Start-up des Monats: Solarstream digitalisiert die Projektabwicklung für Solarinstallateure

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Wer seid ihr?

Manuel Ganter (Mitgründer und CEO): Solarstream ist ein Schweizer Start-up aus Rotkreuz (Kanton Zug), das eine offene Projektmanagement-Plattform für die digitale Vernetzung von Solar-Installateuren und angrenzenden Gewerken entwickelt hat. Gegründet im Oktober 2024 von Christian Bertschy und mir, haben wir Solarstream gemeinsam mit Installateuren aus der Praxis entwickelt und sind bewusst 100 Prozent bootstrap-finanziert – ein schlankes, agiles KMU für KMUs. Mit bereits über 20 aktiven Kunden in der Schweiz und im angrenzenden Ausland automatisieren wir administrative Prozesse bei Solar-, Elektro-, Dach- und Gebäudetechnik-Betrieben, die zwischen 25 und 400 Installationen pro Jahr umsetzen. Unser zweiköpfiges Gründerteam bringt langjährige Erfahrung aus dem Software-Startup- und Scale-up-Business mit. Wir stehen für die Philosophie, dass man bereits mit einem kleinen, hocheffizienten Team große Wirkung erzielen kann – und genau diese Effizienz-Mentalität geben wir an unsere Kunden weiter.

Wer sind eure Kunden?

Unsere Kunden sind mittelständische und große Handwerksbetriebe, die zwischen 25 und 400 Photovoltaik-Installationen pro Jahr umsetzen. Konkret adressieren wir drei Segmente: Solar-Installateure, die mit sinkenden Margen kämpfen und effizientere Prozesse benötigen; Elektriker, Dachdecker und Gebäudetechniker, die ihr Portfolio um Solar erweitern; sowie Multi-Gewerk-Betriebe, die Solar, Wärmepumpen und E-Mobilität aus einer Hand anbieten. Aktuell arbeiten über 20 Kunden produktiv mit Solarstream – darunter Ewald Gattlen Gebäudetechnik AG, Solo Solar GmbH, Concept Energy AG, Engitec AG, Prosolis AG und Soller-Partner AG (CKW-Gruppe). Unser größter Kunde setzt über 300 Projekte pro Jahr über die Plattform um. Im ersten Jahr wurden bereits über 700 Projekte mit Solarstream abgewickelt. Die meisten Kunden nutzen dabei das gesamte Funktionsspektrum – von der Projektkoordination über automatisierte Anträge bis zur Kundenkommunikation.

Welches Problem, welche Herausforderung haben eure Kunden?

Das Kernproblem lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Tool-Chaos, Datenchaos, Zeitverschwendung. Solar-Installateure nutzen typischerweise fünf bis acht verschiedene Tools: ERP (Abacus, Bexio), Planungstools (K2Base, Solar.Pro.Tool), Pronovo, Netzbetreiber-Portale, Excel für Projekttracking. Das Problem: Oft wenig oder keine durchdachten Schnittstellen – die gleichen Projektdaten müssen drei bis fünfmal manuell eingegeben oder aktualisiert werden. Die Konsequenzen: Erfahrene Projektleiter verbringen 30 bis 40 Prozent ihrer Zeit mit Copy-Paste-Arbeit. Ein konkretes Beispiel: In der Offerte werden 40 Module angeboten, bei der statischen Auslegung reduziert man auf 38 Module, das Gesuch beim Netzbetreiber zeigt aber weiterhin die 40 Module. Bei Multi-Gewerk-Projekten entstehen Koordinations-Albträume: Wer ist wann fertig? Welche Unterlagen fehlen? Projektleiter telefonieren stundenlang. Für Netzbetreiber-Anträge und Pronovo-Eingaben gehen schnell mal bis zu zehn Stunden drauf – pro Projekt. Die Folge: Betriebe können nicht skalieren. Ab 50 bis 100 Projekten bricht die Excel-Organisation zusammen, während die Margen sinken.

Start-up des Monats von pv magazine und Vireo Ventures

In Kooperation mit Vireo Ventures, einem Frühphasen-Investor für eine vollständig elektrifizierte Welt, präsentieren wir monatlich ein aufstrebendes Unternehmen, das an Innovationen für die Solarbranche arbeitet und das wir für interessant halten. Wir wollen aufzeigen, was die Visionen der Unternehmer sind, aber auch wo diese Start-ups heute stehen und wo es konkrete Möglichkeiten für Kooperationen gibt.

Wenn du Dein Unternehmen als Start-up des Monats präsentieren möchtest, fülle bitte den folgenden Fragebogen aus:
-> Zum Fragebogen

Du kannst uns auch per Email an pv magazine und Vireo kontaktieren:
-> Start-up-des-monats@vireo.vc

Wir freuen uns auch über für Rückmeldungen zu den vorgestellten Unternehmen, zu deren Fragen (siehe ganz unten) und zu unserer Auswahl an diese E-Mail-Adresse.

