Was uns das neue Jahr bringt

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Darüber wurde im vergangenen Jahr schon viel spekuliert und auch einige Prognosen gewagt, nicht nur von mir. Basierend auf den bekannten Einflussgrößen wie die Modulpreisentwicklung sowie weicheren Faktoren wie die politisch regulatorische Situation in Volumenmärkten oder zu erwartende Technologiesprünge, scheint der Weg schon einigermaßen klar vorgezeichnet zu sein. Noch ist das Jahr allerdings zu jung, den Erwartungen Gewissheit zu verleihen oder mit Überraschungen aufzuwarten. Doch Turbulenzen werden kommen, wenn man sie am wenigsten erwartet – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, das haben die vergangenen Jahre immer wieder gezeigt.

Zunächst sind wir aber in Mitteleuropa mit ungewöhnlich frühen und heftigen Winterstürmen und Hochwasser überrascht worden. Dass dabei nicht nur photovoltaikfreie Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist bei der heutigen Photovoltaik-Anlagendichte selbstverständlich. So bescheren die Wetterkapriolen vor allem der Wartungs- und Instandhaltungssparte die ersten Aufträge in diesem Jahr. Den Wiederaufbau jedoch gleich mit einem ohnehin geplanten Repowering zu verbinden, ist hingegen nicht ratsam. Es gilt, sich hier rechtlich abzusichern, damit die Einspeisevergütung bei der vermeintlich gewinnsteigernden Maßnahme nicht verloren und der Schuss nach hinten losgeht.

Wie bereits im vorigen Monat angekündigt, zeigt die schrittweise Absenkung der Mindestimportpreise über alle Modulgruppen hinweg Wirkung. Eine Ermäßigung um durchschnittlich zwei Cent pro Watt zu Jahresanfang ist zumindest bei den höherpreisigen Produkten zu beobachten, wohingegen die Preise für polykristalline Standardmodule und Sonderposten bisher nur moderat, nämlich im etwa ein Cent pro Watt fielen. Dies war allerdings zu erwarten, da die Verfügbarkeit der preisgünstigen und daher begehrten Produkte noch nicht ausreichend gegeben ist. So warten viele Installateure momentan noch ab, bevor sie sich mit Modulen eindecken oder in Verträgen binden, ob sich die Preise nicht doch noch etwas weiter nach unten bewegen.

Die absoluten Werte für Module mit hoher Flächenleistung („High Efficiency“, „All Black“) erscheinen hier mit 0,48 beziehungsweise 0,47 Euro pro Wattpeak etwas zu hoch im Vergleich zur allgemeinen Marktwahrnehmung. Dazu muss aber gesagt werden, dass die Preise im Index nicht nach Angebotsvolumen gewichtet sind. Es fließen gleichberechtigt zu Projekt- und Großhandelspreisen für leistungsstarke Poly-PERC-Module auch die Preise für Kleinkontingente mit Mono-PERC-Zellen oder andere effizienzsteigernde Zell- und Modultechnologien ein. Produkte von Herstellern wie Panasonic, Sunpower oder LG werden bekanntlich zu deutlich höheren Preisen gehandelt als der Durchschnitt.

Was kann man nun dem Projektentwickler, Installateur oder Errichter für einen Ratschlag bezüglich der Einkaufsstrategie geben? Nun, es hängt ein wenig von seinen Möglichkeiten ab, die von Projekt zu Projekt sehr verschieden sein können. Ist eine hohe Verbindlichkeit gefragt, also eine termingenaue Errichtung sowie ein festgelegter Einkaufspreis, so ist ein Vertragsmodell mit mehr Sicherheit ratsam. Lieferanten bieten hier an, die monatlich oder quartalsweise benötigte Ware zuverlässig vorzuhalten. Bei entsprechender Sicherheitsleistung, zum Beispiel einer Anzahlung auf den nächsten Abruf oder sogar die komplette Vertragsmenge, stehen die Module oder auch alle anderen Komponenten ausschließlich für den Vertragspartner zur Verfügung. Diese müssen dann natürlich auch spätestens bis zum jeweiligen Stichtag abgerufen werden – ein Verzögern wegen Störungen im Projektablauf geht dann in der Regel nicht mehr.

