Der Schnee fällt ununterbrochen – die Modulpreise nicht

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Nach einem unvergleichlich schönen, aber auch trockenen Sommer und Herbst regnet und schneit es in Mitteleuropa nun seit Wochen ununterbrochen. Der Wettergott scheint – die Niederschlagsmengen betreffend – nachholen zu wollen, was er im vergangenen Jahr versäumt hat. Längst fühlt man sich an den Katastrophenwinter von 2006 erinnert, in dem einige Hallendächer der Schneelast nicht mehr standhalten konnten, was damals etliche Menschenleben kostete. Auch in diesem Winter müssen Gebäudebesitzer im Alpenraum wieder um Ihre Dächer fürchten. Sondereinsatzkräfte sind laufend dabei, die schlimmsten Gefahren zu beseitigen. Auch PV-Anlagenbesitzer bangen um die Stabilität ihrer Konstruktionen, zumal eine Begehung und Räumung der glatten Flächen bei dieser Witterung so gut wie unmöglich ist.

Doch ob das Konzept, die Module durch Umkehr des Energieflusses im Winter abzutauen, wirklich eine praktikable Lösung darstellt, darf bezweifelt werden. Spätestens an den Dachkanten oder Schneefanggittern wird der abgleitende Schnee gestoppt, sofern sich ein feuchtes, schweres Schneebrett überhaupt in Bewegung setzen würde. Man müsste die Anlage bei Schneefall schon andauernd bestromen, damit sich erst gar keine dickere Schicht bilden kann. Ob das dann aber energetisch noch sinnvoll ist, darf ebenfalls bezweifelt werden. Eine Vorrichtung für die automatisierte mechanische Schneeräumung könnte da der interessantere Ansatz sein, mit der im Sommer auch gleichzeitig die Reinigung erledigt werden kann. Man darf gespannt sein, welche Neuentwicklungen uns in Zukunft noch präsentiert werden.

Doch was tut sich aktuell im Markt, wohin tendieren die Modulpreise zu Jahresanfang?

Nun, witterungsbedingt ist die Nachfrage bisher eher verhalten. Für den Alpenraum dürfte angesichts der Schneemassen das Januar-Geschäft auch erst einmal gelaufen sein. Das übrige Europa wird eher durch den anhaltenden Regen gelähmt, wobei zumindest in Nord- und Westdeutschland schon wieder viele Montagetrupps unterwegs zu sein scheinen. Immerhin gibt es einiges nachzuholen, was zwischen Weihnachten und Neujahr liegen geblieben ist. Die nächste größere Absenkung der Einspeisevergütung für mittlere Anlagengrößen steht vor der Tür, so dass viele Betreiber ihre Neuinstallation noch bis Ende Januar zuverlässig am Netz haben wollen.

Die meisten der seit der zweiten Januarwoche wieder ausgelieferten Module sind allerdings schon im vergangenen Jahr geordert worden. Wer jetzt erst auf Komponenten-Einkaufstour geht, der wird unter Umständen durch leere Warenlager und lange Lieferzeiten überrascht – wählerisch darf er bei der Marken- und Produktauswahl jedenfalls nicht sein. Bei den Großhändlern sind momentan auch kurzfristig noch Module und Wechselrichter zu bekommen, aber fast alle größeren Hersteller sind aktuell schon so gut wie ausverkauft und vertrösten ihre Kunden auf das zweite oder sogar dritte Quartal. Insbesondere bei den hocheffizienten monokristallinen Modulen ab 300 Wattpeak ist die Versorgungslage schlecht. Polykristalline Module hingegen sind zumindest im Spotmarkt noch reichlich vorhanden.

In den Modulpreisen spiegelt sich die aktuelle Lage noch nicht richtig wieder. Während die Preise für die überwiegend polykristallinen Mainstream-Module stagnieren, geben sie bei monokristallinen Modulen (High Efficiency und All Black) gegenüber dem Vormonat sogar noch etwas nach. Dies ist vor allem auf Preissenkungen bei den bisher sehr viel teureren Produkten der Marken AUO-Benq, LG und Panasonic zurückzuführen. Hier wirken sich Preisänderungen stärker auf den Durchschnittspreis der gesamten Klasse aus als bei anderen Marken. Leider hat der Kunde wenig von diesen sichtbaren, wenn auch insgesamt eher geringen Preisnachlässen, denn die tatsächliche Verfügbarkeit ist in vielen Fällen gar nicht gegeben. Kurzfristig verfügbare Ware dürfte einer gegenläufigen Preisbewegung ausgesetzt sein.

Eine erfreulichere Entwicklung ist der allgemeine Trend, dass die angebotenen Leistungsklassen immer weiter nach oben tendieren. Als Schallgrenze kann hierbei die 400 Wattpeak-Marke betrachtet werden. Die Modulhersteller werden sich daran messen lassen, wer zuerst diese Leistungsklasse mit einem noch gut zu verarbeitenden Produkt erreicht. Ich habe dieser Beobachtung Rechnung getragen und die Leistungsgrenze zwischen der Gruppe der Mainstream-Module und der Gruppe der High Efficiency-Module im aktuellen Preisindex um 5 Watt auf 290 Wattpeak angehoben.

Die Tendenz der stagnierenden Preise mit leichten Schwankungen nach unten und oben wird uns wohl das gesamte erste Quartal 2019 begleiten. Angebot und Nachfrage werden sich in etwa die Waage halten, solange es keine größeren Überraschungen durch weitere politische Einflussnahme gibt. Die weltweite Nachfrage steigt über die nächsten Monate ebenfalls nur moderat an, denn ein weiterer Boom wird in China nicht vor Beginn der zweiten Jahreshälfte erwartet. Wie sich allerdings der deutsche Markt ab dem zweiten Quartal entwickeln wird, wenn die letzte Stufe der EEG-Vergütungssenkung gezündet ist, bleibt ungewiss. Ich rechne zumindest mit einen vorübergehenden Markteinbruch und einem damit zusammenhängenden Überangebot, welches dann zwangsläufig bei Herstellern und Händlern zu Preiskorrekturen nach unten führen dürfte. Wie schnell diese einsetzen und wie stark sie ausfallen, werden wir sehen.

Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Januar 2019 inklusive der Veränderungen zum Vormonat (Stand 17.01.2019):

— Der Autor Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit über 20 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben Standardkomponenten auch Solarmodule und –wechselrichter beziehen können, welche nicht mehr hergestellt werden, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaik-Anlagen dringend benötigt werden. —

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