Hier finden Sie die bisherigen Start-up des Monats

Welche Lösungen gibt es dafür bisher auf dem Markt?

Der Markt lässt sich in fünf Kategorien einteilen: Vertriebs-Tools (Eturnity, Reonic, Autarc) fokussieren auf die Angebotsphase. Doch gerade nach Vertragsabschluss wird der Funktionsumfang schnell dünn – die Projektumsetzung wird deshalb in andere Lösungen ausgelagert. Generische Projektmanagement-Tools (Monday.com, Asana, ClickUp) haben keine Integrationen zu branchenspezifischen Systemen wie „ElektroForm solar“ oder Pronovo. Von diesen wechseln die meisten unserer Kunden zu uns. ERP-Systeme (Abacus, Bexio) sind essentiell für die Buchhaltung, aber ungeeignet für Projektabwicklung im operativen Alltag. Spezial-Tools für einzelne Schritte („ElektroForm solar“ für Planung, Pronovo für Förderung) lösen nur Fragmente – die Verbindung fehlt. Excel-Tabellen haben keine Datenvalidierung, keine Integrationen, keine Kundenanbindung. Ab 50 bis100 Projekten wird es chaotisch. Was fehlt: Eine Lösung für die gesamte Post-Sales-Phase mit durchdachten Integrationen zu allen relevanten Schweizer Tools und nativer Multi-Gewerk-Unterstützung. In der gesamten Schweiz gibt es aktuell kein vergleichbares Angebot. Genau diese Lücke schließt Solarstream.

Welche Lösung bietet ihr euren Kunden an und gibt es bei euch ein Alleinstellungsmerkmal?

Solarstream ist die erste branchenspezifische Projektmanagement-Plattform für die Post-Sales-Phase von Solar- und Gebäudetechnik-Projekten in der Schweiz. Wir automatisieren administrative Prozesse und orchestrieren Multi-Gewerk-Zusammenarbeit. Unsere Kernfunktionen: Durchdachte, kontinuierliche Integrationen: Im Gegensatz zu Lösungen mit einmaligem Datenexport setzen wir auf bidirektionale, kontinuierliche Synchronisation mit ElektroForm solar, Abacus, Bexio, Solar.Pro.Tool, K2Base, PV*Sol, Pronovo und Netzbetreibern. Änderungen fließen automatisch in beide Richtungen – echte Integration, nicht nur Datenübertragung. Projektmanagement & Multi-Gewerk-Koordination: Zentrale Übersicht mit automatischem Status-Assistenten. Dachdecker, Elektriker und Solar-Installateure arbeiten transparent in einer Plattform. Integrierte Ressourcenplanung: Teams und Ressourcen zentral verwalten. Drag-and-Drop-Planung mit Auslastungsübersicht verhindert Überbuchungen. Administration auf Knopfdruck: PDF-Anträge automatisch befüllt in Sekunden statt Stunden. Datenvalidierung verhindert Fehler. Unser Alleinstellungsmerkmal: Kontinuierliche, bidirektionale Synchronisation statt oberflächlicher Einmal-Integrationen. Preis pro Projekt, nicht pro Nutzer. Ergebnisse: 60 Prozent Zeitersparnis, messbare Fehlerreduktion.

Gibt es bereits Nachweise, dass die Lösung funktioniert, und Referenzen? Wenn ja, welche?

Ja – Solarstream ist seit Januar 2025 live und bereits produktiv bei über 20 Kunden im Einsatz. In unserem ersten Jahr wurden über 700 Projekte über die Plattform abgewickelt. Etablierte Referenzkunden: Soller-Partner AG (CKW-Gruppe), Ewald Gattlen Gebäudetechnik AG, Solo Solar GmbH, Concept Energy AG, Prosolis AG, Engitec AG Messbare Erfolge: Bis zu 60 Prozent Zeitersparnis bei administrativen Tätigkeiten PDF-Anträge in Sekunden durch automatisches Befüllen Fehlerreduktion durch Datenvalidierung (zum Beispiel automatische Kanton-Checks) Gesteigerte Kundenzufriedenheit und mehr Referenzgeschäft Auszeichnung: Innobooster des Energylabs 2024 Kunden-Testimonial: „Das Beste an Solarstream ist, dass alles miteinander vernetzt ist und auf einer zentralen Plattform zusammenkommt. Die Anbindung an ElektroForm solar, die Schnittstellen zu den EWs oder zu Pronovo – an alles ist gedacht.“ – Marco Signer, Projektleiter Concept Energy AG.

