DIW Berlin: Energiewende muss deutlich beschleunigt werden

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Mit dem neuen „Ampel-Monitor Energiewende“ will das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) von nun an regelmäßig überprüfen, ob das Tempo bei der Energiewende ausreicht, um die Klimaziele der Bundesrepublik zu erreichen. Der Monitor zieht dabei 15 Indikatoren aus den Bereichen Stromerzeugung, erneuerbare Wärme, Elektromobilität, Wasserstoff und Energieverbrauch heran. Als Bezugsgröße verwenden die Forscher die Ziele der Bundesregierung für die einzelnen Bereich

Die erste Ausgabe des Monitors zeigt, dass die Energiewende deutlich an Fahrt aufnehmen muss. Bei der Photovoltaik zum Beispiel müssen bis 2030 im Durchschnitt 1,44 Gigawatt zugebaut werden, um das in der EEG-Novelle aus dem Osterpaket festgeschriebene Ziel von 215 Gigawatt bis 2030 zu erreichen. Der Trend des PV-Ausbaus in den vergangenen zwölf Monaten war mit 0,45 GW pro Monat deutlich geringer. Mit dieser Ausbaugeschwindigkeit würden bis Ende 2030 lediglich knapp 108 GW Leistung erreicht. Für das Ziel von 215 GW muss mehr als dreimal so schnell ausgebaut werden wie im Trend der vergangenen zwölf Monate – und sogar beinahe fünfmal so schnell wie im Trend der Jahre 2017 bis 2021.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauchinfo bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Dafür muss der Anteil ab 2021 im Durchschnitt um über vier Prozentpunkte pro Jahr wachsen – im Zeitraum 2017 bis 2021 betrug das Wachstum aber nur rund zwei Prozentpunkte pro Jahr, so das DIW Berlin.

Aktueller Stand versus Ziele für 2030

Grafik: DIW Berlin

Mehr Tempo auch bei Wärmepumpen, Elektroautos und Ladestationen

Bei Wärmepumpen hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kürzlich das Ziel von sechs Millionen Wärmepumpen bis 2030 ausgegeben. Das DIW-Berlin geht, basierend auf früheren Aussagen des Ministers, in seinem Monitor von fünf Millionen Anlagen bis 2030 aus. Dafür müssten jährlich rund 0,4 Anlagen hinzukommen. Zwischen 2017 und 2021 wurden aber im Jahresschnitt nur 100.000 Anlagen installiert.

Im Verkehrssektor haben SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag das Ziel von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 vereinbart. Um das zu erreichen, müssen bis zum Jahr 2030 im Durchschnitt rund 132.000 Fahrzeuge pro Monat hinzukommen. Im Trend der vergangenen zwölf Monate waren es aber nur knapp 28.000 Elektroautos pro Monat – was allerdings auch an Problemen in den Lieferketten und langen Lieferfristen für Elektrofahrzeuge lag, betont das DIW Berlin.

Ebenso hat sich die Ampel im Koalitionsvertrag das Ziel von einer Million öffentlich zugänglicher Ladepunkten bis 2030 gesetzt. Dabei soll vor allem Schnellladeinfrastruktur entstehen. Um das zu erreichen, müssen bis 2030 im Durchschnitt monatlich rund 8.700 neue Ladepunkte in Betrieb gehen. Im Trend der vergangenen zwölf Monate waren es aber nur gut 1.200 monatlich. Gegenüber diesem Trend muss der Ausbau der Ladeinfrastruktur also um den Faktor sieben steigen.

Aus den Fahrzeugbestands- und Ladeinfrastrukturzielen für 2030 ergibt sich ein Verhältnis von 15 batterieelektrischen Pkw pro öffentlich zugänglichem Ladepunkt im Jahr 2030, so das DIW Berlin. Derzeit teilen sich knapp zwölf Elektro-Pkw einen öffentlichen Ladepunkt. Betrachtet man nur die Schnellladepunkte, liegt das Verhältnis derzeit bei knapp 80 Elektro-Pkw pro Schnelllader.

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