Von Hardware, Dienstleistungen und einem Baukasten gegen den Plattformkapitalismus

Der große Streit fiel in München aus. Dort startete am Montag erstmalig die Konferenz „Digital Solar & Storage“, zu der sich nach Angaben der Veranstalter Solarpower Europe und Ibesa (International Battery and Energy Storage Alliance) 200 Teilnehmer angemeldet hatten. Die Besetzung des Podiums zeigte auf, wie unterschiedlich die Strategien der Unternehmen in der Branche sind und wohin sie sich entwickelt. Auf der einen Seite auf dem Podium der „Dinner Debate“ saß Andreas Gutsch, Geschäftsführer von Solarwatt Innovation, auf der anderen Seite Jean-Baptiste Cornefert, Geschäftsführer von Sonnen E-Services, der Tochtergesellschaft, die die Stromdienstleistungsprodukte abwickelt.

Beides Batteriesystemhersteller, wobei die einen mehr auf Dienstleistungen setzen, die anderen mehr auf die Hardware. Sonnen wirbt ja bekanntlich damit, dass sich über die Stromdienstleistungen die Unabhängigkeit von klassischen Versorgern steigern ließe. Andreas Gutsch von Solarwatt warnte teilweise davor. Der Haupttreiber für die Verbraucher, die sich einen Speicher anschaffen, sei die Unabhängigkeit. Stünden die Stromdienstleistungen zu sehr im Mittelpunkt, könne dieses Gefühl teilweise verlorengehen.

Für den europäischen Solarverband ist jedenfalls wichtig, sich des Themas anzunehmen. Denn „die Solarenergie kann durch die Digitalisierung im Energiesystem deutlich profitieren“, sagt Solarpower Europe-Präsident Christian Westermeier, der Vizepräsident bei Wacker Chemie ist. „Wenn man das mit Speichern vereint, kann man die Volatilität der Sonnenenergie deutlich kompensieren.“ Außerdem eröffne der Downstream-Bereich viele Chancen Er sieht den Disput zwischen Hardware und Software versöhnlicher. Auch mit Produktion könne man in Europa Erfolg haben, wenn man innovativ sei. Er ist mit der Veranstaltung sehr zufrieden und geht davon aus, dass sie nächstes Jahr wieder stattfinden wird. Eine Task Force von Solarpower Europe hat just eine Studie zur Digitalisierung vorgestellt hat. Das Thema bleibe relevant. „Insbesondere auch weil wir sehen, dass uns die EU-Kommission in der Hinsicht stark unterstützt“, sagt Westermeier.

Das Feld ist dynamisch. SMA, lange bekannt als Unternehmen, das sich vor allem im Hardware-Bereich positioniert, bewegt sich jetzt auf das Geschäft mit den Stromdienstleistungen zu. Der Wechselrichterhersteller agiert dabei wie andere größere Konzerne, bei denen Strukturen und Einstellungen im Hauptgeschäftsfeld Innovationen in neuen Geschäftsfeldern sind. Es hat eine Tochtergesellschaft Energy Services in München gegründet. Man könnte auch sagen eine Einheit, die möglichst weit weg vom Stammgeschäft ist. „Wir nutzen die Daten und generieren daraus Empfehlungen für Kunden, sagt, Executive Vice President Jochen Schneider auf dem Podium. Dazu nutzt es eine neue Plattform mit dem Namen „ennex OS“, die anders als die bisherigen Plattformen offen sein soll, und betätigt sich auf dem Strommarkt. Es geht also nicht darum, über die Dienstleistungen möglichst viel Hardware zu verkaufen. Welchen Stellenwert die Dienstleistungen einnehmen, zeigt das Ziel, das SMA-Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon bereits im Frühjahr ausgegeben hat. Das Lösungsgeschäft solle in 2020 bereits 40 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.

Demensprechend fasste Moderator Michael Schmela zusammen: „Sie kommen von verschiedenen Seiten und bewegen sich in die gleiche Richtung“.

Junge Unternehmen

Wohin die Services gehen können, zeigten auch die jungen Unternehmen, die vor der Dinner Debate präsentieren durften.  Da hörte es sich dann noch mehr wie eine wirkliche Revolution an, die noch bevorsteht. Caterva will mit den Stromdienstleistungen aus Solaranlagen wirkliche Kraftwerke machen, indem es sie mit leistungsstarken Speichern verbindet, die es ermöglichen, ein großes Spektrum an Kraftwerksdienstleistungen anzubieten. Sundata aus den Niederlanden will „die weltweit größte Datenbank“ aufbauen, die es ermöglicht, Kleinanlagenbetreibern die Performance ihrer Anlagen zu überwachen, die zu 50 Prozent nicht optimal funktionierten. Sobolt entwickelt eine Auswertung von Satellitendaten, die es erlauben soll, die Verschmutzung zu bestimmen. Polarstern zeigte seine Vision einer „Utitily“ als „social business“, die Geld verdient und sozial agiert, und Thorsten Zoerner, Gründer der StromDAO, gab den Ausblick gegen den „Plattformkapitalismus“. Die Leute fragten nicht danach, dass ihnen jemand anderes den Energiemarkt organisiere, sondern wollten sich selbst organisieren. Dazu diene der Baukasten, der teilweise Blockchain nutzt, den sein Unternehmen entwickelt hat.

Korrektur: In der ersten Version des Artikels haben wir vergessen, den zweiten Veranstalter zu nennen. Die Veranstaltung wurde organisiert von dem europäischen Solarverband Solar Power Europe und von der International Battery & Energy Storage Alliance Ibesa. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.