Neue Batterietechnologie im Praxistest

Teilen

Die neue Durchflussbatterie des israelischen Unternehmens Enstorage basiert im Wesentlichen auf Bromwasserstoff (HBr) und molekularen Wasserstoff (H2), die als Speicherstoffe dienen. Nun wurde die erste netzgekoppelte HBr-Durchflussbatterie in einer Testanlage von Enstorage in Betrieb genommen. Die dort installierte Batterie hat laut Hersteller eine Leistung von bis zu 50 Kilowatt und eine Speicherkapazität von bis zu 100 Kilowattstunden.

Ziel bei der Entwicklung des Batteriesystems war es, den Bedarf von Energieversorgern und industriellen Großkunden nach einer kosteneffizienten und verlässlichen Energiespeicherung nachzukommen. Die Inbetriebnahme des Testsystems ist Arnon Blum, Präsident von Enstorage, ein „wichtiger Meilenstein und ein weiterer Schritt hin zu Produktion mit größerer Kapazität“. Er ist der Meinung, dass das innovative Batteriekonzept seines Unternehmens „den erneuerbaren Energien einen neue Dynamik verschaffen“ kann.

Einen wesentlichen Vorteil der Technologie sieht Blum in den potentiell geringeren Produktionskosten. Bromwasserstoff und molekularer Wasserstoff, die den größten Teil Batterie ausmachen, seien leicht verfügbar. Deshalb gehöre die HBr-Durchflussbatterie, sobald sie die Marktreife erlangt hat, zu den günstigsten erhältlichen Systemen.

Ein weiterer Vorteil der neuen Technologie liege in der hohen Energiedichte, die bis zu dreimal höher ausfalle als bei anderen Batterietypen. Das mache die neue Durchflussbatterie kleiner und damit zusätzlich kostengünstiger. Tests des Systems haben laut Enstorage außerdem ergeben, dass dieser Batterietyp über 10.000 Zyklen mit gleichbleibender Leistung absolvieren kann. Abgesehen von der Haupttechnologie kämen beim neuen Batteriesystem auch weitere technische Innovationen zum Einsatz. Diese betreffen unter anderem die verwendeten Materialien, wie zum Beispiel die Membran, und den Betrieb des Systems.

Unter den Durchflussbatterien gelten zum Beispiel Vanadium-Redox-Flow-Batterien als besonders geeignet für mittelgroße Speicherlösungen mit Kapazitäten zwischen ungefähr 100 Kilowatt und fünf Megawatt. Batterien von dieser Größe eigenen sich zum Beispiel für Energieversorger und Netzbetreiber zum Ausgleich von Netzschwankungen oder als Ortsnetzspeicher für Kommunen. Solche Projekte befinden sich in Deutschland meist noch im Versuchsstadium. Ähnliches berichtet Dirk Schneider, Manager für Energiespeicherung bei der Firma SGL Group: „In Deutschland betrachtet man bisher eher die kleinen Home-Speichersysteme oder großskalige Lösungen wie Power to Gas.“ Der mittlere Bereich werde hingegen noch nicht ganz ernst genommen. „Wir sehen aber insbesondere für Redox-Flow-Batterien eine große Chance und glauben, dass sie ein wichtiger Teil des Batterieparks der Zukunft sein wird.“ (Mirco Sieg)