Aufstrebende Märkte

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Viele aufstrebende Volkswirtschaften sind gleichzeitig aufstrebende Märkte für die Photovoltaik. Das zeigt eine Analyse von IHS. Wenn mehr Energie benötigt wird, als bisher produziert werden kann, die Strompreise für konventionelle Energieformen anziehen und die Zahl der Sonnenstunden stimmt, haben demnach Solarinvestitionen hervorragende Zukunftsaussichten.

Die entwickelten europäischen Märkte, also Länder mit mehr als einem Gigawatt Photovoltaikleistung im Jahr 2012, werden IHS zufolge stagnieren oder sogar kleiner werden. Zur Gesamtnachfrage nach Photovoltaik werden sie gemeinsam mit den Solar-Entwicklungsländern, also Staaten mit 500 bis 1.000 Megawatt Photovoltaikleistung, zwar den Löwenanteil beitragen. Die aufstrebenden Märkte – Länder, in denen 2012 weniger als 500 Megawatt Photovoltaikleistung installiert waren – sind jedoch der Bereich mit den höchsten Wachstumsraten.

Bei der Überlegung, auf einem dieser Märkte aktiv zu werden, müssen IHS zufolge Faktoren wie Stabilität, Preisgefüge, Eintrittsbarrieren oder mögliches Wachstum individuell abgewogen werden. Eines ist für IHS jedenfalls sicher: Der Wettbewerb auf dem stark fragmentierten Feld der aufstrebenden Märkte ist eine besondere Herausforderung.

Rumänien

Installierte Leistung: 30 Megawatt (2 Watt/Einwohner)

Beispielprojekte: Für den rumänischen Investor und Betreiber Ra Ra Parc SRL hat das deutsche Unternehmen Gehrlicher Solar Ende 2012 einen Solarpark mit 8,75 Megawatt Nennleistung geplant und gebaut. Die 14 Hektar große Anlage steht in Isaccea, rund 220 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bukarest, und soll jährlich rund zwölf Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Ra Ra Parc SRL hat in Rumänien bereits mehrere Projekte im Bereich erneuerbarer Energien realisiert. Das Photovoltaik-Kraftwerk in Isaccea gilt als eines der größten in Rumänien. Zumindest bislang: In Sebis in der Nähe von Arad in Westrumänien baut das rumänische Unternehmen Energovoltaic 65, eine Tochter der spanischen Gesellschaft Promoción Inversolar, gerade eigenen Angaben zufolge das mit 65 Megawatt größte Photovoltaikprojekt des Landes.

Photovoltikverband: Romanian Photovoltaic Industry Association; www.rpia.ro; Büro in Bukarest

Außenhandelskammer: Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer; http://rumaenien.ahk.de; Büro in Bukarest

In Rumänien wird derzeit diskutiert, die Vergütung für neue Solarparks zum Jahreswechsel 2013/14 zu senken; beispielsweise könnte es für neue Parks ab 2014 nur noch drei statt wie bisher sechs grüne Zertifikate pro Megawattstunde geben. Für bis Ende 2013 installierte Parks soll die alte Vergütung bestehen bleiben. Für Investoren, die in Rumänien völlig neue Photovoltaikvorhaben planen und bis Ende 2013 ans Netz bringen wollen, könnte die Zeit knapp werden: Das Einholen sämtlicher Bau- und Einspeisegenehmigungen gilt als langwierig. Die AHK Rumänien empfiehlt „deutschen Unternehmen angesichts der anstehenden Änderungen eher einen Einstieg bei Photovoltaikparks mit bereits vorhandenen Genehmigungen“.

