Indische Photovoltaik-Hersteller fordern Anti-Dumping-Maßnahmen für Importe aus China, Taiwan und Malaysia

Eine Reihe von indischen Photovoltaik-Herstellern hat zusammen mit dem indischen Ministerium für Erneuerbare Energien eine Petition beim Handelsministerium eingereicht, die die Einführung von Antidumping-Maßnahmen gegen Hersteller von Solarzellen und -module aus China, Taiwan und Malaysia vorsieht. Nach Angaben der Mercom Capital Group befürchten die inländischen Hersteller nicht der Lage zu sein, den Preiskampf der importierten „Low-Cost-Module“ standzuhalten.

Erstmalig sei in Indien im Jahre 2011/2012 eine ähnliche Petition gegen Hersteller aus China, Malaysia, Taiwan und die USA eingereicht worden. Das indische Handelsministerium habe sich aber zwei Jähre später gegen die Einführung von Zöllen in Höhe von 0,10 bis 0,72 Euro pro Watt entschieden. Der Mercom Capital Group zufolge hatte erst im vorigen Jahr die Welthandelsorganisation (WTO) entschieden, dass Indiens zweiter Versuch, Anti-Dumping-Maßnahmen einzuführen und Local-content-Bestimmungen zu erheben gegen die Anti-Diskriminierungsregeln verstieße. Die Maßnahmen, die sich auf US-Produkte bezogen, erwiesen sich im Nachhinein jedoch als kontraproduktiv. Viele Projekte seien später verschoben oder sogar komplett aufgekündigt worden.

Im Hinblick auf die gesunkenen Vergütungen aufgrund von billigen Solarmodulen aus China und der Tatsache, dass vergangene Versuche gescheitert waren, erwarten die Analysten von Mercom keine weit reichenden Auswirkungen durch den neuen Vorstoß. Das indische Energieministerium sei jedoch in einer Zwickmühle. Einerseits könne die Einführung von Importzöllen Indiens Ziel von 100 Gigawatt Photovoltaik-Leistung bis 2022 behindern. Anderseits wolle das Land durch die Installationen vorrangig die heimische Photovoltaik-Industrie stärken. Aufgrund der deutlich billigeren Solarmodule aus China sei letzteres jedoch mittlerweile kaum zu erreichen.

Die neuesten Daten des Energieministeriums zeigen, dass im Jahr 2016 knapp 85 Prozent der indischen Photovoltaik-Nachfrage von chinesischen Unternehmen gedeckt wurde. Dies entspreche einem Marktvolumen von umgerechnet 1,77 Milliarden Euro. Es sei gleichzeitig ein Warnsignal, dass heimische Produzenten vom Markt verdängt würden, wenn die Regierung keine geeigneten Maßnahmen ergreife.

Nach einer Meldung von Reuters sind chinesische Solarzellen in Indien mit 0,17 bis 0,18 Euro pro Watt rund 25 bis 35 Prozent günstiger als die inländischen Produkte. Bei den Modulpreisen differierten die Verkaufspreise um 10 bis 20 Prozent, die die chinesischen Produkte billiger seien. Sie würden in Indien etwa zu Kosten von gut 0,28 Euro pro Watt verkauft. Die indischen Hersteller haben nach Angaben von „Bridge to India“ im vergangenen Jahr rund 1,33 Gigawatt Solarmodule produziert. Die geringe Nachfrage nach den heimischen Produkte habe aber dazu geführt, dass die Modulproduktionen zu weniger als 20 Prozent in Betrieb seien. Nach Informationen von Reuters arbeite das indische Energieministerium derzeit „an mehreren Initiativen zur Förderung der heimischen Solar-Industrie“, ohne jedoch konkrete Angaben zu den Details zu machen.

Übersetzt und bearbeitet von Carl Johannes Muth