Warum Solarwatt nicht ganz auf Glas-Folien-Module verzichten kann

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Ben Gierig – Fotografie – www.ben-gierig.de

Foto: Solarwatt

pv magazine: Ab 2019 will Solarwatt nur noch Glas-Glas-Module produzieren. Wie groß wird die umgerüstete Kapazität im Werk in Dresden sein?
Detlef Neuhaus: Die Kapazität beträgt nach wie vor 250 Megawatt. Wir haben in der Vergangenheit Glas-Glas und Glas-Folie über die gleiche Produktionslinie produziert. Mittlerweile ist die Nachfrage nach Glas-Glas allerdings so stark gewachsen, dass wir keine Fertigungskapazitäten für Glas-Folie-Module mehr haben. Daraus haben wir jetzt Konsequenzen gezogen und uns herstellerseitig von diesem Produktsegment verabschiedet. Dies hat darüber hinaus den großen Vorteil, dass wir nicht mehr zwischen den verschiedenen Modulsorten wechseln müssen. Damit erhöhen wir zusätzlich unsere Produktivität.

Die Umrüstung und Modernisierung der Fabrik laufen schon einige Zeit. Wie lange hat die Umstellung insgesamt gedauert?

Wir haben im Jahr 2017 unsere Produktionslinien modernisiert und uns unter anderem neue, leistungsfähigere Stringer zugelegt. Darüber hinaus ist es bei uns grundsätzlich ein permanenter Prozess, kontinuierlich auf unsere Fertigungsprozesse zu schauen, um Effizienzpotenziale aufzuspüren und zu heben.

Im August hatten Sie eine Preissenkung für ihre Glas-Glas-Module angekündigt. Wie hat sich der Preis seither entwickelt – auch mit Blick auf die Entwicklungen auf den Weltmarkt?

Wir haben den Preis im Laufe des Jahres zweimal angepasst. Auch wenn wir dadurch zwar Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, konnten wir diese durch einen erhöhten Absatz kompensieren. Uns hat definitiv geholfen, dass wir 2018 bereits knapp 90 Prozent unseres Modulumsatzes mit Doppelglasmodulen machen. Bei Glas-Folie sind die Preise ja in diesem Jahr noch stärker gefallen. Aktuell scheint sich der Preis allgemein aber wieder etwas zu stabilisieren.

Sie selber wollen nur noch Glas-Glas-Module produzieren, aber doch zugleich einen Nachfolger für das Glas-Folien-Modul anbieten. Warum?

Wir haben 2013 schon angekündigt, dass wir uns strategisch auf Glas-Glas-Module fokussieren und uns als Photovoltaik-Systemanbieter etablieren wollen. Damals hatten wir noch keinen nennenswerten Marktanteil in diesem Segment. Mittlerweile sind wir Marktführer bei Glas-Glas. Da diese Module inzwischen rund 90 Prozent unseres Absatzes ausmachen, ergibt es für uns keinen Sinn mehr, noch Glas-Folie-Module herzustellen. Darüber haben wir auch mit unseren Kunden gesprochen. Dort hat sich gezeigt, dass sie Glas-Folie-Module über uns beziehen, weil sie auf unser Engineering, unsere Qualitätskontrollen und unseren Service nicht verzichten wollen. Die logische Konsequenz für uns war dann die Auftragsfertigung. So können wir einerseits die Wünsche unserer Kunden bedienen und uns gleichzeitig auf Glas-Glas konzentrieren. Diese Entscheidung machen wir unseren Kunden gegenüber transparent, so wie man es von Solarwatt gewohnt ist.

Stimmt es, dass dieses neue Glas-Folien-Modul in China gefertigt wird? Warum haben Sie sich dafür entschieden und wie passt das mit ihrem Slogan „Made in Germany“ zusammen?

Mit dieser Tatsache gehen wir ganz offen um. Als wir die Entscheidung getroffen haben, Glas-Folie-Module nicht mehr selbst zu produzieren, haben wir uns ergebnisoffen diverse Hersteller angeschaut. Wir haben uns für einen Lieferanten entschieden, mit dem wir bereits seit 2012 zusammenarbeiten. Es waren die besten Module, alle Audits verliefen sehr zufriedenstellend. Unser neues Modul wird exklusiv nach unseren Vorgaben für den europäischen Markt produziert. Das Engineering und das Servicepaket kommen weiterhin aus unserem Haus. Wir haben uns als Anbieter von Photovoltaik-Komplettsystemen etabliert. Unser Augenmerk liegt auf Glas-Glas-Modulen, dem Stromspeicher My Reserve und dem Energy Manager, alles Produkte „Made in Germany“. Glas-Folie ergänzt unser Kernportfolio nur zu einem geringen Prozentsatz – ähnlich wie ein Wechselrichter, den wir ja ebenfalls von Steca oder Fronius zukaufen. Wir verlassen unsere Markenpositionierung damit nicht.

Welche Erwartungen an ihr Geschäft haben Sie für 2019?

Ich glaube, dass die Preise für Solarmodule auch im kommenden Jahr weltweit weiter fallen werden. Es ist mittlerweile Normalität geworden, dass die Zubauzahlen, die China festlegt, Auswirkungen auf den weltweiten Modulmarkt haben. Positiv stimmt uns, dass wir 2018 unseren Umsatz trotz Preisverfalls bei den Modulen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent steigern konnten. Daran wollen wir natürlich auch 2019 anknüpfen.