Südafrika

Installierte Leistung: 41 Megawatt (0,8 Watt/Einwohner)

Beispielprojekte: Vor allem Großprojekte treiben den Ausbau der Photovoltaik in Südafrika. Ein Konsortium unter der Führung von Mainstream Renewable Power, an dem auch Siemens beteiligt ist, entwickelt, installiert und betreibt in der Provinz Nordkap künftig zwei Solarparks mit zusammen 100 Megawatt. Das Vorhaben ist eines der ersten Projekte mit REIPPP-Lizenz, Mitte 2014 soll der Betrieb starten. Eine Offgrid-Anlage mit einem Megawatt hat die deutsche Solea-Gruppe Ende 2012 auf dem Gelände eines Chromerzbergwerks von Cronimet Energy in der Provinz Limpopo im Norden Südafrikas errichtet. Das Photovoltaikkraftwerk bietet Cronimet eine kostengünstige und netzunabhängige Alternative zur bisherigen Stromversorgung mit Dieselgeneratoren.

Photovoltikverband: South African Photovoltaic Industry Association; www.sapvia.co.za; Büro in Kapstadt

Außenhandelskammer: Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika; http://suedafrika.ahk.de; Büros in Johannesburg, Kapstadt, Durban

Die Energieplanung des Landes sieht dem Integrated Resource Plan (IRP) zufolge bis 2030 einen Photovoltaikanteil an der landesweiten Stromerzeugung von 8.400 Megawatt vor, bis 2016 sollen 1.450 Megawatt realisiert werden. Um den Zuschlag für einen 20 Jahre laufenden Abnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit Eskom zu erhalten, müssen Photovoltaikunternehmen für Anlagen zwischen einem und 75 Megawatt an einem Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Die Gewichtung der Ausschreibungskriterien liegt zu 70 Prozent auf dem Preis und zu 30 Prozent bei zusätzlichen Kriterien wie Black Economic Empowerment (BEE), Inlandsanteil und Schaffung von Arbeitsplätzen; zusätzlich gibt es eine Preisobergrenze von 2,85 Rand (21,8 Eurocent) pro Kilowattstunde. Die aktuelle REIPPP-Bieterrunde läuft noch bis August 2013, zwei weitere sollen folgen. Neben der Teilnahme am REIPPP, das nur den Abschluss eines PPA mit Eskom ermöglicht, kann die Netzeinspeisung aber auch mit den Kommunen verhandelt werden; Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt brauchen aber immer eine Genehmigung (generators license) der staatlichen Regulierungsbehörde National Energy Regulator of South Africa (NERSA). Offgrid-Anlagen unterliegen dieser Genehmigungspflicht allerdings nicht.

Thailand

Installierte Leistung: 359 Megawatt (5 Watt/Einwohner)

Beispielprojekte: Die deutsche Conergy-Gruppe hat gemeinsam mit Auftraggeber und Investor Siam Solar Energy 1 (SSE) mit Sitz in Bangkok seit 2012 fünf Photovoltaik-Kraftwerke mit insgesamt 52,5 Megawatt Leistung auf den Weg gebracht. 190 Megawatt plant Symbior Energy, verteilt auf 40 Standorte in ländlichen Regionen Thailands. Gemeinsam mit Armstrong Asset Management will Symbior außerdem sechs Anlagen mit insgesamt 30 Megawatt Solarleistung in den zentralen Provinzen des Landes realisieren.

Photovoltikverband: Thai Photovoltaic Industries Association; www.tpva2012.com; Büro in Bangkok

Außenhandelskammer: Deutsch-Thailändische Handelskammer; http://thailand.ahk.de; Büro in Bangkok

Das Asia Research Centre der London School of Economics weist auf die schwierigen klimatischen Bedingungen in Thailand hin, die eine lange Lebensdauer von Modulen eher unwahrscheinlich machen würden. Außerdem hätten bislang weder das Industrie- noch das Energieministerium verpflichtende Sicherheits- und Qualitätsstandards für im Land produzierte Komponenten festgelegt. Die geschäftliche Betätigung von Ausländern in Thailand wird durch den Foreign Business Act (FBA) beschränkt, für Tätigkeiten in den Bereichen Handel und Dienstleistungen ist laut Auslandshandelskammer in der Regel eine Foreign Business License erforderlich. Darüber entscheide die zuständige Behörde jeweils einzelfallbezogen, so dass sich die Erfolgsaussicht des Antrags nur schwer voraussagen lasse. Ausnahmen von diesen Beschränkungen gebe es bei Förderung durch das Thai Board of Investment (BOI), Niederlassungen in sogenannten Industrial Estates oder Joint Ventures mit thailändischen Unternehmen.

