Netzentgelte weiter uneinheitlich

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Nach Ansicht der Ökostromanbieters Lichtblick müssen die Stromkunden auch im kommenden Jahr weiterhin überhöhte Netzgebühren zahlen. Für 2014 zeige sich die Stabilisierung der Entgelte auf hohem Niveau. „Das Stromnetz ist zu teuer. In einigen Städten steigen die Gebühren signifikant. Viele Netzbetreiber müssen hingegen ihre überzogenen, mit den angeblichen Kosten der Energiewende begründeten hohen Gebühren deutlich senken", sagt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von Lichtblick. Die Analyse der vorläufigen Entgelte der 26 großen Verteilnetzbetreiber ergebe, dass ein Durchschnittshaushalt im kommenden Jahr 1,3 Prozent weniger zahlen müsse. Erst zu Jahresbeginn waren die Netzentgelte aber um durchschnittlich neun Prozent gestiegen.

Bei der Analyse habe sich ein sehr uneinheitliches Bild gezeigt. Elf der untersuchten Verteilnetzbetreiber erhöhten ihre Gebühren. Besonders betroffen davon seien Haushalte in München mit einer Erhöhung um knapp 27 Prozent. Aber auch in Hamburg, Köln und Bremen würden die Netzentgelte steigen. Die Kosten senken wollen hingegen 15 Betreiber, von denen allerdings viele zu Jahresbeginn die Netzentgelte kräftig erhöht hätten, hieß es weiter. Die Eon-Unternehmen Avacon und Bayernwerk kündigten eine Senkung der Netzentgelte um 21,4 und 15,4 Prozent an.

Die etwa 900 regionalen Netzbetreiber müssen die Gebühren jährlich von der Bundesnetzagentur und den Landesregulierungsbehörden prüfen und genehmigen lassen. Nach Ansicht von Lücking zeigen die uneinheitlichen Netzentgelte die unterschiedlichen Maßstäbe, mit denen dabei geprüft werde. Zudem kritisierte er die staatlich garantierte Rendite von bis zu neun Prozent für die Netzbetreiber, die zu Lasten der Stromverbrauchen gingen. Die notwendigen Investitionen in das Stromnetz seien auch bei niedrigeren Gewinnen attraktiv, sagte der Lichtblick-Geschäftsführer. Den überhöhten Renditegarantien stünden zudem zu geringe Effizienzvorgaben der Bundesnetzagentur gegenüber.

Neben den Netzentgelten zahlen die Stromverbraucher noch weitere Abgaben zur Finanzierung des Netzes. Die seit diesem Jahr geltende „Offshore-Haftungsumlage“, die als eine Art Haftpflichtversicherung für neue Stromleitungen zum Anschluss von Windparks auf dem Meer dient, liegt bei 0,25 Cent je Kilowattstunde. Außerdem gibt es laut Lichtblick noch die „Sonderkundenumlage“, mit der die Haushalte und die mittelständische Wirtschaft die Entlastung der Industrie bei den Netzentgelten finanziert. Diese sinke 2014 von derzeit 0,329 auf 0,092 Cent pro Kilowattstunde. Grund dafür sei, dass teilweise gerichtlich eine Rückerstattung der bisher überzogenen Netzentgeltbefreiungen für die Industrie mit der Umlage im kommenden Jahr verrechnet würden.

In diesem Jahren haben bereits mehr als 1500 Unternehmen einen Nachlass oder eine Befreiung von den Netznutzungsgebühren geantragt, wie „Die Zeit“ aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen berichtet. Die Zahl sei damit im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. 2012 hätten 3151 Unternehmen eine entsprechende Befreiung beantragt. Die Bundesnetzagentur habe davon 1322 Anträge genehmigt. Die Entscheidung der übrigen Anträge stehe noch aus. Es sei üblich, dass die Befreiung unbefristet oder zumindest für mehrere Jahre gewährt werde. Daher sei die sinkende Zahl neuer Anträge nicht verwunderlich, so die Einschätzung von Fachleuten. Die Netzentgelte machen ungefähr ein Fünftel des gesamten Strompreises aus. (Sandra Enkhardt)