Me(e/h)rwert Solar

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Bisher führen die Themen Agro-Photovoltaik und Modul-Kühlung ein Nischendasein. Die meisten Firmen winken hier schon im Vorfeld ab. Gerade bei der Kühlung von Photovoltaik Modulen sind die bisherigen Ansätze ganz klar noch Lichtjahre von einer Wirtschaftlichkeit entfernt. Egal, ob es sich dabei um Salzspeicher oder Kühlschlangen handelt, die hinter jedes einzelne Modul geklebt werden. Die Zusatzkosten sind derzeit bei allen diesen Lösungen weit jenseits von Gut und Böse, da die Zusatzkosten je Modul entstehen und den Modulpreis somit teilweise sogar verdoppeln. Eine Ausnahme bilden die Sprühsysteme, die sich jedoch mit ihrem hohen Trinkwasserverbrauch im dürregeplagten Sonnengürtel von allein disqualifizieren.

Wir sind ein Start-up aus Berlin und wollen das mit unserem neuen Produkt: „IrrigationNets“ mit einem verblüffend einfachen Ansatz ändern. Mit Hilfe eines sehr günstigen und trotzdem hoch effektiven Verdunstermaterials können wir mit Meerwasser viele Millionen Kubikmeter salzfreie kalte feuchte Luft erzeugen. Mit dieser Luft können spezielle Agro-Photovoltaik-Gewächshaus-Kraftwerke berührungsfrei auf der Modulrückseite gekühlt werden. Das bedeutet, außer der erhöhten Aufstellung in Giebelform sind keine Veränderungen am Kraftwerk nötig und die Module werden lediglich durch den kalten Luftzug an der Rückseite gekühlt. Die Feuchtigkeit kann dabei den Modulen nicht schaden, da diese ständig von der Sonne erwärmt werden und der Taupunkt somit nicht erreicht wird.

Der Wirkungsgrad dieser Kühlung liegt zwar nur bei bescheidenen 30 Prozent. Das ist jedoch aufgrund der massiven Überkompensation der sehr günstigen Kühltechnik kein Problem. Denn die nicht genutzte Kühlung ist dabei nicht verloren, sondern kommt dafür dem Gewächshaus und auch der umgebenden Landwirtschaft zu Gute. Das ist bei bis zu 50 Grad Celsius  und mehr auch dringend notwendig und kann im Extremfall sogar einen Totalausfall im Anbau verhindern. Dadurch wird es auch in den Extremlagen möglich, wesentlich mehr und besser Landwirtschaft zu betreiben.

Die Kopplung der Solarprojekte mit der Landwirtschaft eröffnet dadurch viele interessante Synergien, welche die Zusatzkosten mehr als ausgleichen. Netto kann kühlunsgsbedingt in etwa 5 Prozent mehr zusätzliche Energie erzeugt werden. Die Module haben eine bis zu 30 Prozent höhere Lebensdauer und einen deutlich geringeren Leistungsverlust.

Zudem kann das Land weiterhin bewirtschaftet oder mitunter auch erstmals urbar gemacht werden, was besonders für die biologische Landwirtschaft wichtig ist. Der Solar-Investor kann nicht nur das Land kostenlos nutzen, sondern erhält auch noch einen Anteil am zusätzlichen Gewinn in der Landwirtschaft. Weiterhin erhöht sich die Sicherheit der Anlage, da das Gelände aktiv bewirtschaftet und somit gleichzeitig auch bewacht wird. Außerdem können für die Maßnahmen zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft diverse Fördergelder bei den einzelnen Projekten in Anspruch genommen werden.

Wer schon einmal ein Kraftwerk in unmittelbarer Meeresnähe betreut hat, kennt die damit verbundenen Korrosionsprobleme. Studien zeigen hier schon eine deutliche Abnahme der Korrosion ab 400 Meter Entfernung vom Meer. Dementsprechend ist der Rest-Salzgehalt in der Luft eine große Herausforderung bei solchen Projekten und war ein wichtiger Gegenstand der dreijährigen Entwicklungsarbeit.

Inzwischen soll unser Produkt: „IrrigationNets“ an den Markt gehen und wir suchen weltweit Partner für diverse Projektstandorte  Denn Photovoltaik-Kraftwerke können wesentlich mehr als nur Strom produzieren. Sie können auch helfen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen, die Versorgungssicherheit verbessern und nebenbei über erhöhte Mengen an Morgentau ganze Wüsten begrünen.

— Der Autor Volker Korrmann ist Diplom-Ingenieur und verfügt über 20 Jahre Erfahrung als Seniorberater. Er ist seit 2011 Geschäftsführer der Ewind Betreiber- und Vertriebs- GmbH und hat im Rahmen dieser Tätigkeit diverse Forschungsprojekte im Bewässerungsbereich in Zusammenarbeit der Humboldt Universität, der Landesstelle Berlin und dem Institut für Olivenbäume in Tunesien durchgeführt. http://irrigationnets.com/

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