Frankreich), CEA Liten (Frankreich), Ecopower cvba (Belgien), PV Cycle aisbl (Belgien), BKW Energie AG (Schweiz), Futech (Belgien), Daidalos Peutz (Belgien), Zabala Innovation Consulting (Spanien), Suncrafter (Deutschland) und Loser Chemie (Deutschland) beteiligt.