Kohler: 13 Jahre EEG sind genug

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Der Chef der Deutschen Energieagentur (Dena), Stephan Kohler, hat kurz vor Weihnachten die energiepolitischen Vorhaben der neuen Bundesregierung kommentiert. Er bezieht dabei eindeutig Stellung und fordert Anreize für Innovationen und ein intelligenteres Energiesystem. „Deshalb kann man den Regierungsauftrag auch provokativ so formulieren: 13 Jahre Erneuerbare-Energien-Gesetz sind genug. Der Vorrang für den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen und Windkraftwerken ohne jegliche energiewirtschaftliche Steuerung darf keine absolute Priorität mehr genießen. Stattdessen sollten alle Kräfte auf die umfassende Optimierung des Energiesystems konzentriert werden“, schreibt Kohler in einem Kommentar, der nun im „Hauptstadtbrief“ veröffentlicht wurde.

Er begründet dies mit dem weiteren starken Zubau neuer Anlagen. So werden es nach dem Netzentwicklungsplan der Bundesregierung 2022 rund 140.000 Megawatt an Erneuerbaren-Energien-Anlagen in Deutschland geben. Insgesamt werde der Kraftwerkspark dann über eine Leistung von 230.000 Megawatt verfügen. „Für die Integration dieser enormen Leistung steht weder eine entsprechende Netzinfrastruktur zur Verfügung, noch haben wir bislang intelligente Instrumente zur Systemintegration der Erneuerbaren“, kritisiert der Dena-Chef. Zudem stünden der installierten Leistung eine Spitzennachfrage von rund 80.000 Megawatt im Winter und einer Schwachlast von 30.000 Megawatt im Sommer gegenüber. Es sei der falsche Weg, den überschüssigen Strom einfach ins Ausland zu exportieren. „Nach dem geltenden EEG bezahlen deutsche Stromabnehmer für diesen Strom, obwohl sie keinerlei Nutzen davon haben. Der bisherige Ausbau von Photovoltaik- und Windanlagen kann also nicht einfach linear fortgeführt werden“, so die Schlussfolgerung von Kohler.

Zu den Plänen von Union und SPD für eine EEG-Reform sagt er, dass diese nur „der Anfang einer grundlegenden Reform“ sein können. Die Reform müsse angesichts der drängenden Probleme schnell kommen. Dabei sei das Auktionsmodell für erneuerbare Energien das richtige Instrument, um den weiteren Ausbau energiewirtschaftlich zu steuern, schreibt Kohler weiter. Es sollten definierte Mengen an regenerativer Stromerzeugung für bestimmte Regionen ausgeschrieben werden, die dann von den Erzeugern direkt vermarktet werden müsse. „Damit könnte das bisherige System der staatlich festgelegten Vergütungssätzen abgelöst werden durch ein Modell, das gute Innovationsanreize bietet, weil die zu zahlenden Prämien durch den Markt ermittelt werden“, meint Kohler. Er kritisiert zugleich die „sehr lange Prüf- und Erprobungsphase“, die Union und SPD im Koalitionsvertrag für dieses Modell festgeschrieben hätten. Dies sollte aus seiner Sicht deutlich beschleunigt werden. (Sandra Enkhardt)