Energiegenossenschaften sehen sich von Politik bei Photovoltaik ausgebremst

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Die aktuelle Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV) lässt ein abnehmendes Interesse der Energiegenossenschaften an Photovoltaik erkennen. 54 Prozent der Befragten hätten erklärt, sie wollten in kleinere Photovoltaik-Anlagen bis 750 Kilowatt Leistung investieren. Vor Jahresfrist erklärten dies aber noch 71 Prozent, wie es vom Verband am Montag hieß.

Der Grund für die verschlechterte Stimmungslage sei die Politik, die mit dem Energiesammelgesetz zusätzliche Kürzung bei der Vergütung von Dachanlagen zwischen 40 und 750 Kilowatt Leistung beschlossen hatte. Diese waren im Frühjahr erfolgt. Gleichzeitig habe es aber hohe Photovoltaik-Systempreise gegeben. „Die Sonderkürzungen richten sich ausgerechnet gegen die Akteure, die für die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung sorgen. Das kann politisch nicht gewollt sein“, erklärte DGRV-Vorstandschef Eckhard Ott.

Der Verband monierte weiter, dass die Energiegenossenschaften auch bei den Ausschreibungen für Windkraft und große Photovoltaik-Anlagen ab 750 Kilowatt kaum zum Zuge kämen. Neben administrativen Hürden schrecke sie vor allem das hohe wirtschaftliche Risiko ab, da Bürgerenergiegenossenschaften – im Gegensatz zu großen Projektierungsunternehmen – das Risiko eines Fehlzuschlags nicht über weitere Projekte ausgleichen können. Sie fürchteten auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Neuen Rückwind für Bürgerenergie erhofft sich der DGRV von der EU, die in den vergangenen Monaten im Zuge des Winterpakets einige Verbesserungen für erneuerbare Energien beschlossen hat. Daher wird die Politik in Deutschland auch von Ott kritisiert: „Die derzeitigen Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen stehen im deutlichen Widerspruch zu den neuen EU-Regeln, die explizit die Bürgerenergie in den Mitgliedstaaten fördern sollen.“ So fordere die neue EU-Richtlinie für erneuerbare Energien, dass die Besonderheiten von Energiegenossenschaften bei der Festlegung von nationalen Förderbedingungen berücksichtigt werden sollen. Darüber hinaus stärkt die EU die Möglichkeit der Stromvermarktung aus eigenen Anlagen an die Mitglieder. Auch dies sei bei den derzeitigen Marktbedingungen in Deutschland nicht wirtschaftlich umsetzbar.

Seit 2006 sind nach Verbandsangaben unter dem Dach des DGRV insgesamt 869 Energiegenossenschaften gegründet worden, 14 davon im vergangenen Jahr. Sie haben insgesamt etwa 183.000 Mitglieder und rund 2,7 Milliarden Euro in die Energiewende investiert.