„ZO.RRO“ – Thüringen erprobt zweite Phase der Energiewende

Teilen

pv magazine: Sie starten das Projekt „ZO.RRO“. Der Name klingt spannend, aber was versteckt sich hinter der Abkürzung?

Dirk Westermann (Foto): Die Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien ist in Deutschland etabliert und schreitet voran. Die Aufgaben der jetzigen zweiten Phase der Energiewende beinhalten neben der Dekarbonisierung im Kraftwerkspark vor allem die Nutzbarmachung von Flexibilitäten in einem System. „ZO.RRO“ steht für „Zero Carbon Cross Energy System“ und das Projekt setzt hier an. Es erprobt am Beispiel von Thüringen, stellvertretend für Regionen mit ähnlicher Struktur, wie Erzeuger und Verbraucher in einem optimalen System interagieren. Fokussiert wird auf Multi-Sparten-Energieversorgung, Bereitstellung erneuerbarer elektrischer Energie und CO2-freie Erbringung von Systemdienstleistungen. Dies ermöglicht eine CO2-freie Bereitstellung von Energie für die industrielle Produktion und Partizipation aller Beteiligen an der energetischen Wertschöpfung.

Erhalten Sie eine Förderung?

Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 1,8 Millionen Euro gefördert, wovon rund zwei Drittel an den Forschungsstandort Ilmenau fließen. Das Thüringer Energieministerium fördert das Projekt zusätzlich mit über eine Million Euro.

Welche Partner sind neben der TU Ilmenau noch an „ZO.RRO“ beteiligt?

Neben der Technischen Universität Ilmenau aus Konsortialführer sind das Fraunhofer IOSB-AST aus Ilmenau, die Kocos Messtechnik AG aus Korbach, die Trianel GmbH aus Aachen und das Ingenieurbüro für Energiewirtschaft aus Steinbach-Hallenberg über die Bundesförderung eingebunden. Ferner sind die Hochschule Nordhausen und das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk ThEEN für die Bearbeitung der Fallstudie über die Landesförderung beteiligt. Partner ohne Förderung sind die Deutsche Bahn, Opel, die K+S AG sowie innovative Stadtwerke aus Thüringen.

Wer profitiert von dem Projekt?

Der regionale Ausgleich zwischen lokaler Erzeugung und lokalem Bedarf wird von wachsender Bedeutung sein und ermöglicht den positiven Nebeneffekt, zur regionalen Wertschöpfung beizutragen. Alle Akteure in der Energiewende profitieren von diesem Projekt durch Versorgungssicherheit sowie ein stabiles Energiepreisniveau als Produktionsbestandteil. Es werden explizit Industrie, Gewerbe und Energiewirtschaft adressiert.

Ist das Projekt auf Thüringen begrenzt?

Das Vorhaben zeigt am Fallbeispiel der Energieversorgung und der industriellen Abnehmer Thüringens auf, wie eine Infrastruktur für eine systemische Energiewende, die über übliche bilanzielle Ansätze hinausgeht aussehen kann und wie die komplette Palette von Systemdienstleistungen CO2-frei erbracht werden kann. Die Ergebnisse sind eine Blaupause für andere Regionen und haben das Potenzial einen nationalen und internationalen Roll-out zu befördern.

Wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen?

Das Vorhaben kann als Basis zu einer System-Energie-Wende mit vollzogener sektorenübergreifender Netzführung betrachtet werden. Die Umsetzung erfolgt in zwei Projektphasen. In der ersten Phase werden Konzepte, Methoden und Lösungen für eine zukunftssichere CO2-freie Energieversorgung insbesondere der dafür notwendigen Systemdienstleistungen erarbeitet, um diese dann in Prototyp-Konzepte zur realitätsnahen Erprobung mit einer Vielzahl an Technologien wie Energiespeicher, Power-to-X, Verbrauchsflexibilisierung und vieles mehr zu überführen. Die Ergebnisse der ersten Phase liegen Ende 2021 vor. Danach sollen in einer zweiten Phase Demonstratoren realisiert werden.