Schweizer bauen energieautarkes Mehrfamilienhaus

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„Wenn Bertrand Piccard mit einem Flugzeug ohne fossilen Treibstoff rund um die Erde fliegen kann, sollten wir auch ein Wohnhaus ohne fossile Energien bauen und betreiben können“. So erklärt  Walter Schmid, Initiator und Bauherr, seine Motivation, in der schweizerischen Gemeinde Brütten das nach eigenen Angaben erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt zu bauen. Die Schirmherrschaft des Projekts übernahm das Kanton Aargau mit Unterstützung der W. Schmid Projekte AG, Hauptpartner sind die Zürcher Kantonalbank, Coop, die Energie 360° AG und ABB Schweiz. Im Juni wurde das Gebäude offiziell eingeweiht, inzwischen unterziehen die ersten Mieter – neun Einheiten teilen sich 1010 Quadratmeter Wohnfläche – das Konzept dem Praxistest.

Die Herausforderung: Um ein 100 Prozent energieautarkes Gebäude realisieren zu können, muss die Effizienz in jedem Bereich gesteigert werden – von der Energieproduktion über die Energiespeicherung bis hin zu Verbrauch und Nutzerverhalten. Dafür mussten zunächst die Architekten das ganze Haus in ein Kraftwerk verwandeln und dabei Ästhetik und Energieproduktion in Einklang bringen. Die Photovoltaik-Module beispielsweise sind den Projektpartnern zufolge speziell für die Anwendung im architektonischen und gestalterisch-ästhetischen Bereich weiterentwickelt worden – sie sind matt, blendfrei, als Bauplatten verwendbar und für das Projekt teilweise maßgefertigt.

Kern des Energiekonzept sind die „4S“: Sammeln, Speichern, Sparen und Schonen. Die Photovoltaik-Module auf Dach und Fassade erzeugen pro Jahr etwa 100000 Kilowattstunden Strom, zusätzlich wird über Umgebungswärme Energie auf dem Grundstück gewonnen. Die Energie wird in diversen Speichern in und unter dem Gebäude gespeichert und für den Eigenverbrauch gesichert. Für die kurz- und mittelfristige Energieversorgung kommen Lithium-Ionen-Speicher zum Einsatz, für die Langzeitspeicherung nutzt das Gebäude das Power-to-Gas-Prinzip – mit dem Solarstrom wird Wasserstoff erzeugt, der zwischengespeichert und bei Bedarf über eine Brennstoffzelle in elektrische und thermische Energie umgewandelt wird. Ein Teil der Sonnenenergie betreibt eine Wärmepumpe, die zur Brauchwarmwassererwärmung und zum Heizen sowie zur Ladung der thermischen Kurz- und Langzeitspeicher eingesetzt wird. Grundsätzlich sammelt und speichert das energieautarke Mehrfamilienhaus den Projektpartnern zufolge nicht mehr Energie, als es für den Eigenbetrieb benötigt.

Erstes Fazit der Beteiligten: Das Projekt der Umwelt Arena Spreitenbach zeige, dass energieautarkes Wohnen bereits heute möglich ist, wenn die vorhandenen Technologien und das Knowhow konsequent genutzt und intelligent kombiniert werden. Dazu gehöre, dass sich alle Komponenten wie Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Energiekonzept technisch auf dem höchsten Niveau bewegen und zudem die energieeffizientesten Küchen- und Haushaltsgeräte eingesetzt werden. So werde der heute durchschnittliche Verbrauch von 4400 Kilowattstunden pro Wohnung und Jahr auf 2200 Kilowattstunden halbiert – ohne Komforteinbußen für die Bewohner. Zusätzlich stehen den Mietern ein Elektro- und ein Biogasfahrzeug zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Der Strom für das Elektroauto wird mit der hauseigenen Photovoltaik-Anlage produziert, das Erdgasauto nutzt Biogas aus den biologischen Abfällen aller Bewohner – zumindest bilanziell: Das Erdgasauto wird an einer regulären Tankstellen betankt, aber die Garten- und Küchenabfälle der Bewohner werden in eine Biogasanlage gebracht, die daraus Treibstoff für eine Fahrleistung von 10000 Kilometern pro Jahr erzeugt . Die Mieter sind zudem jederzeit über ihren Energieverbrauch informiert und können so mit ihrem Verhalten aktiv und messbar ihren Energieverbrauch beeinflussen. (Petra Hannen)

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