Aldi Süd plant noch mehr Photovoltaik-Nutzung und testet Speichersysteme

Florian Kempf, Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd

Foto: Aldi Süd

pv magazine: Wie viele Photovoltaik-Anlagen hat Aldi Süd installiert?
Florian Kempf (Foto): Wir haben in Süd- und Westdeutschland aktuell rund 1880 Filialen. Mehr als zwei Drittel davon, etwa 1250, sind mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Außerdem befinden sich auf rund der Hälfte der 30 Aldi Süd-Logistikzentren Photovoltaik-Anlagen, deren grünen Strom wir selbst nutzen. Dadurch sind wir einer der größten privaten Betreiber von Solaranlagen auf Gebäudedächern in Deutschland. In 2016 haben wir 114 Millionen Kilowattstunden Solarstrom produziert. Die von Aldi Süd betriebenen Solaranlagen haben eine Gesamtleistung von über 138.000 Kilowattpeak. Die gesamte Modulfläche entspricht etwa der Größe von 185 Fußballfeldern.

Haben Sie konkrete Pläne, wie viele neue Photovoltaik-Projekte Sie in den nächsten Jahren umsetzen wollen?
Wir können bislang rund 15 Prozent unseres Strombedarfs durch die Solarenergie unserer Photovoltaik-Anlagen decken, Tendenz steigend. Bis Ende nächsten Jahres werden wir weitere 150 Filialen mit Solarstromanlagen ausstatten und dadurch unseren Stromverbrauch noch stärker durch die eigene Grünstromproduktion abdecken. Bei Filialneubauten werden Solaranlagen standardmäßig eingeplant, sofern die baulichen Voraussetzungen stimmen. Alle Aldi Süd-Filialen werden wir leider nicht mit Solaranlagen ausstatten können, beispielsweise, weil diese in Shoppingcentern in den Innenstädten liegen und eine Installation daher gar nicht möglich ist. An mehr als über 50 Filialen gibt es bereits Ladestationen für Elektroautos und -fahrräder. Auch diese Zahl möchten wir noch weiter steigern. Daher prüfen wir aktuell die Installation weiterer Elektrotankstellen.

Was machen Sie mit dem erzeugten Solarstrom?
Rund 80 Prozent des Stroms können wir selbst nutzen und betreiben damit unter anderem die Beleuchtung, den Backautomaten und die Kühlung in unseren Filialen. An den gut 50 Filialen mit Elektro-Ladesäulen können unsere Kunden getreu dem Motto „Sonne tanken“ kostenlos Strom tanken, der von unseren Filialdächern kommt. Wir würden gern 100 Prozent des Stroms, den wir selbst erzeugen, auch selbst nutzen. Bislang ist dies noch nicht möglich und wir speisen die Überschüsse von rund 20 Prozent in das Stromnetz ein. Das erfolgt zu Zeiten, in denen es in der Regel ohnehin zu viel Solarstrom gibt, also während der Sonnenstunden. Gerade für den Filialbetrieb benötigen wir aber natürlich auch abends Strom. Um dieses Problem zu lösen, testen wir zukunftsweisende Speichertechnologie.

Wo sehen Sie Vorteile bei der Kombination aus Photovoltaik-Anlagen mit Speichersystemen?
Wir testen aktuell in drei Filialen im Großraum Frankfurt am Main gemeinsam mit EnBW und weiteren Partnern die Speicherung von selbst erzeugter Solarenergie. Für den Test haben wir aktuell die Pilotfilialen mit 100-Kilowatt-Batteriespeichern ausgestattet. Darüber hinaus beobachten wir weitere sieben Filialen sowie ein Logistikzentrum – dort simulieren wir die Speicherung. Unser Ziel ist es, einen möglichst hohen Eigenverbrauch zu generieren und dadurch den Autarkiegrad der Filiale weiter zu erhöhen. Aber wir möchten auch ausloten, wie wir künftig noch erfolgreicher am Solarmarkt teilnehmen können.

Warum setzen Sie gerade auf Solarenergie?
Wir setzen insgesamt auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Solarenergie ist ein wichtiger Baustein unseres ganzheitlichen Nachhaltigkeitsengagements und hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir seit Anfang des Jahres sagen dürfen „wir handeln klimaneutral“.

