Jinko Solar strebt 20 bis 25 Prozent Marktanteil größtenteils mit n-type-Topcon-Solarmodulen an

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Drei Wochen nach der Intersolar, was haben Sie von der Messe mitgenommen?

Frank Niendorf: Wir hatten ja auch früher schon die ein oder andere Intersolar, die optimistisch stimmte. Aber dieses Jahr haben wir einen Optimismus wahrgenommen wie noch nie zuvor. E-Mobilität, Carbon Footprint, dann die generellen CO2-Ziele, die Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen – es gibt viele Treiber und alle wirken in die gleiche Richtung. Dementsprechend wären wir nicht überrascht, wenn der europäische Markt schon ab nächstem Jahr in Richtung 50 Gigawatt steuern würde. Wir sind nach Hause gefahren und fragen uns, wie wir dieses Branchenwachstum, das jetzt erwartet wird, abbilden können. Die Lieferkette und die Logistik sind die Flaschenhälse für das erwartete Wachstum.

Da kommen wir gleich nochmal drauf. Auf der Intersolar suchen viele Besucher auch nach Produkten. Was haben Sie vorgestellt?

Jinko hat in den letzten zwei Jahren aktiv in die n-type-Topcon-Technologie investiert und schon über zwei Jahre eine stetige Produktion von ungefähr einem Gigawatt am Laufen. Das hat uns viel Zuversicht für das Potenzial dieser Technologie und für das Kostensenkungspotential gegeben. Jetzt haben wir uns dazu entschlossen, massiv in diese Technologie zu investieren. Wir sind in der Ramp-up-Phase der Produktion und werden sämtliche Expansion der Produktionskapazitäten nur noch mit dieser Technologie durchführen. Zum Jahresende planen wir um die 32 Gigawatt an Kapazität dafür zu haben, zusätzlich zu den bestehenden 33 Gigawatt p-type-Kapazitäten. Damit wollen wir n-type so schnell wie möglich zum neuen Marktstandard machen. Das ist vergleichbar mit der Entwicklung vor drei Jahren, als alle von poly- zu monokristallinen Zellen gewechselt haben. Jetzt sehen wir den Wechsel von  p-type-Perc zu n-type-Topcon.

Das heißt, die Module gibt es schon länger, aber jetzt kommt der große Produktionsausbau?

Genau. Wir haben zum Jahresanfang den Börsengang in Shanghai erfolgreich absolviert. Einen Großteil der Mittel daraus verwenden wir jetzt für dem massiven Ausbau der n-type-Kapazitäten.

Welche Wachstumsziele haben Sie für die weiteren Jahre?

Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir über diesen starken Ausbau der n-type-Kapazitäten die Skaleneffekte erzielen werden, die erforderlich sind, um die Herstellkosten auf oder fast auf p-type-Niveau zu drücken. Dann wird das ein Selbstläufer. Man hat bei nur sehr geringen Mehrkosten die technischen Vorteile, das sind höhere Effizienzen, ein höherer Energieertrag, eine bessere Schwachlicht-Performance und geringere Degradationsraten. Ohne größeren Capex macht es dann keinen Sinn mehr, auf Perc-p-type zu setzen. Nächstes Jahr wollen wir weiter schneller als der Markt wachsen. Wenn wir von 45 bis 50 Gigawatt Gesamtjahresinstallationsvolumen in Europa ausgehen, wollen wir uns davon mindestens 20 bis 25 Prozent Marktanteil abschneiden.

Verfügbarkeit ist ja ein ganz großes Thema. Auf der einen Seite sehen wir diesen großen Ausbau an Produktionskapazitäten, aber das heißt dann noch nicht, dass die Module auch hier ankommen. Wie berechtigt sind die Sorgen, dass es knapp wird mit den Modulen? 

