BNEF: Kostensenkung in der Photovoltaik und Windkraft schreitet unvermindert voran

Kohle- und Gaskraftwerke sehen sich angesichts der spektakulären Kostensenkungen in der Photovoltaik, der Windkraft und bei den Batteriespeichern einer zunehmenden Bedrohung ihrer Position im weltweiten Stromerzeugungsmix ausgesetzt. Das belegt ein weiteres Mal eine Untersuchung, die Bloomberg New Energy Finance (BNEF) am Mittwoch veröffentlichte. Demnach betragen global betrachtet die durchschnittlichen Stromgestehungskosten für Photovoltaik-Anlagen ohne Nachführsystem im ersten Halbjahr 2018 rund 70 US-Dollar pro Megawattstunde, für Onshore-Windenergie etwa 55 US-Dollar pro Megawattstunde. Beide Technologien hätten damit ihre Gestehungskosten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um 18 Prozent gesenkt. Die Stromgestehungskosten für Offshore-Windenergie lägen im ersten Halbjahr 2018 bei durchschnittlich 118 US-Dollar pro Megawattstunde und damit um fünf Prozent niedriger.

Erst vor wenigen Tagen hat das Frauenhofer ISE neue Zahlen zu den Stromgestehungskosten in Deutschland veröffentlicht, wonach die Photovoltaik hierzulande inzwischen zur günstigsten Stromerzeugungsform avanciert ist und zwischen 3,71 und 11,54 Eurocent pro Kilowattstunde (46 bis 143 US-Dollar pro Megawattstunde) liegt.

Am Beispiel Indien sind die von Bloomberg New Energy Finance veröffentlichten Zahlen noch gravierender. Photovoltaik-Anlagen kommen demnach hier auf Stromgestehungskosten von inzwischen 41 US-Dollar pro Megawattstunde, 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Onshore-Windenergie ist hier mit 39 US-Dollar pro Megawattstunde nur unwesentlich günstiger und konnte seine Stromgestehungskosten damit um 46 Prozent senken. Zum Vergleich: Neue Kohlekraftwerke kämen auf 68 US-Dollar pro Megawattstunde, Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke auf 93 US-Dollar pro Megawattstunde.

Kombiniert mit Batteriespeichern kämen Photovoltaik-Anlagen in Indien je nach Charakteristik des Projekts auf Stromgestehungskosten zwischen 47 und 308 US-Dollar pro Megawattstunde, wobei gerade hier die Preise schnell fallen würden, heißt es bei BNEF weiter. Bei Windkraft-Anlagen kombiniert mit Batteriespeichern liege die Spanne zwischen 34 und 208 US-Dollar.

Der Bericht zu den Stromgestehungskosten kommt zu dem Schluss, dass die fossilen Energieträger unter anderem bei der Grundlast und bei der Bereitstellung von Flexibilität mit einer neuen Wettbewerbssituation konfrontiert sind.  „Die wettbewerblichen Auktionen für erneuerbare Energie haben Entwickler, Ausrüstungslieferanten und Finanzierer gezwungen, die verschiedenen Kosten für die Errichtung von Wind- und Photovoltaik-Projekten zu reduzieren“, sagt Seb Henbest, Leiter Europa, Nahost und Afrika bei Bloomberg New Energy Finance.

Bei der Großerzeugung geht die Bedrohung demnach von der Windkraft und der Photovoltaik alleine aus. Dem Bericht zufolge stehen neue Kohle- und Gaskraftwerke zusätzlich im Wettbewerb mit Wind- und Photovoltaik-Anlagen, die mit Batteriespeichern kombiniert werden – denn auch diese können je nach Bedarf die Stromerzeugung zu jeder Tageszeit hoch- oder herunterfahren. Im Hinblick auf Flexibilität seien autonome Batterien zunehmend kosteneffektiv und könnten inzwischen etwa mit Pumpspeicherkraftwerken konkurrieren. Der Preisindex für Lithium-Ionen-Batterien von BNEF zeigt einen Rückgang von 1000 US-Dollar pro Kilowattstunde im Jahr 2010 auf 209 US-Dollar pro Kilowattstunde 2017.

„Unser Team hat die Auswirkungen der 79-prozentigen Senkung der Lithium-Ionen-Batteriekosten seit 2010 auf die Wirtschaftlichkeit dieser Speichertechnologie in verschiedenen Teilen des Elektrizitätssystems genau untersucht“, sagt Elena Giannakopoulou, Leiterin der Energiewirtschaft bei BNEF. Die Schlussfolgerungen seien für den fossilen Sektor abschreckend. Zwar würden bestehende Kohle- und Gaskraftwerke für die Großproduktion und dem Bereitstellen von Regelleistung noch viele Jahre eine Rolle spielen. „Die wirtschaftlichen Argumente für den Bau neuer Kohle- und Gaskapazitäten bröckeln, da Batterien die Flexibilität und Spitzenerträge von fossilen Kraftwerken sprengen.“

Bereits seit 2009 analysiert Bloomberg New Energy Finance die Stromgestehungskosten für die verschiedenen Technologien. In den vergangenen neun Jahren sanken demnach weltweit die Stromgestehungskosten bei der Photovoltaik um 77 Prozent, bei der Onshore-Windenergie um 38 Prozent. Die Stromgestehungskosten für Kohle-, Gas-, Kern- und Großwasserkraft seien im Vergleich dazu nur sehr moderat zurückgegangen – in einigen Ländern seien sie sogar gestiegen.