Wacker Chemie mit 630 Millionen Euro Verlust 2019 – Prognose für 2020 unter Vorbehalt

Teilen

Die Wacker Chemie AG hat 2019 einen Umsatz von 4,93 Milliarden Euro erzielt – ein Rückgang von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) summierte sich im Geschäftsjahr 2019 auf 783,4 Millionen Euro, 16 Prozent weniger als 2018. Der Konzern erklärt dieses Minus vor allem mit den erheblich niedrigeren Durchschnittspreisen für Polysilizium für die Solarindustrie. Dazu kämen niedrigere Preise für Standardsilicone und die stark gestiegenen Stromkosten in Deutschland.

Der Preisrückgang beim Solarsilizium zwang Wacker Chemie auch dazu, eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 760 Millionen Euro auf den Bilanzwert seiner Anlagen zur Herstellung von Polysilizium vorzunehmen. Der Konzern geht davon aus, dass der Preisdruck anhalten wird. Wegen dieser Abschreibung hat das Unternehmen das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust von 630 Millionen Euro abgeschlossen. Im Jahr zuvor schrieb es noch einen Gewinn von 260 Millionen Euro.

Der Umsatz des Geschäftsbereichs Wacker Polysilicon hat sich 2019 vor allem wegen der deutlich niedrigeren Preise für Solarsilizium um fünf Prozent auf 780 Millionen Euro verringert. Das EBITDA ist mit 56,9 Millionen Euro preisbedingt um 21 Prozent gesunken.

Konzern sieht keine Entspannung in 2020

Für 2020 rechnet Wacker Chemie trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen damit, dass der Umsatz um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigen wird. Beim Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwartet das Unternehmen allerdings einen weiteren Rückgang. Als  Grund dafür nennt Wacker Chemie die 2019 vereinnahmten Versicherungsleistungen aus dem Schadensfall am US-Produktionsstandort Charleston. Dort kam es 2017 zu einer Wasserstoff-Explosion, in deren Folge die Fabrik mehrere Monate still stehen musste. Der Jahresüberschuss des Konzerns soll dagegen deutlich steigen. Nicht berücksichtigt in dieser Prognose sind allerdings die wirtschaftlichen Auswirkungen, die das Corona-Virus nach sich ziehen könnte.

„2020 wird aus heutiger Sicht ein weiteres sehr anspruchsvolles Jahr“, erklärt Konzernchef Rudolf Staudigl. „Der hohe Wettbewerbs- und Preisdruck im Geschäft mit Polysilizium bleibt eine Herausforderung. Handelskonflikte und geopolitische Krisen bergen Abwärtsrisiken. Die Unsicherheiten auf Grund des Coronavirus überschatten derzeit jedoch zusätzlich alle anderen Risiken. Andererseits sind wir zuversichtlich, dass wir mit hervorragenden Produkten in allen unseren Geschäftsbereichen über hohes Wachstumspotenzial verfügen.“

Wacker Chemie hat kürzlich ein Effizienzprogramm vorgestellt, das den Konzern profitabler und wettbewerbsfähiger machen soll. Insgesamt 250 Millionen Euro pro Jahr will das Unternehmen demnach sparen, indem es Sachkosten und intern erbrachte Leistungen reduziert und seine Organisation verschlankt. In diesem Zusammenhang sollen laut Wacker bis Ende des Jahres 2022 mehr als 1000 Stellen in den Verwaltungsbereichen des Konzerns sowie in den indirekten und nicht operativen Funktionen der Geschäftsbereiche wegfallen. Insgesamt 80 Prozent der Stellenstreichungen entfallen auf Deutschland.