Mexiko

Installierte Leistung: 38 Megawatt (0,3 Watt/Einwohner)

Beispielprojekte: 2009 hat das spanische Unternehmen Isofotón schon einmal Mexikos größte Solaranlage errichtet: mit 412 Kilowatt Leistung auf dem Dach der Chrysler-Fabrik in Valle de Derramadero. Jetzt hat Isofotón mit der Regierung von Yucatán ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, um einen 150-Megawatt-Solarpark zu entwickeln; Baubeginn soll der 1. Januar 2014 sein. Martifer Solar aus Portugal baut bereits an einer 30-Megawatt-Anlage in der Region La Paz im Nordwesten Mexikos. Dort errichtet Grupotec Energy de México außerdem zurzeit ein 27,56-Megawatt-Kraftwerk.

Photovoltikverband: Asociación Nacional de Energía Solar; www.anes.org; Büro Mexiko-City

Außenhandelskammer: Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer; http://mexiko.ahk.de; Büro in Mexiko-City

Das Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen (Semarnat) muss vor Baubeginn alle Photovoltaikanlagen mit mehr als drei Megawatt Leistung sowie alle Stromleitungen genehmigen und Ausgleichsmaßnahmen festlegen. Die Umweltverträglichkeitsprüfung kann bis zu 180 Werktage dauern, eventuell kommt noch eine Bürgerbeteiligung hinzu. Muss auf dem Gelände Waldvegetation beseitigt werden, legt Semarnat nach einer Studie dafür eine zu zahlende Entschädigungssumme fest, die von Menge und Art der Vegetation abhängt. Der Bescheid wird innerhalb von 60 Tagen ausgestellt. Der Transparency International Agency zufolge leidet Mexiko unter starker Korruption. Hinzu kommt ein Drogenkrieg, in dem seit 2006 über 50.000 Menschen ums Leben kamen; das hat vor allem im Norden des Landes die Geschäftsentwicklung erschwert.

Chile

Installierte Leistung: 6 Megawatt (0,3 Watt/Einwohner)

Beispielprojekte: Das deutsche Unternehmen Saferay realisierte Ende 2012 gemeinsam mit der chilenischen Firma Seltec Ingeniería unter dem Namen Selray eine 1,4-Megawatt-Anlage in La Huayca. Das Photovoltaikprojekt war damals die größte netzgekoppelte Anlage des Landes und wird im Moment auf neun Megawatt erweitert – einen weiteren Zubau auf 30 Megawatt hat Selray bereits beantragt. Über seine chilenische Projektgesellschaft Parque Solar Carrera Pinto S.A. hat Saferay außerdem einen Antrag für ein 135-Megawatt-Solarprojekt eingereicht. Insgesamt sollen in Chile Solarparks mit mehr als vier Gigawatt in der Pipeline sein, rund 70 Megawatt sind bereits im Bau.

Photovoltikverband: Asociación Chilena de Energía Solar; www.acesol.cl; Büro in Santiago

Außenhandelskammer: Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer; http://chile.ahk.de; Büro in Santiago Der Genehmigungsprozess für Photovoltaikprojekte gilt als langwierig. Denn zu den notwendigen bürokratischen Schritten gehören eine Erklärung zur Umweltverträglichkeit, die ungefähr 208 Tage dauert, und die Umweltverträglichkeitsprüfung selbst, die insgesamt rund 346 Tage in Anspruch nimmt. Auch ist es ratsam, die lokale Bevölkerung von dem jeweiligen Vorhaben zu überzeugen: Sind die Bewohner nicht einverstanden, können sie Projekte entweder stark ausbremsen oder sogar ganz blockieren.