BSW-Solar und BWE gegen gemeinsame Ausschreibungen von Photovoltaik und Windkraft

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Derzeit läuft die erste Ausschreibung in Deutschland, bei der Photovoltaik und Windkraft an Land direkt um die Zuschläge konkurrieren. Unabhängig vom für Anfang April erwarteten Ausgang dieses Pilotverfahrens sprachen sich der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Bundesverband Windenergie (BWE) gegen diese technologieoffenen Ausschreibungen aus. Für eine stabile Energieversorgung in Deutschland sei ein ausgewogener Mix von Photovoltaik-Anlagen sowie Windkraft auf See und an Land notwendig. Dies zeige auch die jüngst veröffentlichte Analyse des Deutschen Wetterdienstes.

„Gegenwärtig liegen Wind- und Solarstrom zwar preislich etwa auf Augenhöhe. Auf Dauer lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Kostenstruktur ein gesunder Technologiemix mit einer gemeinsamen Ausschreibung nicht sicherstellen“, erklärte BSW-Solar-Geschäftsführer Carsten Körnig. BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm ergänzte: „Wer Kostenwettbewerb, Netzsituation und den Kapazitätsausbau einzelner Technologien über ein Verfahren steuern will, überfrachtet zwangsläufig das Instrument.“ Beide Verbände lehnten das Experiment technologieübergreifender Ausschreibungen ab. Stattdessen sollte an den spezifischen Ausschreibungen für die einzelnen Erneuerbaren-Technologien festgehalten und müssten faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden.

Nach Ansicht von BSW-Solar und BWE zeigen die bisherigen technologiespezifischen Ausschreibungen, dass der Kostenwettbewerb funktioniere. Zugleich könne die Politik durch Vorgabe des Auktionsvolumens ein optimales Verhältnis von Photovoltaik und Windkraft erreichen. Beide Verbände begrüßten die Pläne der neuen Bundesregierung, die in ihrem Koalitionsvertrag Sonderausschreibungen von jeweils zwei Gigawatt Photovoltaik und Windkraft an Land für 2019 und 2020 zusätzlich vorgesehen hat. Der verstärkte Erneuerbaren-Ausbau sei notwendig, wenn die Bundesregierung die Klimaschutzziele von Paris und für 2030 einhalten wolle.

Bis zum 3. April können noch Gebote für die technologieübergreifende Ausschreibung bei der Bundesnetzagentur abgegeben werden. Insgesamt wird die Behörde Zuschläge für Photovoltaik- und Windkraftanlagen mit 200 Megawatt vergeben. Erstmals wird dabei auch die lokale Netzsituation bei der Vergabe berücksichtigt. Für 98 Landkreise, Kreise und Städte sind sogenannte Verteilnetzkomponente ermittelt worden, die bei der Erteilung der Zuschläge auf den Gebotswert addiert werden.

Bereits mit Stichtag 1. Februar gab es je eine Ausschreibungsrunde für Windparks an Land und Photovoltaik-Anlagen ab 750 Kilowatt Leistung. Dabei waren die Photovoltaik-Gebote im Durchschnitt noch günstiger als die für Windparks. Die niedrigsten erfolgreichen Gebote lagen jeweils bei 3,8 Cent pro Kilowattstunde. Bei der Photovoltaik ging der letzte Zuschlag mit 4,59 Cent je Kilowattstunde weg – bei der Windkraft waren es 5,3 Cent pro Kilowattstunde.