Die Sonnenenergie in Deutschland ist in Gefahr

Schlechte Nachrichten in Deutschland für die Photovoltaik, die direkte Ernte des Sonnenstroms: Hanwha-Q-Cells kündigt an, die Produktion von photovoltaischen Zellen aus Thalheim abzuziehen, Soitec kündigt den Ausstieg aus der Konzentrator-Photovoltaik-Technologie an, die Freiburger Solarfabrik geht in ein Insolvenzverfahren, auch das erfolgsverwöhnte Fraunhofer Institut muss Einbußen verkraften – stirbt diese Technologie in Deutschland aus?

Aus dem Ausland hört man genau das Gegenteil: In den USA legt der Staat New York 750 Millionen Dollar auf den Tisch, um eine Photovoltaik-Produktion anzusiedeln, England verweist Deutschland auf den fünften Platz in der Reihenfolge der Photovoltaik-Installationen (nach China, den USA und Japan), die britische Wochenzeitung Economist beschreibt, welch interessante Investitionen im Photovoltaik-Markt möglich sind. Nur hierzulande werden diese Signale nicht gehört.

Dabei waren unsere attraktiven Einspeisetarife überhaupt erst die Voraussetzung für die weltweite, großvolumige Markteinführung der Photovoltaik. Partner Deutschlands in diesem Prozess war China, das ausreichend Investitionskapital für den Bau von Photovoltaik-Produktion bereitstellte – die Anlagen mit moderner Technologie dafür wurden zum großen Teil in Deutschland gekauft. Durch diese Zusammenarbeit gelang es, die Kosten der Photovoltaik um den Faktor fünf zu senken, von 50 Cent pro Kilowattstunde auf heute weniger als zehn Cent in Deutschland und nur die Hälfte in sonnenreichen Gegenden der Welt.

Die Katastrophe von Fukushima hielt die Gegner dieser Entwicklung bei uns für ein Jahr auf. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) aber war zum 1. Januar 2012 gerade erst novelliert worden – zum ersten Mal unter Beteiligung der Interessengruppen auch aus der Photovoltaik-Gemeinde – , da zwang die betroffene Industrie die schwarz-gelbe Koalition noch im selben Monat das Gesetzes erneut zu ändern. Der damalige Umweltminister Norbert Roettgen fiel um. Die novellierte Novelle war der Beginn des Niedergangs der Photovoltaik in Deutschland.

Ein Beispiel: Freiflächen wurden aus der Förderung herausgenommen. Prompt kündigte der weltführende Konzern First Solar an, seine Fertigung in Frankfurt/Oder einzustellen, da es keinen deutschen Freiflächen-Markt mehr gebe.

Die EEG-Umlage war bereits 2009 umgestellt worden. Als Referenzpreis für die Berechnung der Umlage dient seither nicht mehr der Durchschnittspreis des nicht-erneuerbaren Stroms, sondern der tagesaktuelle Börsenpreis, der gerade durch die Einspeisung erneuerbar hergestellten Stroms stark sank. Obwohl sich die Auszahlungen an die Betreiber von Wind- und Solaranlagen seitdem nur etwa verdoppelten, stieg die EEG-Umlage – angeheizt durch die wachsende Zahl der Betriebe, die davon ausgenommen sind – auf das Fünffache. Mit einer Umlage über sechs Cent pro Kilowattstunde konnte nun das Argument verwendet werden, die Umlage sei ja viel zu teuer, da müsse schleunigst eine Bremse her.

Die EEG-Novelle von 2014 gab dem Photovoltaik-Markt in Deutschland den Todesstoß: Anstatt nur die Förderung zu reduzieren, wurde nun selbst erzeugter Sonnenstrom zum ersten Mal mit einer Abgabe belegt, ein weltweites Novum.

Keine der im Bundestag vertretenen Parteien ist Stolz auf die in den vergangenen Jahren mit dem erfolgreichen EEG ausgelöste drastische Senkung der Kosten von Photovoltaik-Strom.

Die gute Nachricht ist, dass die Gegner der erneuerbaren Energien zu spät kommen: Weltweit haben sich die Schleusentore zur globalen Verbreitung dieser kostengünstigen Art der Stromerzeugung bereits geöffnet. Unsere Stromerzeuger stehen vor der Wahl, mit fliegenden Fahnen mit fossilem und nuklearem Strom unterzugehen, oder wie Eon zu erkennen, dass es keinen Sinn hat, wenn in einer Firma der Erfolg der einen Abteilung schädlich für die Zukunft der anderen ist.

Eines aber können diese Kräfte durchaus erreichen: dass sich Deutschland aus dieser Technologie vollkommen zurückzieht und den Chinesen, Amerikanern und Japanern die Ernte der Saat überlässt, die auch in Deutschland unter hohen Kosten ausgebracht wurde. Noch haben wir uns nicht von dieser Technologie verabschiedet. Ohne eine ganz entschiedene politische Neuorientierung, die die Chancen der Energiewende anerkennt und daraus die richtigen Konsequenzen zieht, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer wahrhaft desaströsen Entwicklung in diesem Bereich rasch zu.

– Der Autor Eicke Weber ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg. Die Erstveröffentlichung seines Kommentars erfolgte im Februar in der Badischen Zeitung. –