Schletter Group schließt seine Produktion in Deutschland

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Fünfzig Mitarbeiter der Schletter Group fertigen derzeit in Kirchdorf östlich von München Montagesysteme für Photovoltaik-Anlagen. Doch damit ist bald Schluss: Schletter wird die gesamte Eigenproduktion im Laufe des nächsten Jahres in sein Werk in Shanghai verlagern. Dort werden bereits heute mehr als 90 Prozent der Produkte des Unternehmens hergestellt. Zudem greift Schletter bei Bedarf auf ein Netzwerk von Produktionspartnern in Deutschland und anderen Ländern zurück. Diese Zusammenarbeit will Schletter fortsetzen.

Mit dem Ende der Produktion in Deutschland werden Arbeitsplätze verloren gehen, erklärt ein Sprecher der Schletter Group auf Anfrage von pv magazine – wie viele genau, wird nun in Verhandlungen mit dem Betriebsrat geklärt. Zwar will das Unternehmen in Kirchdorf die Zahl der Mitarbeiter in den Bereichen Entwicklung, Strategie und Verwaltung ausbauen. Unter dem Strich wird das die Verluste in der Produktion jedoch nicht ausgleichen können, so der Sprecher.

„Wir produzieren in Kirchdorf auf relativ kleiner Flamme und zu Konditionen, die international nicht mehr wettbewerbsfähig sind“, sagt der Geschäftsführer der Schletter Group, Florian Roos. „Deshalb ist dies ein strategisch richtiger und konsequenter Schritt.“ Insgesamt sind in Kirchdorf derzeit rund 150 Mitarbeiter beschäftigt.

„Unser stärkstes Geschäft sind Großprojekte in den weltweiten Wachstumsmärkten, also derzeit vor allem Asien, Australien und Amerika“, erklärt Roos. „Dass wir uns  hier wieder erfolgreich positionieren konnten, ist maßgeblich unserer Global-Sourcing-Strategie zu verdanken, die wir in den letzten Jahren umgesetzt haben.“ So beliefert die Schletter Group inzwischen alle ihre Großprojekte aus dem eigenen Werk in China. Ergänzend greift das Unternehmen auf ein Netzwerk von spezialisierten Produktionspartnern zurück, etwa in Deutschland, den Niederlanden, der Türkei oder  Bulgarien, aber auch in anderen Märkten. „Damit sind wir außerordentlich flexibel, nah am Kunden und zugleich kostengünstig“, so Roos.

Das Geschäft der Schletter Group entwickelt sich unterdessen nach Angaben des Unternehmens weiter positiv. Erst kürzlich konnten drei Freiland-Großprojekte in Nepal, Brasilien und Honduras im Volumen von 80 Megawatt akquiriert werden. Die Montagesysteme für diese Projekte werden im Schletter-Werk in China produziert. Weitere Großprojekte sind in Planung.

Das Unternehmen rechnet damit, dass die Nachfrage nach Großprojekten weiter steigen, aber zugleich auch der Preisdruck fortwährend zunehmen wird. „Projektentwickler und Investoren müssen ihre Projekte heute so planen, dass sie  sich mit wenig oder ganz ohne Förderung rechnen“, betont Roos. Neben einer kostenoptimierten Lieferstrategie setzt die Schletter Group deshalb auf Innovationen – unter anderem auf neue Dach- und Freilandsysteme, die mit weniger Material und Montagezeit auskommen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Artikels hieß es, die Verlagerung nach China solle bis Ende dieses Jahres stattfinden. Das ist falsch – dies soll im Laufe des nächsten Jahres geschehen. Zudem haben wir den Vorspann präzisiert (22. November 2019).