EU sieht Speicher als Schlüsseltechnologie der Energieunion

Die EU braucht eine großangelegte Batteriezellenproduktion für Elektroautos – und die Autoindustrie, Politik und Wissenschaft werden zusammenarbeiten, um das möglich zu machen. So fasst die EU-Kommission das Treffen zusammen, zu dem der für die Energieunion zuständige Kommissionsvizepräsident Maroš Šefčovic nach Brüssel eingeladen hatte. Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig nahm ebenso an dem Treffen teil (pv magazine berichtete) wie Unternehmensvertreter von BASF, Total, Continental, Siemens, Renault und Daimler. In einem nächsten Schritt sollen sich Arbeitsgruppen organisieren, um Themen wie Zuliefererkette und Finanzierung, Forschung und Innovation sowie Handelsfragen zu klären. Wie die EU-Kommission mitteilt, können Teilnehmer aus der Industrie innerhalb der Arbeitsgruppen die Führung übernehmen, Interesse bekunden oder als Berichterstatter dienen.

Potenzial für mehrere Produktionen in Europa

Für Maroš Šefčovic sind Batterien das Herzstück der industriellen Revolution. „Sie stellen eine Schlüsseltechnologie der Energieunion dar. Ihre Entwicklung und Produktion spielen eine strategische Rolle beim Übergang zu sauberer Mobilität und sauberen Energiesystemen“, sagte er zum Abschluss des Batteriegipfels. Die Mitgliedsstaaten seien entschlossen, möglichst schnell eine wettbewerbsfähige Batterie-Produktion in Europa aufzubauen. Daran sollen alle Unternehmen und Länder beteiligt werden, die sich für das gemeinsame Ziel einsetzen wollen. Aus Sicht der EU-Kommission gibt es genug Potenzial, um mehrere Produktionen in Europa aufzubauen: Prognosen zufolge würden Millionen von Batterien gebraucht, so dass daraus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor aufgebaut werden könne.

Der Industrieverband Eurobat sowie der Schweizer Energiespeicher-Spezialist Leclanché haben die EU-Initiative begrüßt. Einer Mitteilung von Leclanché zufolge soll bis Februar 2018 eine Roadmap entwickelt werden, die den Weg zu einem starken Konsortium auf europäischer Ebene beschreibt, das sich in vielerlei Hinsicht an die vor 50 Jahren im Bereich Luft- und Raumfahrt geleistete Arbeit anlehnt. „Die Batterietechnologie ist entscheidend für die zukünftige Sicherheit der Energieversorgung Europas“, sagte Leclanché-CEO Anil Srivastava. Leclanché habe in den vergangenen Jahren viel in die erforderlichen industriellen Grundlagen investiert, um in diesem ehrgeizigen europäischen Vorhaben eine wichtige Rolle spielen zu können. Das Unternehmen freue sich darüber, dass die Europäische Kommission eine solch starke und klare Position eingenommen habe.

Wichtiger Differenzierungsfaktor bei der Elektromobilität

„Deutschland unterstützt seit langem eine Adressierung des Themas Batteriezellfertigung auf europäischer Ebene“, sagte Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsminister, im Umfeld des Treffens. Für ihn ist die Ansiedlung der Batterie-Produktion in Deutschland und Europa ein bedeutendes wirtschafts- und industriepolitisches Thema. „Wir brauchen europäische Souveränität bei Schlüsseltechnologien“, sagte Machnig: „Die Batteriezelltechnik ist eine der wichtigsten Differenzierungsfaktoren bei der Elektromobilität.“ Deutschland könne nur Premiumhersteller bleiben, wenn es über eine eigenständige Fertigung für Batteriezellen verfüge.

Aktuell droht Deutschland bei der Batteriezellenfertigung den Anschluss an die Konkurrenz aus Asien und den USA zu verlieren. Allerdings gibt es bereits mehrere industrielle Initiativen, die den Aufbau von großen Batteriezellfertigungen in Europa planen. TerraE beispielsweise will im Gigawattmaßstab in Deutschland Lithium-Batteriezellen herstellen. Derzeit befindet sich das Projekt in der Planungsphase; die Produktion soll voraussichtlich Ende 2019 starten. Auch Northvolt und ABB haben bis 2020 den Bau einer großen Batteriefertigung in Schweden angekündigt.

EU: Keine Quote für Elektroautos

Eine Quote für Elektroautos wird die EU-Kommission übrigens nicht vorschlagen – die EU-Gesetzgebung sei immer technologieneutral gewesen und werde dies auch in Zukunft bleiben, heißt es in Brüssel. Geplant ist lediglich, im November einen Vorschlag zu neuen CO2-Standards für Autos und Kleintransporter für die Zeit nach 2020 vorzulegen. Die Kommission werde ehrgeizige, aber realistische Ziele stecken sowie kosteneffektive und technologisch neutrale Lösungen vorlegen.