EU PVSEC: Konferenz von Krise unberührt

Das wissenschaftliche Programm der EU-PVSEC-Konferenz, die am heutigen Montag in Paris begann, ist nach wie vor beeindruckend. 1600 Beiträge im Vergleich zu 1800 vergangenes Jahr und volle Hörsäle, zeigen, dass die Forscher trotz Krise noch eine Finanzierung haben. Offizielle Zahlen zur Ausstellung will der Veranstalter derweil noch nicht nennen. Doch es scheint, als ob es noch einmal weniger Aussteller sein werden als 2012, was Branchenkenner auch nicht wundern dürfte.

Das wissenschaftliche Programm spiegelt die Veränderung des Marktes allerdings nicht ganz so drastisch wieder wie erwartet. Es gibt nach wie vor sehr viele Beiträge zu neuen Zelltechnologien und Weiterentwicklungen bei Produktionstechnologien. Da stellt sich die Frage, inwieweit es in Europa Produzenten gibt, die die Ergebnisse umsetzen und langfristig finanzieren können. Doch es gibt inzwischen auch einige Sessions zu Netzintegration, zur Integration von Batteriespeichersystemen und zur Finanzierung.

Claude Turmes, Grünen-Abgeordneter aus Luxemburg im EU-Parlament, erinnerte bei der Eröffnung der Konferenz daran, dass ebenfalls in Paris in zwei Jahren die nächste UN-Klimakonferenz stattfinden wird. Dort wird es um ein neues Abkommen gegen den Klimawandel gehen. Nach Worten von Turmes ist es die letzte Möglichkeit, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Wissenschaftler haben dieses Ziel aufgestellt, da sie erwarten, dass ein Klimawandel mit einer Erwärmung von zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts gerade noch handhabbar sein wird.

Gerade deshalb bedauerte Turmes, dass die französische Regierung keinen Minister zur Eröffnung geschickt habe. Im Gegenteil, Staatspräsident Francois Hollande verhindere geradezu die Berichterstattung über die Konferenz. So habe er die wichtigsten Journalisten heute auf eine Reise an die Küste mitgenommen, wo ein Projekt für Meeresenergietechnologien vorgestellt wird. „Der französische Stromversorger EDF dürfte sich freuen“, sagte Turmes, da diese Technologie erst in 25 Jahren für das konventionelle Geschäftsmodell gefährlich werde.

Er ruft damit in Erinnerung, dass die Besucher die Gegner doch nicht unter sich suchen sollten. Chinesische, koreanische, europäische und US-amerikanische Investoren sowie Wissenschaftler seien keine Gegner, sondern hätten ein gemeinsames Ziel. Die Gegner seien diejenigen, die wie die Kohleindustrie die Entwicklung der Solarenergie bremsen.

Auch er sieht den Grund darin, dass Photovoltaik inzwischen wirklich wettbewerbsfähig wird. „Wir wissen das, denn EDF verhandelt gerade mit der britischen Regierung über einen Einspeisetarif für Atomstrom“, sagt Turmes, und die gehandelten Preise würden bei 11,5 bis 12 Cents pro Kilowattstunde liegen. Die gleiche EDF spreche sich im übrigen gegen Einspeisetarife für Erneuerbare aus. „Das zeigt, Photovoltaik ist erfolgreich“, sagt er. Er ist optimistisch. Technologischer Fortschritt könne nicht gestoppt werden, auch die Musikindustrie habe File-Sharing nicht verhindern können. „Daher bin ich optimistisch“.

Der „PV Status Report“, den das europäische Forschungszentrum veröffentlicht, zeigt jedoch noch einmal eindrücklich, worin die gegenwärtige Krise der Photovoltaik besteht: Die Produktion wuchs 2012 um zehn Prozent, die Investitionen verringerten sich gleichzeitig um neun Prozent. Auf dem Eröffnungspodium waren sich die Experten – wie so oft – uneinig darüber, wie wichtig es ist, dass in den einzelnen Regionen die gesamte industrielle Wertschöpfungskette abgebildet sei.

Becquerel-Preis für Konzentrator-Photovoltaik

Bei der Eröffnung wurde auch der Becquerel-Preis der Europäischen Komission verliehen. Dieses Jahr gewinnt Gabriel Sala vom Institut für Solarenergie der polytechnischen Univesität in Madrid (Instituto de energia solar – Universidad Politécnica de Madrid, UPM) die Auszeichnung. Der Direktor des Fachbereichs Electronenphysik hat sich insbesondere um die Konzentrator-Photovoltaik verdient gemacht. Er hat Linsen für die Konzentratoren entwickelt, Prototypen von Konzentratoren gebaut und ihre Leistungsfähigkeit evaluiert. Für die Charakterisierung von CPV-Modulen und CPV-Installationen im Feld hat er ebenfalls Methoden entwickelt. Außerdem hat er sich um den Transfer in die Industrie verdient gemacht. So ist auch 1981 auch der spanische Modulhersteller Isofoton ursprünglich für ein Projekt gegründet worden, das auf Sala zurückgeht. (Michael Fuhs)