Bündnis fordert erneut Einführung des Grünstrom-Markt-Modells

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Im August 2014 ist die EEG-Novelle in Kraft getreten, die ein alternatives Direktvermarktungsmodell für Ökostrom ermöglichen sollte. Passiert ist bislang nichts. Ein Bündnis aus Ökostromanbietern und Verbänden fordert Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, endlich zu handeln. „Minister Gabriel hat ein Dreivierteljahr nach der jüngsten EEG-Reform noch immer nicht die dort vorgesehene Verordnung für ein Marktmodell erlassen, das es Verbrauchern ermöglicht, direkt Ökostrom aus konkreten Anlagen zu beziehen“, erklärten die Unternehmen Clean Energy Sourcing, EWS Schönau, Greenpeace Energy, MVV Energie AG und Naturstrom AG auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin am heutigen Freitag.

Bislang könnten die Verbraucher nicht erkennen, woher der bezogene Strom stamme. Wegen der EEG-Vorschriften werde der Strom aus Wind- und Photovoltaik-Anlagen momentan fast ausschließlich über die Börse vermarktet, wo er seinen grünen Herkunftsnachweis verliert und als so genannter „Graustrom“ unbekannter Herkunft weiterverkauft wird. „Der wertvolle Strom aus Windkraft- und Solaranlagen darf nicht an der Börse verramscht werden, sondern muss ohne Umwege an Kunden geliefert werden können“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy.

Am Bündnis beteiligte Unternehmen und Verbände hatten bereits im vergangenen Jahr ihr „Grünstrom-Markt-Modell“ entwickelt und vorgestellt. Dieses sieht direkte Lieferbeziehungen zwischen Ökostrom-Anlagen, Versorgern und Kunden vor, ohne EEG-System und Strombörse zu nutzen. Der Verbraucher könne somit klar erkennen, dass er mit echtem Ökostrom beliefert werden und sogar aus welchen Anlagen dieser stamme. Rund 30 Unternehmen und Verbände unterstützten das Modell bereits, dass Gabriel nach dem Willen des Bündnisses nun einführen will.

Auch bei den Verbrauchern gebe es eine große Mehrheit von Befürwortern für das Modell. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace Energy geben 68 Prozent der befragten Verbraucher an, dass ihr Vertrauen in die Energiewende gestärkt werden würde, wenn sie sicher wüssten, woher von ihnen bezogener Ökostrom stammt. 60 Prozent wünschten sich zudem, mit dem eigenen Stromtarif direkt Erneuerbare-Energien-Anlagen in der Region fördern zu können. Beides werde durch das „Grünstrom-Markt-Modell“ ermöglicht.

Neben mehr Transparenz für die Verbraucher ermögliche das Modell auch dezentrale Versorgungskonzepte. „Damit erleichtert es vor allem kleineren Akteuren der Bürgerenergie, sich weiterhin mit eigenen Projekten für Stromerzeugung, Übertragung und Versorgung an der Energiewende zu beteiligen“, sagt Thomas Banning, Vorstand der Naturstrom AG und des Bündnis Bürgerenergie e.V.

Da das „Grünstrom-Markt-Modell“ auch finanzielle Anreize setze, könnten damit Nachfrage und Produktion besser aufeinander abgestimmt werden. Es habe damit auch einen energiewirtschaftlichen Nutzen, heißt es weiter. In den kommenden Wochen werde nun darüber entschieden, ob es neue Vermarktungsregeln für Ökostrom geben werde. „Die Zeit drängt, denn 2017 soll das EEG erneut reformiert werden“, sagt Holger Krawinkel, Leiter Customer Experience und Innovation bei der MVV Energie AG. Wenn Gabriel also die vorgesehene Verordnung nicht in den kommenden Wochen erlasse, könne sie bis zur nächsten EEG-Reform auch nicht mehr ihre Wirkung entfalten. (Sandra Enkhardt)

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