EnBW, EnviaM, Senec und Sonnen legen Konzept für kleine Direktvermarktung von Post-EEG-Anlagen vor

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Am Montag haben EnBW, EnviaM, Senec und Sonnen ihr gemeinsames Konzept für eine „Kleine Direktvermarktung für Solaranlagen mit auslaufender EEG-Förderung“ veröffentlicht. Der Vorschlag wendet sich an die Betreiber, die ab 2021 keine Einspeisevergütung mehr für ihren Solarstrom erhalten. Gerade in den ersten Jahren werden dies überwiegend sehr kleine Photovoltaik-Anlagen sein. Im aktuellen EEG fehlt noch eine Anschlussregelung, die einen Weiterbetrieb der Photovoltaik-Anlagen sicherstellt. Nach derzeitigem Stand müssten sich die Betreiber der Post-EEG-Anlagen einen Abnehmer für ihren Solarstrom suchen, um nicht zu „wilden Einspeisern“ zu werden. Damit verbunden wären allerdings hohe Kosten für Zähler- und Messtechnik.

Genau an diesem Punkt setzt die Allianz der Energieunternehmen an. Sie will die aus der klassischen Direktvermarktung bekannten Prozesse verschlanken, um sie für kleine Photovoltaik-Anlagen zu nutzen. Gleichzeitig soll den Betreibern eine volkswirtschaftlich sinnvolle Weiternutzung ihrer Photovoltaik-Anlagen ermöglicht werden. Zudem ist das Konzept perspektivisch auch auf die Besitzer von Speichern und Elektroautos ausgelegt, die ihren Strom am Markt für geringen Aufwand vermarkten wollen, wie es von den Unternehmen heißt.

Zur Umsetzung des Vorschlags bedürfe es „nur geringer gesetzgeberischer und prozessualer Anpassungen“. So müsse jedem Anlagenbetreiber die Möglichkeit gegeben werden, seinen überschüssigen oder kompletten Strom einfach am Markt zu verkaufen. Mit der „kleinen Direktvermarktung“ würden die Kosten gesenkt und Pflichten gleichzeitig erfüllt. Dabei soll eine vollständig digitale Abwicklung aller Prozesse aus einer Hand erfolgen. Das Konzept stellt den Autoren zufolge auch eine Umsetzung der europarechtlichen Vorgaben dar.

Als Anbieter der „kleinen Direktvermarktung“ würden reguläre Direktvermarkter agieren. Es brauche keine neue Marktrolle. Die Bilanzierung erfolge auf Einspeiseseite grundsätzlich viertelstündlich. Allerdings dort wo die Kosten für eine viertelstündliche Bilanzierung die Einnahmen aufzehren, solle das Standard-Einspeiseprofil für Anlagen bis 7 Kilowatt Leistung genutzt werden. Die Belieferung würde nach dem Standardlastprofil erfolgen. Zur Erhebung der Viertelstundenwerte sollten intelligente Messsysteme genutzt werden, die allerdings nur einmal täglich die Werte vom Vortag übermitteln würden. Zusätzliche Hardware zur Fernsteuerung der Anlagen ist nach den Autoren des Konzepts nicht notwendig. Die Betreiber erhalten für ihren eingespeisten Solarstrom pauschal Herkunftsnachweise auf Basis der installierten Leistung der Anlagen. Die Abrechnung werde jährlich erfolgen.

„Betreiber von Solaranlagen können auch nach Ende der Förderung ihren Strom noch selbst nutzen, speichern oder am Markt verkaufen“, sagt Jean-Baptiste Cornefert, Geschäftsführer der Sonnen E-Services, mit Blick auf den Vorschlag. „Entscheidend ist, dass die resultierenden Einnahmen auch beim Kunden ankommen und nicht auf dem Weg durch überholte rechtliche Anforderungen und bürokratische Prozesse wieder aufgezehrt werden.“

„Uns war wichtig, Unternehmen aller Wertschöpfungsstufen bei diesem Vorschlag einzubinden, um betroffenen Anlagenbetreiber eine einfache und zukunftssichere Lösung zur Verfügung stellen können“, ergänzte Claus Fest, der als Leiter Produktentwicklung Energiewirtschaft (B2C) bei EnBW und Mitglied der Geschäftsleitung bei Senec. „Jedes Smartphone kann heute mit jedem anderen Smartphone auf der Welt kommunizieren, ohne dass die Besitzer auch nur ein Blatt Papier ausgefüllt haben. Der Verkauf von Solarstrom sollte nicht wesentlich komplizierter sein.“

Andreas Auerbach, Vertriebsvorstand bei EnviaM, betonte noch: „Der Kunde will so viel Markt wie möglich mit so wenig Aufwand wie nötig. Bei unserem Vorschlag kann der Kunde selbst entscheiden, mit wem und an wen er seinen grünen Strom verkauft.“

Die Unternehmen wollen ihr Konzept nun mit der Branche diskutieren. Voraussichtlich im Herbst wird es eine EEG-Novelle geben und dann werden sinnvolle Weiterbetriebslösungen für Post-EEG-Anlagen gebraucht. In Hinblick auf die Reform hatte auch die Bundesnetzagentur mit den drei Optionen für ein „Prosumer-Modell“ bereits Vorschläge gemacht, die weite Teile der Photovoltaik- und Speicherbranche im Frühjahr in Aufregung versetzten. Mehr zum Konzept der Bonner Behörde finden Sie in unserer frisch erschienenen Juni-Ausgabe des pv magazine Deutschland.

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