Schweizer „Flirt“ mit Photovoltaik

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Die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) will mit Hilfe der Photovoltaik ihren Energiebedarf und die Betriebskosten senken. Daher habe sie das Unternehmen Swiss CMT AG beauftragt, ein entsprechendes Konzept für die Verbesserung der Energiebilanz seiner Regionalbahnen zu erarbeiten, hieß es am Mittwoch. Der Einsatz der Photovoltaik bei den Zügen sowie an den Bahnhöfen spielte dabei eine zentrale Rolle.

Im Schienennetz setze SOB überwiegend elektrische Triebwagen des Herstellers Stadler Rail ein, darunter auch den „Flirt“. Die Abkürzung steht für „flinker leichter innovativer Regional-Triebzug“. Ein Auftrag an CMT ist, diesen effizienter zu machen. „Zunächst ging es in unseren Gesprächen um aerodynamische Effekte, doch schnell wurde klar, dass an der Außenhülle des Zuges nicht viel zu ändern war“, erklärte CMT-Geschäftsführer Marcel Schubinger. Anschließend rückte der Stromverbrauch in den Fokus. Dabei griff er auf ein anderes Kundenprojekt zurück, bei dem ein Verstärkungslaminat für Leichtbau-Solarzellen entwickelt worden sei. So sei schließlich die Überlegung ins Spiel gekommen, die Zugdächer mit Photovoltaik auszustatten – auch weil die Bahnen überwiegend im Freien unterwegs seien und über eine große Dachfläche verfügten.

„Auch wenn es kaum möglich ist, den Strombedarf eines ganzen Zuges durch sein eigenes Solardach zu decken, wollten wir es genauer wissen“, so Schubinger weiter. Im Zuge seiner Bacherlorarbeit an der Hochschule Rapperswil sei eine Machbarkeitsstudie durchgeführt worden, um die Einsparpotenziale genauer zu untersuchen. Dabei sei die optimale Platzierung der Solarmodule ebenso wie der zu erwartende Ertrag geprüft worden. Aufgrund der bescheidenen Platzverhältnisse, der Verschmutzung durch den Fahrleitungsabrieb und anderer Faktoren erwiesen sich die Dachschürzen als optimale Platzierung, wie die Studie ergab. Zugleich zeigte sich, dass die Solarmodule möglichst leicht sein müssten, da jedes Kilogramm mehr an Gewicht einen höheren Energieverbrauch verursache. Zugleich stellte sich bei den Untersuchungen heraus, dass mit einem „Sandwich-Paneel“ der Innenraum besser wärmeisoliert werde.

Dennoch sei die Netto-Energie-Gewinnung durch die Solarmodule auf den Zugdächern unter den Erwartungen der Ingenieure geblieben. Sie könnten nicht wirtschaftlich betrieben werden, so das Ergebnis der Prüfung. „Die Investition ist mit diesem bescheidenen Strom-Ertrag nicht kostendeckend. Würde die gleiche Solar-Fläche auf einem gut ausgerichteten Dach stehen, würde sie einen rund fünffachen Output erzielen und wäre in kürzester Zeit amortisiert“, erklärte Schubiger. Dabei hatte er nicht nur die Bahnsteigdächer im Sinn, sondern auch Bahnhofs- und Hallendächer sowie die Schallschutzwände entlang der Zugstrecken. Diese seien alle bestens für Photovoltaik geeignet, nur nutze sie bislang niemand, so Schubigers Analyse. SOB wolle dies nun aber prüfen.

„Ein Leichtbau-Solar-Paneel besteht im Wesentlichen aus einem Photovoltaik-Laminat, welches auf ein strukturelles Sandwich-Paneel geklebt wird“, erklärt Schubiger. „Dieses besteht in diesem Fall aus einem glasfaserverstärkten Decklaminat, einem Kern-Werkstoff wie Schaum oder Waben-Platte sowie einem weiteren, glasfaserverstärkten Decklaminat. Ein solches Paneel kann praktisch beliebig vergrößert werden, also auch in Abmessungen von 2,5 mal 10 Metern“, so Schubiger weiter. Die Photovoltaik-Anlagen könnten auch dachintegriert installiert werden.