Solar Cluster: Photovoltaik-Heimspeicher in 1-2 Jahren wirtschaftlich

„Die Kombination von Photovoltaik und Speicher wird sich angesichts der bevorstehenden Wirtschaftlichkeit immer mehr verbreiten“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. „Aktuelle Zahlen zeigen jetzt, dass das bei Hausspeichern in ein oder zwei Jahren der Fall sein wird.“ Seine Aussagen stützt Tschamber auf den von der RWTH Aachen im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellten Speichermonitoring-Bericht 2016, der Ende Mai veröffentlicht wird. Demnach waren zu Jahresbeginn etwa 34.000 Photovoltaik-Speichersysteme in Deutschland installiert. Rund 19.000 Systeme seien seit Einführung der KfW-Speicherförderung im Mai 2013 finanziell unterstützt worden.

Der starke Zuwachs bei Photovoltaik-Speichern gehe besonders auf die stark gesunkenen Kosten zurück. 2014 und 2015 seien die Systempreise für Lithium-Speicher pro genutzter Kilowattstunde um jeweils 18 Prozent gefallen. „Ähnlich wie bei der Photovoltaik sehen wir auch bei Speichern eine Lernkurve, die bei jeder Verdoppelung der Installationszahlen eine Preisreduktion von rund 20 Prozent vorhersagt“, erklärt Kai-Phillip Kairies von der RWTH Aachen. Nach Aussagen von Tschamber sind Lithium-Ionen-Speicher inklusive Wechselrichter und Installation bereits ab rund 1.300 Euro pro genutzter Kilowattstunde Speicherkapazität erhältlich. „Die Grenze, unter der die Kleinspeicher mehr einbringen als sie kosten, liegt bei rund 1.000 Euro“, so Tschamber weiter. Experten prognostizierten ein weiteres Fallen der Speicherpreise um etwa zehn Prozent jährlich. Wenn der Haushaltsstrompreis weiter steige und die Photovoltaik-Anlagenkosten fielen, könnten die Heimspeicher 2017 oder 2018 wirtschaftlich sein.

Neben Photovoltaik-Heimspeichern seien aber auch Projekte wie Stadtteil- oder bundesweite Schwarmspeicher notwendig. Diese eröffneten neue Möglichkeiten, etwa Regelenergie am Strommarkt anzubieten. Neue Konzepte dieser Art würden in Mannheim mit der „Strombank“ oder mit der „Sonnen Community“ des Herstellers der Sonnenbatterie verfolgt.

Am Konzept der „Strombank“ könnten Photovoltaik-Anlagenbetreiber ohne Speicher und Eigentümer von Blockheizkraftwerken teilhaben. MVV Energie und die Ads-Tec haben vor einem guten Jahr einen Lithium-Ionen-Großspeicher mit einer Kapazität von 116 Kilowattstunden in Betrieb genommen. 14 private Haushalte und 4 Gewerbebetriebe seien über das Niederspannungsnetz an den Quartierspeicher angeschlossen. Die Teilnehmer vergüten über ein Konto für Strom von 4 Kilowattstunden, in das sie überschüssigen Strom einspeisen und bei Bedarf wieder abrufen könnten. Dazu komme ein Vermarktungskonto, bei dem sie überschüssige Energie ins Netz einspeisen könnten. Der Großspeicher selbst könne dadurch auch Regelenergie anbieten und trage damit zur Stabilisierung des Stromnetzes bei. Zugleich sei er nur halb so teuer wie 18 einzelne Speicher. Allerdings fallen bei diesem Konzept im Gegensatz zu Home-Speichern Netzentgelte, EEG-Umlage und Stromsteuer für denjenigen an, der Strom speichert und ihn dafür durch das öffentliche Stromnetz leitet. Und das nicht nur beim Einspeichern, sondern zusätzlich auch beim Strombezug aus dem Speicher. Das bremst eine Verbreitung der Idee in andere Regionen derzeit aus, wie es beim Solar Cluster Baden Württemberg heißt.

Schwarmstromfähigen Batterien sollen künftig auch die Möglichkeit bieten, am Regelenergiemarkt teilzunehmen. Der Batterieeigentümer werden, wie etwa bei den Angeboten von Lichtblick, Caterva oder Deutsche Energieversorgung, an den dort erlösten Erträgen beteiligt, dafür verzichtet er auf einen Teil seines Speichers. Mit der Einbindung in die Regelenergie könnte aus den im Land verteilten dezentralen Speichern ein virtueller Riesenspeicher werden. Bei der „Sonnen Community“ stehe das Ziel im Vordergrund, durch Zusammenschluss mit anderen Kunden und dezentralen Erzeugern gemeinsam mehr erneuerbaren Strom zu verbrauchen. Dafür würden sinnvolle Änderungen in der Tarifstruktur und die individuelle Bereitstellung von Speichern akzeptiert.

Aus Sicht des Solar Cluster Baden-Württemberg werde sich die neuen Konzepte perspektivisch durchsetzen. Allerdings braucht es noch das passende regulatorische Umfeld. „In den nächsten Jahren wird der Siegeszug solcher Modelle nicht mehr aufzuhalten sein“, sagt Carsten Tschamber. „Sinkende Speicherpreise, steigende Stromkosten und die weiter fallende EEG-Einspeisevergütung werden die neuen Sonnenstromspeicherkonzepte wirtschaftlicher machen. Nötig sind aber auch bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, damit Speicher gleichberechtigt Zugang zum Energiemarkt bekommen.“ (Sandra Enkhardt)

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