EU will offenbar Mindestpreise für chinesische Module auf 0,53 Euro/Watt senken

Ab dem 1. April sollen die Mindestpreise für kristalline Solarmodule aus China in der EU von 0,56 auf 0,53 Euro pro Watt sinken. Dies erfuhr pv magazine von einem chinesischen Modulhersteller, dessen europäische Niederlassung diesbezüglich von dem chinesischen Hauptquartier informiert worden sei. Für Projektierer von Photovoltaik-Anlagen könnte dies eine gute Nachricht sein, da sinkende Preise in diesem Segment die Rentabilität der Projekte wieder steigern könnten. Seit der Einigung im Photovoltaik-Handelsstreit zwischen der EU und China auf die Mindestpreise und Importbegrenzungen Ende vergangenen Jahres sind die Preise für Solarmodule weitgehend stabil geblieben.

In der Vereinbarung ist vorgesehen, dass die festgelegten Mindestpreise alle drei Monate mit der Entwicklung des internationalen Spotmarktpreises abgeglichen werden sollen, wie das EU-Handelsministerium pv magazine bestätigte. Jährlich würden zudem die festgelegten Importmengen anhand der Nachfrageentwicklung in Europa überprüft. Eine Senkung der Mindestpreise ab der kommenden Woche wollte EU-Handelskommissar Karel de Gucht aber nicht bestätigen. „Aus Gründen der Vertraulichkeit können wir dies weder bestätigen noch dementieren. Jede Änderung der Minimumpreise oder Importvolumen betrifft nur Module und Solarzellen, da Wafer seit Dezember 2013 aus dieser Maßnahme herausgenommen sind“, sagte sein Sprecher John Clancy auf Anfrage von pv magazine. Weitergehende Fragen wollte er ebenfalls nicht kommentieren. Nach der Vereinbarung wird der Solarmodulpreisindex von Bloomberg genutzt, um die Preisentwicklung zu beurteilen. Allerdings ist dieser Index nicht frei verfügbar. Eine Anfrage von pv magazine bei Bloomberg blieb zunächst unbeantwortet.

Bei der von Solarworld geführten Vereinigung EU Prosun, die das Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren gegen die chinesischen Hersteller in der EU ins Rollen gebracht hat, gibt es kein Verständnis, sollte die EU wirklich die Mindestpreise senken. "Würde das zum 1. April so kommen, wäre das eine Steilvorlage für unsere Klage gegen die Mindestpreisregelung der EU mit China. Denn die Anpassungsregel sieht vor, dass der Mindestpreis nur dann gesenkt werden kann, wenn international die Preise gemessen am Bloomberg-Index gesunken sind. Dieser ist aber seit Beginn des Undertakings stabil. Folglich gibt es keine rechtliche Handhabe für eine Anpassung. Aber der chinesische Ministerpräsident ist mal wieder in Europa. Und da muss man immer mit Überraschungen rechnen", sagte Milan Nitzschke, Präsident von EU Prosun.

Das chinesische Magazin „Ecns.cn“ berichtet aktuell auch, dass in der Folge des Handelsstreit mit der EU die chinesischen Exporte kristalliner Photovoltaik-Produkte stark eingebrochen sind. Die Verkaufserlöse für exportierte Solarzellen und Solarmodule nach Europa seien im vergangenen Jahr um 62 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar zurückgegangen, berichtet das Magazin unter Bezugnahme auf die chinesische Handelskammer für Import und Export von Maschinen und Elektronikprodukten, die auch die Mindestpreise und Ausfuhrmengen überwacht. Im Gegensatz dazu seien die Verkäufe an asiatische Kunden um 124 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Insgesamt seien die Exportumsätze der chinesischen Photovoltaik-Hersteller 2013 aber rückläufig gewesen. Sie seien insgesamt um knapp 18 Prozent auf 12,3 Milliarden US-Dollar gefallen. Japan sei dabei der größte Abnehmer gewesen. Etwa ein Viertel der Umsätze kämen von dort. Deutschland habe hingegen an Bedeutung verloren. Die chinesischen Photovoltaik-Hersteller setzten hierzulande 75 Prozent weniger um. Insgesamt seien es 2013 noch 507 Millionen US-Dollar gewesen. (Sandra Enkhardt)