Tesla war gestern – Sonnen erobert die USA mit Großprojekt

Fast direkt vor der Haustür des großen US-Konkurrenten Tesla wird Sonnen in den USA in den kommenden Monaten ein Großprojekt realisieren. In der Stadt Jasper im US-Bundesstaat Arizona wird das Allgäuer Unternehmen 3000 neue Häuser mit einer Sonnenbatterie ausstatten. Die Installation von Photovoltaik-Anlagen samt Speichersystemen sei Teil des neuen Konzepts des Hausbauers und Stadtplaners Mandalay Homes, der eine neue Gemeinde in Prescott Valley errichte. Damit werde ein Großteil dee benötigten Energie direkt vor Ort erzeugt, was die Stromrechnung der Haushalte von vornherein gering halte, heißt es bei Sonnen.

Zusätzlich interagierten die Sonnenbatterien mit einer Smart-Home-Steuerung, so dass der Solarstrom nicht nur gespeichert, sondern auch gezielt auf Klimaanlagen, die Beleuchtung oder andere Lasten wie Pool-Pumpen jedes Hauses verteilt werden könne. Alle in den USA installierten Geräte seien zudem back-up-fähig. Sonnen werde die Speicher miteinander vernetzen, damit sie auch untereinander kommunizieren. Es entstehe so ein virtuelles Speicherkraftwerk mit etwa 23 Megawattstunden Kapazität und 11,6 Megawatt Leistung. Die installierten Photovoltaik-Anlagen dürften sich auf rund 24 Megawatt Gesamtleistung summieren. Diese Zahlen beruhen auf geschätzten Erfahrungswerten von Sonnen, da der Bau der Häuser erst in einigen Monaten beginnen wird.

Die Größe der installierten Photovoltaik-Anlagen und Speicher werde dabei von individuellen Bedarf der Haushalte abhängen, erklärt Philipp Schröder, Sonnen-Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, im Gespräch mit pv magazine. Und der potenzielle Markt in den USA ist groß. Jährlich würden dort rund eine Million Häuser neu gebaut. „Erstmals treten wir dabei in den USA als Microgrid-Operator auf und bringen auf diese Weise und ohne Energieversorger-Lizenz unsere Community auch nach Übersee“, so Schröder. Sonnen verwende seine Technologie nur auf dem Gelände der Stadt, nicht aber auf Seiten des öffentlichen Netzes. So könne das Monopol der Versorger umgangen werden. „Für nicht liberalisierte Märkte wie in den USA kann die nun gefundene Variante als Vorlage dienen“, so Schröder weiter.

Mit dem virtuellen Kraftwerk aus Sonnenbatterien werde Sonnen auch das öffentliche Stromnetz entlastet. Dieser große Puffer kann Energie zu Zeiten hoher Produktion aus dem Netz aufnehmen und später wieder abgeben, wenn der Verbrauch sehr hoch ist, wie es weiter hieß. „Wir nennen es unsere erste Sonnen-City in den USA“, sagt Schröder.

Mit der dezentralen Versorgungsstruktur sei der neue Ort Jasper zugleich weniger anfällig bei Stromausfällen. Da sich alle Häuser selbst versorgen können, ließen sich auch lange Ausfälle des öffentlichen Stromnetzes, etwa bei Naturkatastrophen, leicht überbrücken. „Das ist die Stadt der Zukunft, in der alle Bewohner ihre Energie selbst erzeugen, speichern und sich untereinander vernetzen können. Dass wir im Heimatmarkt von Tesla dieses Projekt realisieren konnten, zeigt, dass wir technologisch im Bereich Energie an Tesla in den USA vorbeiziehen“, so Schröder weiter. Nach seinen Angaben hat Sonnen in diesem Jahr in den USA bislang mehr Umsatz gemacht. Zudem setze es nun mit dem ihm bekannten, größten Projekt in Übersee nun ein weiteres Zeichen.

Erst kürzlich hatte Sonnen veröffentlicht, dass es Microgrids aus Photovoltaik-Anlagen und Sonnenbatterien auf öffentlichen Gebäuden in Puerto Rico aufbauen werde. Nach Hurrikan Maria war dort die öffentliche Stromversorgung komplett zerstört worden. Daher sollen die ersten Microgrids bereits in den kommenden Wochen installiert werden