Der Iran-Konflikt führt auf den europäischen Energiemärkten zu schwankenden Preisen und Sorgen vor Versorgungsengpässen – und einer Montel-Analyse zufolge zu einem steigenden Interesse an kurzfristigen Power Purchase Agreements (PPAs). In Phasen von Marktunsicherheiten liege das daran, dass ihr Absicherungswert am größten sei und Preissignale am schnellsten auf geopolitische Ereignisse reagieren würden.
Montels „PPA Deal Tracker“ zeigt durch die Gruppierung der jährlich abgeschlossenen PPAs nach Vertragslaufzeit, dass der Anteil von PPAs mit Laufzeiten von ein bis vier Jahren von rund 6,8 Prozent aller PPAs in Europa im Jahr 2025 auf etwa 14,6 Prozent im bisherigen Jahr 2026 gestiegen ist. Der Anteil der PPAs mit Laufzeiten von fünf bis neun Jahren hat demnach ebenfalls deutlich von 12,3 auf 20,8 Prozent zugenommen.
Ein ähnliches Muster war laut Montel bereits während der Energiekrise zwischen 2020 und 2021 zu beobachten, als der Anteil von PPAs mit Laufzeiten von ein bis vier Jahren von 1,7 auf 10,98 Prozent zulegte. „Steigende Volatilität erhöht den Wert, kurzfristige Energiepreise abzusichern – insbesondere für Abnehmer, die Budgetsicherheit suchen. Für Stromerzeuger können höhere kurzfristige Terminmarktpreise zudem die erzielbaren Erlöse verbessern“, so Josephine Steppat, Senior Energy Analyst bei Montel.
Die strukturellen Grundlagen des europäischen Marktes für langfristige PPAs bleiben Montel zufolge jedoch trotzdem unverändert. Deren Nachfrage werde weiterhin durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung und die Dekarbonisierungsziele gestützt. Zudem hätten aktuelle geopolitische Ereignisse nur einen geringen Einfluss auf weiter in der Zukunft liegende Preiserwartungen entlang der Terminmarktkurve. „Langfristige PPAs werden daher weiterhin stärker durch strukturelle Fundamentaldaten als durch kurzfristige Schocks bestimmt“, so Steppat.
Bei der aktuellen Entwicklung handelt es sich laut Montel eher um eine Verschiebung der Zusammensetzung als um eine Ausweitung des Gesamtvolumens. Das liege auch an tiefgreifenderen strukturellen Herausforderungen für erneuerbare Energien: „Sinkende Capture Rates und zunehmende Kannibalisierungseffekte setzen die Erlöse erneuerbarer Energien zunehmend unter Druck und werfen Fragen hinsichtlich des langfristigen Werts für Erzeuger erneuerbarer Energien auf“, so Steppat. Der PPA-Markt werde auch dadurch dafiniert, ob er langfristig weiterhin ausreichende und stabile Werte für Investitionen in erneuerbare Energien liefern könne.
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