Ukraine: Erfahrung mit Cyberattacken, instabilen Stromnetzen und Solar-Ersatzstrom für Intensivstationen

Auf dem „Solarpower Summit“ in Brüssel machen zwei Akteure aus der Ukraine deutlich, welche Rolle Photovoltaik und Batteriespeicher in dem Land spielen können und was die Europäische Union aus der Erfahrung unter dem Krieg lernen kann. Besonders relevant sind Anlagen auf Krankenhäusern und Schulen.
Solarpower Summit 2026, Brüssel, Ukraine-Panel
Diskussion über Photovoltaik in der Ukraine (v.l.n.r.): Walburga Hemetsberger (Solarpower Europe), Svitlana Romank (Razom we stand), Yuliana Onishchuk (Energy Act for Ucraine) | Foto: Michael Fuhs/pv magazine

Yuliana Onishchuk organisiert Hilfe in einer schwierigen Situation. Russland zerstört systematisch die Stromversorgung in der Ukraine, die Energiewirtschaft war immer sehr männlich geprägt und viele Männer sind im Krieg. Deshalb bildet Onishchuks Organisation Energy Act for Ukraine Frauen darin aus, wie man Photovoltaik-Anlagen von Grund auf aufbaut, so berichtet sie auf dem „Solarpower Summit“ des europäischen Solarverbandes Solarpower Europe, der Mittwoch in Brüssel zu Ende ging.

Es bleibt nicht bei der Ausbildung – die Organisation baut Photovoltaik-Speicheranlagen für Schulen und Krankenhäuser. Nach eigenen Angaben hat sie bereits fast 1,5 Megawatt Photovoltaik-Leistung und 2 Megawattstunden Speicherkapazität verbaut. Eines der letzten Projekte unterstützt das Geburts- und Neugeborenenzentrum in Odessa. Die installierte Anlage könne an einem sonnigen Tag die Intensivpflege 18 Stunden am Laufen halten.

Photovoltaik ist nicht nur für Krankenhäuser und Schulen interessant, sondern auch für Betriebe. Sie brauchen eine ununterbrochene Stromversorgung, so Onishchuk. Der C&I-Sektor sei in den letzten Jahren von 2 auf nun 600 Megawatt gewachsen. Mit Auktionen seien in den letzten zwei Jahren 810 Megawatt bezuschlagt worden. Eine Herausforderung sei, dass viele Projekte zu klein für Banken seien, so dass sie Schwierigkeiten hätten, eine Finanzierung zu bekommen, sagt ebenfalls in Brüssel Svitlana Romanko, Founder and Executive Director der Organisation „Razom we stand“. Die Organisation setzt sich dafür ein, keine fossile Energie mehr aus Russland zu kaufen, womit der Krieg finanziert wird. Romanko ruft europäische Unternehmen und Investoren auf, in der Ukraine aktiv zu werden. Der Markt sei nicht perfekt, werde aber groß werden.

Onishchuk pflichtet ihr bei. Natürlich sei es mit Risiken verbunden, in der Ukraine zu investieren, aber jetzt sei die Zeit, die Regulatorik, den Markt und die Autionen zu verstehen. In mancher Hinsicht seien die Bedingungen auch gut. So sei es möglich, dass eine Anlage innerhalb von 16 Monaten alle Genehmigungen bekomme. Grundsätzlich waren sich beide Sprecherinnen einig, dass die Europäische Union von der Ukraine etliches lernen könne. Die ukrainischen Experten hätten Erfahrungen mit Cyberattacken, mit instabilen Netzen, sie wüssten wie man die Infrastruktur schnell repariere und wie man Smart Grids baue. „Wir müssen das sehr schnell tun“, so Onishchuk.

Kommentare

Bernd
May 07, 2026

Bravo. Bitte möglichst viel ukrainische Expertise in den Aufbau einer stabilen, redundanten Energieinfrastruktur einfließen lassen. Russisches Öl und Gas unterliegt ohnehin ukrainischer Sanktion. Zudem teuer und unzuverlässig.