Batteriespeicher-Start-up in Europa:

Letztes Jahr haben wir sehr viele Einreichungen von Batteriespeicher-Start-ups erhalten. Die Entscheidung fällt teilweise sehr schwer, welches Unternehmen eines Segments den Zuschlag „Start-up des Monats“ bekommen soll. Daher haben wir erst einmal einen Überblick über die Angebote der jungen Unternehmen erstellt:  Zur Übersicht Batteriespeicher-Start-ups

Euer Angebot bezieht sich auf den Schweizer Markt. Gibt es in Österreich und Deutschland bereits vergleichbare Angebote oder plant ihr eine Expansion in die Nachbarländer?

Es ist richtig, dass wir uns aktuell auf die Schweiz konzentrieren aber unsere Lösung ist so entwickelt, dass wir bereits heute Kunden in Deutschland oder Österreich bedienen können, lediglich die spezifischen Schnittstellen zu Netzbetreibern und Förderportalen können wir außerhalb der Schweiz noch nicht anbieten. Schnittstellen wie die zu K2Base oder PV*Sol können aber bereits auch außerhalb der Schweiz genutzt werden. In diesen Ländern gibt es bereits einige Anbieter, allerdings mit einem stärkeren Fokus auf der Angebotserstellung und weniger Schnittstellen zu den typischen Branchenlösungen.

Inwiefern bringt diese Lösung die Energiewende voran?

Solarstream beschleunigt die Energiewende auf drei direkten Wegen: 1. Mehr Kapazität durch Effizienzgewinn 60 Prozent Zeitersparnis bei Admin-Tätigkeiten bedeutet: Installateure können mit gleichem Personal deutlich mehr Projekte umsetzen. 2. Weniger Verzögerung Übertragungsfehler und fehlende Koordination führen oft zu Verzögerungen. Durch automatisierte Datenvalidierung und transparente Multi-Gewerk-Koordination werden mehr Projekte erfolgreich und fristgerecht abgeschlossen. 3. Niedrigere Einstiegshürden Dachdecker, Elektriker und Gebäudetechniker wollen ihr Portfolio um Solar erweitern, scheuen aber die administrative Komplexität. Solarstream macht es einfach – wir demokratisieren den Zugang zur Solar-Installation. Das grosse Bild: Die Politik spricht immer wieder vom “Bürokratie-Abbau” aber in der Realität kommt wenig im operativen Alltag an und es werden eher mehr als weniger Anträge. Solarstream hilft, den Bürokratie-Marathon effizient zu meistern.

Wie seid ihr finanziert?

Solarstream ist zu 100 Prozent bootstrap-finanziert – aus Überzeugung, nicht aus Notwendigkeit. Als Software-Profis aus dem Startup- und Scale-up-Business haben wir bewusst auf externes Venture Capital (VC) verzichtet. Wir glauben an nachhaltige, kundengetriebene Entwicklung statt Exit-Druck und Hypergrowth-Zwang. Was das für unsere Kunden bedeutet: Absolute Unabhängigkeit: Keine Investoren, die strategische Entscheidungen beeinflussen Echte Kundenorientierung: Wir finanzieren uns durch Umsatz – unsere Kunden sind unsere einzigen Stakeholder Langfristige Perspektive: Kein Exit-Druck – wir bauen ein nachhaltiges, profitables KMU für KMU. Agile Entwicklung: Als zweiköpfiges Team reagieren wir extrem schnell auf Kundenfeedback Unsere Philosophie: Bereits mit einem kleinen, hocheffizienten Team kann man grosse Wirkung erzielen. Diese Effizienz-Mentalität ist in unserer DNA – und genau das geben wir an unsere Kunden weiter.

Habt ihr Fragen an die Leser von pv magazine?

Wir haben drei konkrete Fragen an die pv magazine Community:

An Installateure und Handwerksbetriebe:

  • Welche digitalen Tools nutzen Sie zur Projektkoordination – und wie viel Zeit verbringen Sie mit Copy-Paste zwischen verschiedenen Systemen?
  • Wo ist Ihr größter Schmerzpunkt bei der gewerkeübergreifenden Zusammenarbeit?

An Softwareanbieter und Tool-Entwickler:

  • Wir suchen aktiv nach Partnern für weitere Integrationen.
  • Welche Tools vermissen Sie in unserem Portfolio? Welche Schnittstellen würden den größten Mehrwert schaffen?

An alle:

  • Welche administrativen Prozesse halten Sie für besonders digitalisierungsbedürftig?

Bitte schicken Sie Ihre Fragen und Anmerkungen an Start-up-des-monats@vireo.vc (pv magazine und Vireo). Wir leiten Sie an unsere Gesprächspartner weiter.

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