Das ist die Gretchenfrage. Wir sehen definitiv in diesem Jahr keine Entspannung am Markt. Im Gegenteil, die Silizium-Versorgung ist weiterhin knapp. Darüber hinaus haben auch die höheren Energiekosten gewaltige Auswirkungen, gerade auf energieintensive Komponenten wie Glas, wie Stahl oder Aluminium, aber auch auf die Einbettungsfolie (EVA). Folglich müssen wir zumindest in diesem Jahr davon ausgehen, dass sich das relativ hohe Preisniveau fortsetzen wird und auch die Versorgunglage unverändert angespannt bleiben wird. Wir werden im nächsten Jahr neue  Silizium-Kapazitäten haben. Wir rechnen daher dann mit einer Entspannung. Bei der Logistik gibt es schon jetzt etwas Entspannung. Das ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Automobilindustrie aufgrund der Lockdown-Situation aktuell nicht so viele Kapazitäten nutzt. Das kann sich relativ schnell wieder ändern.

Auf der einen Seite haben wir die hohen Kapazitäten, auf der anderen die Unterversorgung mit Silizium. Wie hoch wird die Auslastung sein?

Schon dieses Jahr liegt die Auslastung relativ gut bei  80 bis 90 Prozent. Nächstes Jahr sind die zusätzlichen Silizium-Kapazitäten entscheidend. Wenn die Ausbaupläne wie geplant umgesetzt werden, können wir in 2023 von 280 Gigawatt an Silizium-Kapazitäten ausgehen. Das wäre dann in Balance zu dem erwarteten Marktwachstum und die Modulkapazitäten könnten ziemlich optimal ausgenutzt werden.

Und wann kommt dann die Heterojunction-Technologie?

Das ist auch ganz klar in der Entwicklungspipeline. Wir gehen jetzt aber erstmal für die nächsten zwei bis drei Jahre von Topcon aus. Heterojunction braucht noch ein bisschen, um die Herstellkosten auf ein akzeptables Niveau runterzukriegen. Wenn wir so eine neue Technologie in den Markt einführen, dann müssen wir schon sicher sein, dass nicht nur eine Effizienzsteigerung möglich ist, sondern dass wir über Skaleneffekte auch die Herstellkosten in den Griff bekommen. Wir bieten  ja nicht nur für den Endkundenmarkt mit höherem Preisniveau an, sondern auch für Kraftwerke an.

Jinko Solar bietet jetzt auch Batteriespeicher und Wechselrichter an. Warum?

Das Photovoltaik-Modul ist und bleibt unser Kerngeschäft. In einigen Ländermärkten kommt es ohne Speicherlösungen aber bereits zu Hemmnissen. Der Markt kann ohne zuverlässige Speicherlösungen nicht mehr in der Geschwindigkeit wachsen. Von daher gesehen gehen wir in ein hochattraktives Wachstumssegment und sehen darin ein zukünftiges zweites bedeutendes strategisches Standbein neben dem Modulgeschäft. Ich denke, mit unserem Jinko-Markennamen und der Zuverlässigkeit im Modulbereich können wir gut punkten. Außerdem stoßen wir auf eine Versorgungslücke, die wir gerne füllen wollen.

Hat Jinko das System selbst entwickelt und stellt es selbst her?

Aktuell fahren wir eine OEM-Strategie. Bei den Batterien wurde die Partnerschaft mit CATL schon angekündigt. Das hat uns ermöglicht hat, relativ schnell Fahrt aufzunehmen und eine Marktversorgung in relativ kurzer Zeit hinzubekommen. Das kann sich in Zukunft noch ändern.

Wie verfügbar sind die Batterien?

Wir sind zuversichtlich, dass wir über die Partnerschaften entlang der Lieferkette auch eine Versorgungssicherheit hinbekommen. Wir sind natürlich am Anfang. Die Frage ist jetzt, wie schnell wächst das Auftragsvolumen. Da sind wir nach der Intersolar-Woche sehr zuversichtlich.

Wie lang ist die Lieferzeit für ein Heimspeichersystem?

Für Heimspeicher-Lösung liegen wir zwischen vier und sechs Monaten.

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