Agora Energiewende will Entgeltsystem für Stromnetze ändern

Eine aktuelle Studie des Think Tanks Agora Energiewende kommt zu dem Ergebnis, dass die Netzentgelte in ländlichen Regionen durch den Zubau an Erneuerbare-Energien-Anlagen steigen, während die Entgelte in städtischen Regionen stagnieren. Agora empfiehlt daher, die „Kosten für die Stromnetze deutschlandweit zu vereinheitlichen“.

Bei der Anpassung der Netzentgelte an die Erfordernisse der Energiewende stellen sich laut Agora Energiewende zwei wesentliche Herausforderungen. Zum einen führe der direkte Eigenverbrauch, zum Beispiel von Solarstrom, dazu, dass solche Haushalte weniger Netzentgelte zahlen müssen. Viele Netzbetreiber erhöhen daher zum 1. Januar 2015 die Grundgebühren für die Netznutzung. Dies führe allerdings zu einer höheren Belastung gerade für Haushalte mit geringerem Stromverbrauch. Nach Ansicht des Think Tanks sei es daher empfehlenswerter einen speziellen Eigenerzeuger-Netztarif einzuführen.

Zum anderen sei es kontraproduktiv, dass Netzentgelte für Industriebetriebe derzeit pauschal anhand des maximalen Strombedarfs erhoben werden. Es sei allerdings im Zuge der Energiewende erwünscht, dass Unternehmen ihren Stromverbrauch je nach Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom stark variieren. Daher sollten auch die Netzentgelte für Industrieunternehmen variieren, so dass „zu Zeiten von Stromknappheit höhere und in Zeiten von hohem Stromangebot geringere Entgelte erhoben werden.“

„Die Energiewende ist mehr als nur der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir müssen auch viele andere Teile der Stromversorgung zukunftsfest machen“, sagt Dr. Patrick Graichen. Das System der Netzentgelte sei bisher kaum diskutiert worden und gehöre jetzt mit auf den Prüfstand.

Die Studie "Netzentgelte in Deutschland" kann auf der Webseite von Agora Energiewende heruntergeladen werden. (Mirco Sieg)