Wie haben Sie das geschafft?
Die Klimaneutralität haben wir in drei Schritten erreicht: Erstens haben wir in moderne Technologien und Effizienzmaßnahmen investiert, also etwa in LED-Beleuchtung, umweltfreundliche Kühltechnik oder ein zertifiziertes Energiemanagementsystem. Hierzu haben wir in allen Filialen ein Monitoring-System installiert, das die Energieverbräuche erfasst. Zweitens: Wir beziehen an allen Standorten ausschließlich Grünstrom, der zu einem erheblichen Anteil über unsere eigenen Photovoltaik-Anlagen produziert wird. Drittens: Wir kompensieren die verbleibenden CO2-Emissionen. Wir setzen nicht auf Einzelmaßnahmen, sondern zielen in unserem gesamten unternehmerischen Handeln auf mehr Nachhaltigkeit ab. Wir haben Ende des ersten Quartals 2017 ein internes CO2-Pricing implementiert. Für zukünftige Investitions- und Ausgabenentscheidungen, die Einfluss auf die Höhe des Company Carbon Footprints haben, müssen die jeweiligen CO2-Kompensationskosten mit berücksichtigt werden. Mit dieser Maßnahme fließen Umweltaspekte zukünftig noch stärker in unsere internen Entscheidungsprozesse ein.

Wie kamen Sie auf die Idee, Ladestationen für Elektroautos auf ihren Parkplätzen zu installieren?
Die Ladestationen sind ein weiterer Baustein unseres Nachhaltigkeitsengagements. Wir möchten den Ausbau der Elektromobilität in Deutschland fördern. Hier gilt: Je mehr Marktteilnehmer mitmachen, umso besser geht es voran. Damit Elektromobilität in Deutschland flächendeckend funktionieren kann, brauchen wir eine gute Ladeinfrastruktur. Unsere Ladesäulen sind ausschließlich an Filialstandorten mit Solaranlage zu finden. Der Kunde lädt hier während der Sonnenstunden klimaneutralen, regional erzeugten Strom. Wir leisten dadurch einen weiteren, innovativen Beitrag zur Energiewende und zur sinnvollen Verwendung des selbst produzierten Grünstroms. Kürzer kann der Weg von der Stromproduktion bis zur Verwendung kaum sein.

Sie erhalten den Deutschen Solarpreis in diesem Jahr auch für Ihre gezielte Kundenkommunikation. Wie sieht diese aus?
Wir setzen in der Kundenkommunikation auf Information und Unterhaltung. Das übergeordnete Thema ist hierbei der Klimaschutz. Wir informieren über Kundenbroschüren, über unsere Kundenmagazine, die sozialen Medien oder klassisch über unsere Handzettel, in denen wir auch Platz für Infos zu Nachhaltigkeitsthemen haben. Wir möchten unserer Kunden dabei mitnehmen und starten beispielsweise Online-Aktionen, bei denen die Kunden bei virtuellen Waldspaziergängen Bäume einpflanzen oder grüne Kraftwerke bauen können. Dafür gab es Elektrofahrräder zu gewinnen − die können die Gewinner dann bei ihrem nächsten Einkauf an der Filiale aufladen. Um unseren Kunden speziell die Solarenergie näher zu bringen, sind an den Filialen digitale Schaukästen angebracht, in denen man die die aktuelle Stromproduktion, den Anteil der Eigennutzung und den Gesamtertrag der Solaranlage auf dem Dach ablesen kann.

Bekommen Sie Reaktionen ihrer Kunden auf Ihr Engagement?
Beim Thema Elektrofahrzeuge bekommen wir viel Lob von unseren Kunden, weil das Aufladen an unseren Filialen tatsächlich ganz unkompliziert ist: Einfach den Ladestecker ins Fahrzeug und los geht’s. Bei uns müssen die Kunden sich nicht registrieren, sondern können während des Einkaufs kostenfrei ihr Fahrzeug laden − für Fahrer von Elektroautos ein echter Mehrwert. Insgesamt merken wir, dass unser konsequentes Nachhaltigkeitsengagement gut ankommt. Wir handeln mit Verantwortung. Das merken unsere Kunden und spielen dies an uns zurück: Im aktuellen Kundenmonitor belegt Aldi Süd im Bereich Umweltorientierung Platz eins.

Fühlen Sie sich auch durch den Solarpreis in ihrem Engagement bestätigt?
Der Solarpreis ist ein guter Beweis dafür, dass wir mit unserer Strategie richtig liegen und dies nicht nur wahrgenommen, sondern auch honoriert wird. Darüber freuen wir uns sehr und sehen diese Auszeichnung auch als Motivation, unseren Weg in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit weiter zu gehen.