Deutscher Solarpreis verliehen

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Margit Conrad, Umweltministerin von Landes Rheinland-Pfalz, und Hermann Scheer, Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien Eurosolar e.V. haben am Wochenende in Speyer den Deutschen Solarpreis 2010 verliehen. "Diejenigen, die jetzt ausgezeichnet werden, sind die Pioniere des Zeitalters der erneuerbaren Energien“, sagte der SPD-Politiker Scheer anlässlich der Verleihung.

Das zeige sich unter anderem daran, dass die Preisträger die Entwicklung zu dezentralen Strukturen der Energieerzeugung und –versorgung vor Ort nach vorne gebracht haben. „Die Preisträger beweisen, dass es möglich ist, das Ziel der Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien schneller zu verwirklichen als die meisten noch denken“, sagte Scheer.

So zum Beispiel Verbandsgemeinde Schweich, eine der zwei Gewinnerinnen in der Kategorie "Städte, Gemeinden, Landkreise und Stadtwerke". Sie erzeugt sogar schon doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energien, wie die rund 26.000 Einwohner verbrauchen. Um das Ziel zu erreichen hat sie als ersten Schritt einen Standort ausgewiesen, auf dem die Windkraftnutzung zum Ausbau der heimischen Energieerzeugung konzentriert werden sollte. Dort wird auf nur 0,2 Prozent der gesamten Gemeindefläche die Hälfte des Stromverbrauchs erzeugt. Als zweiten Schwerpunkt hat sie die Solarenergie systematisch ausgebaut. Neun nach Ansicht der Laudatoren räumlich gut in die Landschaft integrierte Solarparks sowie Photovoltaik-Anlagen auf gemeindlichen und privaten Gebäuden decken auf nur einem weiteren Prozent der Gemeindefläche über ein Drittel des Strombedarfs. Dazu kommen noch Strom aus einem Klärgas-BHKW und zwei bestehenden Wasserkraftwerken. In der gleichen Kategorie wie Schweich hat außerdem die HEAG Südhessische Energie einen Preis gewonnen.

In der Kategorie "Unternehmen" gewannen Kirchner Solar Group aus Alheim und das Handelshaus Runkel aus Weiterstadt. Die Kirchner Solar Group, 1991 gegründet, hat sich nach Ansicht der Jury schnell zu einem Solarpionier entwickelt. Sie hat allein auf Dächern rund 5500 Anlagen mit einer Nennleistung von zusammen rund 44 Megawatt installiert. Der mittelständische Betrieb aus Hessen entwickelte außerdem Bürgerbeteiligungskonzepte für Solarparks und realisierte etliche Bürgersolarparks. Mit regelmäßigen Informationsabenden und das Engagement für nachhaltige Bildung und Umwelterziehung arbeitet das Unternehmen außerdem an einer hohen Akzeptanz dieser Anlagen in der Bevölkerung.

Weitere Preisträger sind der Betriebsrat des VW-Werkes in Emden in der Kategorie "Lokale oder regionale Vereine und Gemeinschaften". Durch seine Initiative entstand auf dem Betriebsgelände in Emden eine Photovoltaik-Anlage mit 370 Kilowatt Nennleistung. In der Kategorie "Solares Bauen und Stadtentwicklung" gewann der Erbbauverein Köln für die Realisierung von vier Solarsiedlungen, davon zwei im Altbaubestand. In der Kategorie "Medien" ge-wann Bernward Janzing, freier Journalist aus Freiburg. Für sein Engagement in Bildung und Ausbildung wurde Elmar Altvater, Professor an der Freien Universität Berlin, geehrt. Die "Sonderpreise für persönliches Engagement" gingen an Joachim Nitsch aus Stuttgart und Wolfgang Schlagwein, Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Nach Ansicht von Umweltministerin Margit Conrad (SPD) sind die Preisträger nicht nur ein Beispiel für Engagement im Sinne einer dezentralen Energieerzeugung. Sie haben nämlich gleichzeitig dazu beigetragen, dass mehr als Tausend neue Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien geschaffen wurden. Am Rande des Festakts zeigte sie sich deshalb besorgt über das Energiekonzept der Bundesregierung. In ihren Augen favorisiert es eine zentrale Energieerzeugung und Versorgung. Dazu müssten aber etliche Gesetze geändert werden zum Beispiel das Atomgesetz wegen der Laufzeitverlängerungen und die Gesetze zur Abschöpfung und Verwendung der Gewinne aus den Atomkraftwerken. „Sofern Zustimmungsrechte des Bundesrates verletzt werden sollten, werden diese gerichtlich eingeklagt“, sagte sie. (Rainer Doemen)