Andere Lieferanten lassen sich auf ein flexibleres Modell ein. Hier werden zwar auch Abrufmengen, -termine und Preise festgelegt, jedoch ohne dezidierten Abnahmezwang. Bisweilen werden noch Boni in die Vereinbarung eingebaut, um den Anreiz noch zu erhöhen, die gemeinsam festgelegten Volumina zu erreichen oder zu überschreiten. Hier drohen in der Regel keine Restriktionen, sollte das Abnahmeziel dann doch nicht erreicht werden. Allerdings erkauft man sich die Unverbindlichkeit auf der Abnahmeseite mit einer gewissen Unverbindlichkeit auch auf der Lieferantenseite. Sollte die Ware doch wieder einmal knapp werden, so hat der Käufer unter Umständen das Nachsehen und kann die gewünschten Mengen nicht abrufen oder muss dafür tiefer in die Tasche greifen.

Unabhängig vom Vertragsmodell ist es immer ratsam, frühzeitig mit seinem Lieferanten über die Modulqualität zu sprechen, Stichprobenkontrollen anzukündigen und entsprechende Klauseln in die Vereinbarung aufzunehmen. Diese sollten rechtssicher regeln, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, sollten die gelieferten Produkte einmal nicht den Erwartungen entsprechen. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Das diese allgemeine Weisheit insbesondere auch im Photovoltaik-Geschäft anzuwenden ist, hat uns Kalle Remmers in seinem jüngsten Blogbeitrag mit Nachdruck und drastischen Worten aufgezeigt. Auch die größten Hersteller machen mal Fehler, sind aber nicht immer bereit, diese einzugestehen und umgehend zu beheben. Hier gilt es, wachsam zu sein und nicht am falschen Ende zu sparen. Wir dürfen gespannt sein, welche Kreise Kalle Remmers jüngstes Statement in der Branche noch zieht.

Übersicht der nach Technologie unterschiedenen Preispunkte im Januar 2018 inklusive der Veränderungen zum Vormonat:

ModulklassePreis (€/Wp)Veränderung
ggü. Vormonat
Beschreibung
High Efficiency0,48– 4,0 %Kristalline Module ab 280 Wp, mit Cello-, PERC-, HIT-, N-Type- oder Rückseitenkontakt-Zellen oder Kombinationen daraus
All Black0,47– 4,1 %Modultypen mit schwarzer Rückseitenfolie, schwarzem Rahmen und einer Nennleistung  zwischen 200 Wp und 275 Wp
Mainstream0,37– 2,6 %Module mit üblicherweise 60-Zellen, Standard-Alurahmen, weißer Rückseitenfolie und 250 Wp bis 275 Wp – sie repräsentieren den Großteil der Module im Markt
Low Cost0,26 – 3,7 %Minderleistungsmodule, B-Ware, Insolvenzware, Gebrauchtmodule (kristallin), Produkte mit eingeschränkter oder ohne Garantie

 

(Die dargestellten Preise geben die durchschnittlichen Angebotspreise für verzollte Ware auf dem europäischen Spotmarkt wieder.)

 

— Der Autor Martin Schachinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Photovoltaik und Regenerativen Energien im Allgemeinen. Er ist innerhalb der Photovoltaik-Branche bestens vernetzt, was nicht zuletzt auf sein kontinuierliches Engagement für die internationale Online-Handelsplattform für Solarkomponenten www.pvXchange.com zurückzuführen ist, welche er 2004 zusammen mit zwei Partnern ins Leben rief. Dort wird ein breites Spektrum an Markenprodukten, Neu- und Gebrauchtware mit unterschiedlichsten Spezifikationen angeboten.


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