First Solar schließt sich Petition von Suniva und Solarworld Americas in USA an

First Solar hat sich als Petitionär der Section 201-Beschwerde von Suniva und Solarworld Americas angeschlossen. Damit habe der größte US-Dünnschichtmodul-Hersteller seine Zurückhaltung in dem kontrovers diskutierten Handelsstreit aufgegeben und sich auch gegen den US-Photovoltaik-Verband SEIA gestellt, heißt es in einem Bericht von GTM Research. Am Dienstag habe First Solar ein Schreiben an die Internationale Handelskommission der USA (US ITC) gesandt, in dem es um Schutzmaßnahmen für die heimischen Zell- und Modulhersteller gebeten habe. Nach Aussage von Goldman Sachs ist First Solar damit das erste Unternehmen, dass sich öffentlich für Sanktionen ausgesprochen hat, seit die ITC die Schädigung der US-Solarindustrie offiziell festgestellt hatte.

„Seit Jahren sind die Importpreise bei der kristallinen Photovoltaik alles andere als rational, da sie viel schneller fielen, als es durch Verbesserungen, die auf kommerzieller Basis zu erreichen sind, zu erklären wäre“, zitiert GTM aus dem Brief des First-Solar-Vorstandschefs Mark Widmar an die ITC. „Die Ursache für dieses Phänomen sind die massiven Überkapazitäten bei der kristallinen Photovoltaik, insbesondere in Asien, die nicht mit marktbasiertem Investitionsverhalten vereinbar sind.“ Daher bräuchten die Hersteller kristalliner Solarzellen und Solarmodule in den USA einen Schutz, bis die Importpreise auf ein rationales Level gestiegen seien und das Problem der Überkapazität angegangen werde, so Widmar weiter.

Die Position von First Solar ist nicht überraschend, so die Analysten von GTM Research. Dünnschichtmodule sind von den drohenden Sanktionen durch die Section 201-Petition ausgenommen. Der US-Hersteller produziere in den USA sowie in Malaysia und Vietnam seine Cadmiumtellurid-Module und dürfte von Handelsmaßnahmen gegen kristalline Photovoltaik-Hersteller weltweit profitieren. „First Solar würde wahrscheinlich am meisten profitieren, wenn bedeutende Sanktionen erfolgen“, so Jade Jones, Analyst von GTM Research. Das Unternehmen sei bei Produktionskosten und Preisen wettbewerbsfähig und könnten damit weiterhin Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten und gleichzeitig nachhaltige Margen erzielen. „Sie haben eine zollfreie Produktionskapazität aufgebaut, die die derzeitigen kristallinen Zellkapazitäten in den USA übertreffen“, sagte Jobes weiter. Zudem sei First Solar mit seiner starken Marke bankable. Dies sei besonders wichtig, da die Mit-Petionäre derzeit eine Restrukturierung durchliefen.

First Solar argumentiert in seinen Schreiben an die ITC, dass seine Geschäfte wie bei Suniva und Solarworld unter den kristallinen Photovoltaik-Einfuhren negativ beeinflusst worden seien. Solarmodul-Hersteller bräuchten daher Schutz vor den ausländischen Importen. Es seien dabei wirksame Schutzmaßnahmen und ein weiteres Wachstum des US-Photovoltaik-Marktes möglich, heißt es in dem Schreiben. Nach Angaben von GTM Research legte First Solar dafür aber keinen konkreten Vorschlag vor.

Nicht zuletzt mit dieser Aussage widerspricht First Solar dem US-Photovoltaik-Verband SEIA, der Schutzmaßnahmen abwenden will, weil er einen Markteinbruch fürchtet. Nach Berechnungen von GTM Research würde ein Zoll von 30 US-Dollarcent pro Watt für Solarzellen und einer jährlichen Absenkung der Zubau bis 2021 um 38 Prozent sinken.

First Solar ist in den Führungsgremien des Verbands vertreten. SEIA argumentiert, dass bis 2020 durch die von Suniva und Solarworld Americas geforderten Schutzmaßnahmen bis zu 84.000 Jobs in der Solarbranche in den USA verloren gehen könnten. Als Kompromissvorschlag hatten Verbandsvertreter vorgeschlagen, den Petitionären bis zu 10 Millionen US-Dollar jährlich als Hilfe anzubieten, damit sie die Produktion ausbauen und in allen Segmenten wettbewerbsfähig werden könnten. Nach dem Bericht von GTM Research gab First Solar in den Schreiben an die ITC auch an, dass es „enttäuscht“ über SEIA sei, dass es sich in dem Handelsstreit nicht konstruktiv verhalten habe. Der Verband wies diesen Vorwurf als falsch zurück. Nach dem Bericht hat sich Tesla, das sich bislang auch nicht öffentlich positionierte, in einem Schreiben gegen Handelssanktionen ausgesprochen.

Ende September hatte die US ITC nach ihrer Untersuchung, die in der Section 201-Petition vorgebrachte schwere Schädigung der US-Solarindustrie bestätigt. Am 3. Oktober gab es die erste Anhörung zu den möglichen Schutzmaßnahmen. Dabei präsentierten Suniva und Solarworld Americas leicht modifizierte Vorschläge für Sanktionen vor. Bis zum 13. November hat die US ITC Zeit, ihre Empfehlungen für US-Präsident Donald Trump zu erarbeiteten. Dieser trifft dann die finale Entscheidung über Art und Höhe der Maßnahmen.